Halloween Strategie oder „Sell in May and go away“

Zuletzt aktualisiert & geprüft: 01.12.2018

Eine der bekanntesten Börsenregeln lautet „Sell in May and go away“. Insbesondere im Zeitraum von Ende April bis Ende Mai wenn regelmäßig Nervosität an den Finanzmärkten einkehrt, hat diese Börsenweisheit Hochkonjunktur. Doch was steckt wirklich dahinter und können Anleger damit wirklich eine bessere Performance erzielen? Einfach gesagt geht es darum, im Mai zu verkaufen und dann erst zum Herbst wieder einzusteigen. Deshalb wird diese Vorgehensweise auch als Halloween Strategie bezeichnet. Wir haben die Börsenregel einmal genau unter die Lupe genommen und auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft.

Halloween Strategie - Header

Quelle: Cornerstone  / pixelio.de

Ist der Mai wirklich ein Renditekiller?

Bei einem Blick auf die Vergangenheit zeigen sich einige Beispiele, welche die „Sell in Mai“ These zu bestätigen scheint. So ist der Mai sowohl beim DAX wie auch Dow Jones nach dem September der schlechteste Monat. Es lohnt sich hier jedoch etwas genauer hinzusehen. Die Börsenschwäche im Mai ist eher ein Phänomen der jüngeren Vergangenheit. Betrachtet man sich beispielsweise den Dow Jones Index seit seiner Einführung 1897 zeigen sich keine besonderen Auffälligkeiten. Der Mai verläuft hier völlig unauffällig seitwärts. Ist also alles nur Panikmache?

Halloween Strategie - Bild 1

Quelle: boerse.ard.de

Schaut man sich die Historie des DAX an wird deutlich, dass nicht im Mai, sondern im Juli der beste Zeitpunkt für einen Verkauf ist. Dies lässt sich aus den Daten der letzten 30 Jahre entnehmen. Die Kurse gehen im August und September regelmäßig nach unten und erholen sich dann erst im Oktober wieder.

Halloween Strategie - Bild 2

Quelle: HSBC Trinkhaus & Burkhardt AG

 

Die überproportional gute Performance im Dezember ist auf das saisonale Phänomen der Weihnachtsrallye zurückzuführen. Auffällig sind zudem die Monate August und September mit ihren negativen Werten. Im August ging es durchschnittlich um 2,6 und im September um 2,4 Prozent nach unten.

Ein ähnliches Bild sie bei der durchschnittlichen Performance zeigt auch ein Blick auf deren Regelmäßigkeit. In den Sommermonaten August und September hatten nur 46 Prozent der Transaktionen einen Gewinn zur Folge. Dagegen liegt die Trefferquote im Dezember beispielsweise bei 84,6 Prozent.

Halloween Strategie - Bild 3

Quelle: HSBC Trinkhaus & Burkhardt AG

Alles nur Zufall?

Woher kommt nun diese saisonal schwache Performance? Ein wichtiger Faktor sind die institutionellen Anleger. Fondsmanager investieren im Winter mehr Kapital. Im Sommer wird dann eher versucht die erzielten Renditen abzuschöpfen. Zudem drücken die in der Urlaubszeit geringeren Börsenumsätze auf die Euphorie der Anleger. Die Statistik wird jedoch auch durch einige größere Crashs in den Monaten August und September verzerrt. Hierzu gehört unter anderem die Asien-Krise 1997, die Russland-Krise 1998, der Börsencrash nach dem 11. September 2001 sowie natürlich nicht zu vergessen die Lehman-Pleite im September 2008.

„Sell in Summer“ als einfache Börsenstrategie

Wer sich die statistischen Muster zunutze machen möchte, kann dies relativ einfach umsetzen. So können Anleger beispielsweise am 01. Oktober einen ETF erwerben, welcher die Kursentwicklung des DAX exakt abbildet. Dieser wird dann am 31. Juli des Folgejahres wieder verkauft. Anschließend zwei Monate cash halten und danach geht das Ganze wieder von vorne los.

Diese saisonale Strategie wird auch als „Sell in Summer“ oder je nach Einstiegszeitpunkt als Halloween Strategie bezeichnet. Sie gehört zur Kategorie der mechanischen Timing Strategien. Es gibt feste Regeln für das Investment und klare Vorgaben zu welchem Zeitpunkt welche Aktien gekauft bzw. verkauft werden. Dabei gehört „Sell in Summer“ zu den mit Abstand einfachsten Börsenstrategien.

Einstieg bei der Halloween Strategie

Um zu prüfen ob die Börsenregel besser abschneidet als „Buy and Hold“ Strategie muss noch der Zeitpunkt für den Einstieg festgelegt werden. Für diesen zweiten Teil der Börsenweisheit gibt es verschiedene Varianten. Bekannt sind unter anderem die Versionen „come back on

St. Leger’s Day“ oder „come back in September“. Die beiden Varianten sagen im Prinzip dasselbe aus, da der St. Leger’s Day zumeist im September liegt. Das St. Leger Stakes ist das letzte Pferderennen einer Serie, die in England seit 1779 zwischen Ende April und Mitte September stattfindet. So kann es sein, dass der Ursprung dieser Weisheit gar nicht auf Erfahrungen an der Börse beruht. In den Monaten Mai bis September kümmerte sich die Oberschicht mehr um Pferderennen als um die Börsengeschäfte.

Sell in may and come back in September

Eine weitere Variante bezüglich der Rückkehr an die Börse fällt etwas ungenau aus. Ist es besser Anfang September, Mitte September oder Ende September wieder mit dem Handel zu beginnen. Für den Dax zeigen die Statistiken bei einem Einstieg Ende September die beste Performance. Betrachtet man sich alle Daten seit 1970 ergibt sich im Vergleich zu einer klassischen Kauf- und Haltestrategie ein jährlicher Mehrwert von 4,5 Prozent. Beim Einstieg zu Monatsbeginn sind es 1,8 und Mitte September etwa 3 Prozent mehr Rendite pro Jahr.

Zudem ergibt sich gemessen am maximalen %-Rückgang oder der Volatilität der Renditen, ein geringeres Risiko. Insofern scheint an dieser alten Börsenweisheit, die aus den 1930er Jahren stammt auch heute noch etwas dran zu sein.

Halloween Strategie als weitere Variante

Eine weitere Variante ist die sogenannte Halloween Strategie, bei welcher der Einstieg erst nach dem 31. Oktober erfolgt. Prof. Jacobsen von der University of Edinburgh hat 2012 diesen Halloween Effekt in einer umfangreichen Studie unter die Lupe genommen. Dabei wurden die Börsenkurse in 108 Ländern untersucht. In 81 Ländern war die Rendite in den Wintermonaten (November bis April) teilweise deutlich höher als während der Sommermonate (Mai bis September). Auffällig ist zudem, dass der Effekt in Industriestaaten bzw. stärker entwickelten Ländern größer ausfällt. Besonders weit verbreitet ist der Halloween Effekt in Europa, Nordamerika und Asien.

Der Halloween Effekt wurde bereits 2002 untersucht, mit einem ähnlichen Ergebnis. Die Wirkung hat im Laufe der Zeit nicht nachgelassen. Besonders hohe Chancen sehen die Macher der Studie für den britischen Markt. Bei einem Anlagehorizont von 5 Jahren besteht eine 80-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass die Halloween Strategie besser als der Markt abschneidet. Bei 10 Jahren sind es sogar 90 Prozent.

Die Halloween Strategie für den deutschen Markt

Nutzen wir die Halloween Strategie auf den deutschen Leitindex und investieren in den Wintermonaten in einen DAX ETF. Während der Sommermonate wird als Alternative in Geldmarkt zum Eonia Geldmarktsatz investiert. Gegenüber der klassischen Buy and Hold Strategie ergibt sich ein jährliches Rendite-Plus von 4,1 Prozent. Im Vergleich zu einem Anlagezeitraum von Ende September bis Ende April ist die Performance zwar etwas schlechter, im Gegenzug ist jedoch auch das Risiko etwas niedriger.

Bei einem Blick auf die für Handelssysteme üblichen Kennzahlen ergibt sich bei der Halloween Strategie eine durchschnittliche Trefferquote von etwa 72 Prozent. Das Gewinn/Verlust-Verhältnis liegt im Schnitt bei etwas über 2. Ein Profitfaktor von fast 6 macht deutlich, dass die Strategie einen positiven Erwartungswert aufweist. Bei einem Profitfaktor über 1 lässt sich mit einer Strategie Geld verdienen.

Seit 1970 ließ sich mit der Halloween Strategie eine Durchschnittsrendite von 10 Prozent im Jahr erwirtschaften. Allerdings mussten die Anleger auch Kursrückgänge von bis zu 35 Prozent verkraften. Im Vergleich zur Kauf- und Haltestrategie ist der Rückgang zwar nur halb so hoch, vernachlässigt werden sollte dieser Punkt jedoch nicht.

Halloween Strategie mit Stopp

Um das Risiko zu reduzieren sollten Anleger mit einem Stopp arbeiten. Wir empfehlen einen 5-Prozent-Stopp, der nicht nachgezogen wird. Damit lässt sich der maximale Rückgang auf weniger als 15 Prozent reduzieren. Die Rendite sank durch den Stopp nur geringfügig und lag immer noch über 10 Prozent. Das Verhältnis von Gewinn zum maximalen Rückgang hat sich mit 0,3 auf 0,7 deutlich verbessert,

Risikoorientierte Anleger können statt in einen DAX-ETF zu investieren auf einen gehebelten ETF auf den LevDAX setzen. Die maximale Rendite steigt damit auf 15 Prozent. Im Gegenzug besteht dann jedoch wieder ein möglicher Rückgang von über 35 Prozent. Egal ob mit oder ohne Hebel, die Halloween Strategie erwies sich in der Vergangenheit als äußerst profitabel. Es kann sich deshalb durchaus lohnen, in den Sommermonaten auf eine Investition in Aktien zu verzichten.

Die besten Broker für eine Halloween Strategie

Durch den regelmäßigen Kauf- und Verkauf sollten Anleger bei der Suche nach einem Broker vor allem auf die Kosten achten. Nutzen Sie hierzu am besten unseren großen Broker Vergleich. Nachfolgend drei Broker, die wir für eine Halloween Strategie besonders empfehlen können.

Beim im fränkischen Kulmbach ansässigen Broker Flatex profitieren Anleger von besonders günstigen Flat Tarifen. Aufgrund des deutschen Firmensitzes wird der Broker durch die Bundesanstalt für Finanzaufsicht (BaFin) reguliert. Anleger können in Aktien sowie auch in CFDs oder Zertifikate investieren. Ausgewählte Zertifikate, Optionsscheine und Fonds können über die sieben Premiumpartner von Flatex im außerbörslichen Direkthandel zum Dauer-Nulltarif gehandelt werden. Die kostenlose Handelssoftware ermöglicht unter anderem das Anlegen von individuellen Watchlists mit einer Vielzahl von Titeln angelegt werden. Zu jedem Titel kann ein Chart (Balken, Linien, Candles) mit verschiedenen Zeiträumen aufgerufen werden.

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Halloween Strategie oder „Sell in May and go away“ was last modified: November 16th, 2018 by JuliusDream011