Der Dax führt Anleger in die Irre – Infos für Forex Broker

Zuletzt aktualisiert & geprüft: 30.07.2019

Der Dax führt Anleger in die Irre

Von Frank Stocker

Die Deutschen glauben fälschlicherweise, der Leitindex sei auf Rekordniveau. Das hat Folgen

Neuer Rekord: 10.000 Punkte, endlich fünfstellig. Überall schaffte es der Deutsche Aktienindex in den vergangenen Tagen mal wieder in die Schlagzeilen. Doch die meisten Deutschen nahmen diese Nachricht eher schulterzuckend zur Kenntnis. Denn die breite Masse besitzt überhaupt keine Aktien und hat folglich nichts von dem Rekord.

Es ist ein Drama. Denn dass die Deutschen einen großen Bogen um die Börse machen, liegt ja nicht daran, dass sie kein Geld hätten. 5,15 Billionen Euro haben sie laut Angaben der Bundesbank auf der hohen Kante. Davon liegen jedoch allein zwei Billionen auf Sparbüchern und Tagesgeldkonten, 1,5 Billionen bei Versicherern, und nur 300 Milliarden sind in Aktien investiert.

Bei Lebensversicherungen sinkt der Garantiezins demnächst erneut, auf Sparbüchern und Tagesgeldkonten tendiert die Rendite ohnehin schon gegen Null, und nach den jüngsten Beschlüssen der Europäischen Zentralbank vom Donnerstag den Leitzins erneut zu senken und sogar Strafzinsen für Einlagen von Banken bei der Europäischen Zentralbank einzuführen ist keine Besserung in Sicht.

Deutsche Aktien dagegen schütten jedes Jahr allein Dividenden in Höhe von rund drei Prozent ihres Wertes aus. Dazu kommt noch das Potenzial für Kurssteigerungen. Es ist alles so logisch und überzeugend – und dennoch kaufen die Deutschen keine Aktien. Woran liegt es? Die Deutschen haben große Angst davor, dass sie mit Aktien Geld verlieren, weil die Kurse sinken könnten. Zwei Mal in den vergangenen 15 Jahren haben sie solche Abstürze erlebt.

Diese Angst jedoch wird ganz stark von einer Seite befeuert und unangemessen verstärkt, die wohl die wenigsten in Verdacht haben: vom Dax-Index selbst. Denn natürlich erinnert sich so mancher, wo der Dax vor der Finanzkrise stand – bei rund 8000 Punkten. Und wo steht er jetzt? Bei 10.000. Das ist, so die Folgerung, schon viel zu hoch, da muss ja ein Absturz folgen.

Doch diese Folgerung ist völlig falsch, und zwar weil der Dax-Punktestand falsch und irreführend ist. Der Dax steht nicht bei 10.000 Punkten. Er steht in Wahrheit nur knapp über 5000 Zähler und damit noch unter dem Niveau von 2007.

Das liegt daran, dass beim Dax, wie er immer wieder zitiert wird, die ausbezahlten Dividenden eingerechnet werden. In keinem anderen Land der Welt, an keiner anderen Börse wird dies so gehandhabt. Dort wird der im Fokus der Öffentlichkeit stehende Hauptindex ohne Dividenden berechnet.

Und nur das ergibt Sinn. Denn für die Frage, ob Aktienkurse hoch sind oder nicht, spielen die in der Vergangenheit ausbezahlten Dividenden keine Rolle. Dafür ist einzig und allein der aktuelle Kursstand entscheidend. Interessanterweise gibt es den Dax aber auch ohne Dividenden, als so genannten Kurs-Index, im Gegensatz zum Performance-Index, der die Dividenden einrechnet. Doch den kennt kaum jemand, auch auf der großen Kurs-Tafel in der Deutschen Börse sehen die Menschen immer nur den Dax mit Dividenden, der auf Rekord notiert. Dieser Dax-Kursindex – nennen wir ihn hier den „echten Dax“ – erreichte sein Rekordhoch Anfang März 2000 bei rund 6200 Punkten. Danach stürzte er unter 2000 Punkte und kletterte dann bis 2007 wieder auf 5200 Zähler. Dann ging es erneut abwärts bis auf den Stand von 2500 Punkte, aktuell sind es wieder gut 5100.

Kurz: Auch der echte Dax erlebte ein heftiges Auf und Ab. Doch er ist heute noch weit von seinen einstigen Kurshöhen entfernt. Das, was der Performance-Index – nennen wir ihn den „falschen Dax“ – mit seinen 10.000 Zählern suggeriert, stimmt einfach nicht. Der echte Dax ist nicht auf Rekordhoch, er ist nicht überbewertet, die Kurse sind nicht übertrieben hoch. Denn die Gewinne der Firmen sind längst wieder da, wo sie vor der Krise waren. Die Kurse nicht.

Das alles erfahren die meisten Deutschen aber nicht. Denn sie sehen in der „Tagesschau“, im Internet, in der Zeitung überall immer nur den falschen Index, der ihnen weismacht, die Kurse seien auf Rekordniveau.

Daher gibt es nur eine Folgerung: Schafft diesen Dax ab! Ersetzt ihn in der öffentlichen Darstellung der Börsenentwicklung durch den echten Dax, den Kurs-Index. Denn nur dieser gibt wieder, wie hoch die Aktienkurse in Wahrheit stehen. Wäre dies der gängige Index gewesen, dann hätte vielleicht Ende 2012, als die deutsche Wirtschaft längst wieder boomte und die Euro-Krise sich legte, so mancher noch den Mut gefasst und Aktien gekauft. Denn der echte Dax lag damals gerade mal bei 4000 Punkten, mehr als 20 Prozent unter dem Hoch von 2007.

Der falsche Dax dagegen hatte da fast schon wieder sein altes Rekordhoch erreicht – und ließ die Menschen folglich zurückschrecken. Viel zu spät zum Einstieg, dachten sie sich. Inzwischen sind die Kurse aber 20 Prozent höher und in Wahrheit immer noch nicht auf Rekordniveau. Doch jetzt glauben alle, dass bei Ständen über 10.000 Punkten natürlich längst die ultimative Blase aufgepumpt wird. Und sie kaufen wieder nicht, weil sie dem falschen Dax folgen.

Stattdessen lassen die Deutschen ihr Geld weiter auf dem Tagesgeldkonto und klagen über die Enteignung der Sparer. Es ist ein Drama.

dax

Quelle: DIE WELT 

Expertentipp:

Der DAX ist nach wie vor für viele Anleger eine Richtlinie, an der sich orientiert wird. Allerdings sollte bedacht werden, dass es auch Wege gibt, das Trading erfolgreich ohne Blick auf den DAX durchzuführen.

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Der Dax führt Anleger in die Irre – Infos für Forex Broker was last modified: Februar 11th, 2019 by Deutsche Forex Broker