Überbewertete Aktien erkennen – Worauf Anleger achten sollten

Zuletzt aktualisiert & geprüft: 16.11.2018

Überbewertete Aktien gehören zu den Risiken beim Aktienhandel. Sofern Sie überbewertete Aktien im Depot haben sollten Sie sich rechtzeitig davon trennen. Bei einer Anpassung an die Realität geht der Kurs nach unten und es drohen Verluste. Vor dem Kauf sollten Wertpapiere anhand verschiedener Kennzahlen bezüglich einer möglichen Überbewertung geprüft werden. Unser Ratgeber zeigt wie Sie überbewertete Aktien erkennen und, auf welche Kennzahlen Sie dabei besonders achten sollten.

Überbewertete Aktien - Header

Was bedeutet überbewertet?

Der Begriff „überbewertet“ ist bei Aktien zunächst etwas verwirrend. Schließlich setzt sich der Aktienkurs ganz simpel aus Angebot und Nachfrage zusammen. Bei Waren kommt der Preis auf dieselbe Weise zustande. Verbraucher machen sich hierbei deutlich weniger Gedanken als Anleger. Ist eine Wer überteuert wird sie nicht gekauft und der Preis durch den Hersteller gesenkt.

Börsenkurse werden mittlerweile sekündlich anhand von Angebot und Nachfrage ermittelt. Es gibt also einen Preis zu dem Käufer kaufen und Verkäufer verkaufen möchten. Warum sprechen Händler dennoch von Überbewertung? Dies liegt in erster Linie am sogenannten „inneren Wert“. Dieser beschreibt den Wert des Unternehmens, welches hinter eine Aktie steckt.

Berücksichtigt werden hierbei unter anderem:

  • Verhältnis von Schulden und Einnahmen
  • Aktuelle Bilanz
  • Stabilität der Finanzlage
  • Wachstumsprognosen
  • Erwartete Umsatzsteigerungen
  • Kompetentes Management sowie qualifizierte Mitarbeiter

Unterscheidet sich innere Wert deutlich vom Aktienkurs bzw. der Marktkapitalisierung sin Aktien entweder überbewertet oder unterbewertet.

Was macht überbewertete Aktien so problematisch?

Überbewertete Aktien können gerade für Privatanleger schnell zum Problem werden. Es ist immer davon auszugehen, dass es früher oder später zu einer Korrektur des Kurses kommt. Nähert sich der Kurs dem tatsächlichen Wert an, hat dies zwangsläufig einen Kursrückgang zur Folge. Wer die Aktie zu einem höheren Preis gekauft hat, muss nun auf eine weitere Kurssteigerung und damit verbunden auf ein Wachstum des Unternehmens hoffen. Ziel ist es dann zumindest das Ausgabeniveau zu erreichen, um die Aktie, ohne Verlust wieder zu verkaufen.

Unterbewertete Aktien gelten im Allgemeinen als weniger riskant. Die Wahrscheinlichkeit ist hier deutlich größer, dass es nach einer Korrektur zu einem Kursanstieg kommt. Insofern bieten unterbewertete Aktien besonders hohe Gewinnchancen.

Einzelaktien vs. Märkte

Neben einzelnen Aktien können auch komplette Märkte überbewertet sein. Im schlimmsten Fall kann es dabei zu Spekulationsblasen kommen, die wie bei der Finanzkrise 2007 in einem großen Crash enden. Damit verbunden sind Kursstürze an den Börsen, die ganze Regionen oder Branchen betreffen können.

Aus diesem Grunde sollten Aktien nicht ausschließlich mit Papieren aus demselben Marktumfeld verglichen werden. Anleger sollten vor einer Investition immer den Gesamtmarkt mit verschiedenen Indizes und Geldanlagen im Auge behalten. Nur auf diese Weise lässt sich feststellen ob sich der Kurs einer Aktie auf normalem Niveau bewegt oder ob diese überbewertet ist. Bei Letzterem ist der Zeitpunkt für einen Kauf sicher ungünstig.

Expertenmeinungen einholen und vergleichen

Vor dem Erwerb einer Aktie können Anleger zur Überprüfung einer Überbewertung die Meinung von Experten einholen. Die meisten Banken und Broker veröffentlichen regelmäßige Bewertung zu einer Fülle von Aktien. Zum Schluss gibt es dann die Einschätzung „buy“, „sell“ oder „hold“.

  • Eine Kaufempfehlung wird in der Regel für unterbewertete Aktien ausgesprochen.
  • Besteht Potenzial für eine Kurssteigerung sollten die Aktien gehalten werden.
  • Aktien mit einer Verkaufsempfehlung sind zumeist überbewertet und steuern auf einen Kurssturz zu.

Zumeist beinhalten die Bewertungen einen Zielkurs, welcher aus Sicht des Experten eine faire Bewertung darstellt. Solche Expertenmeinungen sind zwar nicht immer aktuell und müssen natürlich auch nicht stimmen, dennoch geben sie einen guten Überblick und weisen auf mögliche Probleme hin.

Fundamentalanalyse als beste Möglichkeit

Um herauszufinden ob eine Aktie überbewertet ist, muss der Anleger lediglich eine Fundamentalanalyse durchführen. Hierbei wird die Bilanz des Unternehmens genau unter die Lupe genommen. Diese gibt wichtige Hinweise zu möglichen Problemen des Unternehmens. Die wichtigsten Bilanzkennzahlen werden häufig auch in Wirtschafts- und Finanzzeitschriften veröffentlicht.

Zu beachten ist, dass sich die Kennzahlen immer auf die Vergangenheit beziehen. In den meisten Fällen ermöglichen sie jedoch Prognosen für die künftige Entwicklung des Unternehmens. Anleger müssen vor allem darauf achten, ob bereits aktuellere Nachrichten darauf hindeuten, dass sich die Kennzahlen verbessern oder verschlechtern werden. Vorsicht ist vor allem bei einer Gewinnwarnung geboten. Diese sind häufig ein Zeichen, dass sich die Kennzahlen bis zur nächsten Bilanz verschlechtern werden.

Die wichtigsten Indikatoren für überbewertete Aktien:

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis zählt zu den wichtigsten Kennzahlen einer Aktienanalyse. Wie der Name schon sagt, werden hierbei Kurs und Gewinn in Relation zueinander gesetzt. Bei einem hohen KGV muss der Anleger in Bezug auf den Gewinn mehr Geld investieren.

Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)

Es kommt immer wieder vor, dass die Angabe des Gewinns durch Unternehmen beschönigt wird. Aus diesem Grund kommt dem Kurs-Buchwert-Verhältnis eine wachsende Bedeutung zu. Ein gutes KGV lässt sich unter anderem auch durch den Verkauf von Immobilien erreichen, welche mit einem geringeren Wert in der Bilanz aufgeführt waren. Stille Reserven bzw. stille Lasten werden beim Kurs-Buchwert-Verhältnis ebenfalls nicht berücksichtigt. Somit ist das KGV nicht für alle Branchen gleichermaßen geeignet. Hier ist der Nettoinventarwert eine wichtige Größe.

Fremdkapitalquote

Unternehmen mit einem guten KGV können für Anleger dennoch ein Risiko darstellen. Dies gilt insbesondere bei Unternehmen mit einer geringen Eigenkapitalquote, die von einer Überschuldung bedroht sind. Bei einem Anstieg der Zinsen kann dies schnell zu einem ernsthaften Problem werden. Eine Zinslast, die beim Niedrigzins noch problemlos getragen werden kann, kann zu einem wirklichen Problem werden, sobald die Zinsen wieder steigen. Dazu entscheiden sich viele Unternehmen für eine kurzfristige Fremdfinanzierung, welche kaum Planungssicherheit in einem anderen Marktumfeld ermöglichen.

Natürlich stehen Schulden nicht immer gleich für ein hohes Risiko. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn sich die Fremdkapitalquote stark verändert, ohne das wachstumsfördernde Investitionen durchgeführt werden. Fremdkapital ist generell nichts schlechtes und wird unter anderem auch durch einen Börsengang generiert. Wichtig ist jedoch immer aus welchen Quellen das Fremdkapital stammt und wie es eingesetzt wird.

Dividendenrendite

Die Dividendenrendite ist ebenfalls ein möglicher Faktor für überbewertete Aktien. Diese gibt an, mit welcher Dividende der Anleger im Vergleich zum aktuellen Kurs rechnen kann. Wie allgemein bekannt ist, gibt es bei einem Aktien-Investment zwei Arten von Erträgen: Kurssteigerung und Dividenden. Wer eine langfristige Strategie verfolgt, sollte seinen Blick deshalb nicht alleine auf den Kurs richten.

Wichtig ist dabei immer, welche Dividende ein Unternehmen regelmäßig ausschüttet. Zu beachten ist, dass für eine Aktie mit hohen Dividendenzahlung mehr investiert werden muss. Auf Dauer ergibt sich daraus jedoch eine attraktive zusätzliche Rendite.

Kurs-Cash-Flow-Verhältnis (KCV)

Das Kurs-Cash-Flow-Verhältnis gehört zu den Kennzahlen, die vor einer Manipulation geschützt sind. Der Cash-Flow ist die Differenz der Ein- und Auszahlungen. Das KGV setzt diese ins Verhältnis zum Aktienkurs. Somit gibt sie eine recht genaue Auskunft inwieweit ein Unternehmen finanziell gesund ist. Anleger erhalten Auskunft über das vorhandene Kapital und wie liquide ein Unternehmen ist. Daraus lässt sich auch ableiten, ob das Unternehmen Investitionen tätigen kann oder genügend Sicherheitspuffer im Falle von Umsatzrückgängen hat. Ein niedriger KCV gilt als besonders gut.

Beim KCV sollten die zurückliegenden Geschäftsjahre ebenfalls miteinbezogen werden. Es hierfür unterschiedliche Berechnungsarten, die mitunter zu einem verfälschten Ergebnis führen. Dies gilt insbesondere bei schnell wachsenden oder schrumpfenden Unternehmen.

Welche Faktoren noch wichtig sind

Neben den harten Fakten sollten Anleger sich bei einer Analyse noch weitere Daten ansehen:

Marktpotenzial und Wachstum

Um überbewertete Aktien zu identifizieren, spielen Marktpotenzial und Wachstum ebenfalls eine Rolle. Unternehmen ohne tragendes Geschäftskonzept und mit zurückgehenden Umsätzen stellen im Depot ein Risiko dar. Dies gilt vor allem wenn Marktanteile verloren gehen und in absehbarer Zeit nicht mit einem Wachstum zu rechnen ist.

Monopolstellung und Unternehmensgröße

Während einer Krise kommen große Unternehmen und Monopolisten in der Regel am besten zurecht. Wer eine möglichst sichere Anlage wünscht, sollte sich deshalb auf möglichst große Konzerne fokussieren, die schon länger erfolgreich am Markt sind. s kann sich deswegen lohnen, in Monopolisten und Großkonzerne zu investieren, obwohl die Aktien nach den verschiedenen Kennzahlen bereits überbewertet sind.

Fazit zu überbewerteten Aktien

Überbewertete Aktien lassen sich in erster Linie durch eine Fundamentalanalyse ermitteln. Es gibt eine Reihe von Kennzahlen an denen sich erkennen lässt ob der Preis für eine Aktie gerechtfertigt ist oder nicht. Da es sich hierbei um eine rückwirkende Analyse handelt, sollten Anleger auch Marktprognosen, Wachstumspotenzial sowie das Geschäftskonzept des Unternehmens im Blick haben. Nur so ist ein Vergleich mit anderen Unternehmen und Zeiten möglich.

Überbewertete Aktien erkennen – Worauf Anleger achten sollten was last modified: November 15th, 2018 by JuliusDream011