Frontrunning: Gewinnen an den Börsen nur die Großen?

Zuletzt aktualisiert & geprüft: 30.11.2018

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Haben Kleinanleger eine Chance gegen die Großen?

Der Handel spekulativer Werte wird immer schnelllebiger und ist mit immer kleineren Geldbeträgen für jeden mit Internetzugang möglich. Ein spekulativer Wert schwankt etwas oder sehr stark und diese Schwankungen werden ständig ausgelöst. In der Regel werden die Schwankungen durch Großanleger, Wirtschaftsnews oder Schwarmverhalten auf Kursbewegungen angeregt. Wer gewisse Ereignisse erwartet, kalkuliert diese in die eigenen Entscheidungen ein.

Das ist jedoch kein Frontrunning. Beim Frontrunning weiß man bereits etwas, was andere noch nicht wissen. Wer als Börsenmakler für einen Großanleger eine Order ausführen soll, führt z.B. vorher seine eigenen aus. Der Makler weiß, dass der Handel vom Großanleger auf den spekulativen Wert Einfluss nimmt und nutzt diese sichere Information für sich. Er weiß natürlich noch nicht, wie hoch die Schwankung ausfällt und wie andere Marktteilnehmer reagieren. Er weiß jedoch, dass es passiert. Frontrunning ist verboten und kann mit Geld- und Haftstrafen belegt werden. Die genaue rechtliche Situation ist in den unterschiedlichen Ländern anders verankert.

In Deutschland können für Frontrunning Strafen von bis zu 50.000 Euro verhängt werden, in anderen Ländern gilt Frontrunning als Insiderhandel der erheblich härter geahndet wird. Ob eine Handlung in Deutschland als Frontrunning oder Insiderhandel gewertet wird, ist zum Teil eine Auslegungssache. Für Insiderhandel in Deutschland können bis 5 Jahre Freiheitsstrafe und Geldstrafen verhängt werden.

Verschiedene Möglichkeiten vom Frontrunning

Erteilt ein Großanleger seinem Broker die Order, dann kann dieser die Order einfach ausführen ohne eine eigene aufzugeben und ohne vorher oder danach darüber zu reden. Das ist kein Frontrunning. Das typische Frontrunning wäre, wenn er seine persönliche Order vorab erteilt, um entweder von Kurssteigerungen zu profitieren oder von Kursverlusten verschont zu bleiben.

Erteilt der Broker die Order seines Großkunden, dann wird diese zu groß sein, um sie an einem Börsenplatz auszuführen. Um insgesamt zum günstigsten Kurs zu handeln, werden auch kleinere Order auf mehrere Börsenplätze aufgeteilt. Der ausführende Finanzdienstleister kann bei einer eingehenden Order über automatisierte Programme nun eigene Order mit Hochgeschwindigkeitsleitungen an die anderen Börsen leiten. Er kauft die Wertpapiere, dann geht die Order des eigentlichen Kunden zu einem etwas höheren Wert ein. Der Broker verkauft dem Kunden die eigenen Anteile zu einem minimal höheren Wert und streicht einen Gewinn ein. Man geht davon aus, dass ein Großteil aller Wertpapiergeschäfte auf „Hochfrequenzhandel“zurück gehen und Milliardenschäden entstehen.

Der Finanzdienstleister muss seine eigenen Order schneller als die Kunden platzieren sowie er anhand der ersten eingehenden Teilorder erahnen muss, wie hoch die Gesamtorder ausfällt und wie sich die Stückelung auf alle Börsenplätze zusammen stellen wird. Das kann nur ein großer Finanzdienstleister mit Supercomputer und schnellen Übertragungssystemen. Hochfrequenzhandel ist ein automatisierter Handel, es gibt erste Abwehrstrategien. Die Investors Exchange wehrt den Hochfrequenzhandel durch eine Signalverzögerung ab.

Kein richtiges Frontrunning wäre es, wenn der Makler direkt nach dem Kunden seine eigene Order aufgibt, da er einen Impuls erwartet. Tritt dieser ein, kann er direkt mit Gewinn verkaufen. Dieses wäre allerdings eher ein übliches Spekulieren und kein Frontrunning.

Frontrunning und andere Börsenmanipulationen, Screenshot Wikipedia

Frontrunning und andere Börsenmanipulationen, Screenshot Wikipedia

Großanleger brauchen kein Frontrunning

Wer mit einem fünfstelligen Betrag in Aktien oder Devisen spekuliert, kann praktisch nur mit dem Strom schwimmen, er hat für sich allein so gut wie keinen Einfluss auf die Märkte. Bei Großanlegern oder Fondsverwaltern sieht das jedoch ganz anders aus. Hier ist man nicht auf das sogenannte Frontrunning angewiesen sondern achtet auf äußerste Geheimhaltung, um nicht dadurch Schaden zu nehmen, dass andere Frontrunning betreiben. Den Hochfrequenzhandel können allerdings auch Großanleger nicht ausschließen.

Wer Milliardenbeträge im Rücken hat, kann mitunter Domino spielen: Die Order A wird vermutlich etwas auslösen, womit Order B und C bereits eingeplant werden. Tritt das entsprechende Szenario ein, ist für diese das Budget bereits eingeplant. Wer groß genug ist, muss nicht mit dem Frontrunning den Entscheidungen vorweg laufen, er entscheidet selber. Dieses ist ein enormer Vorteil der Großanleger, den Kleinanleger nicht haben.

Praktiken der „Börsengurus“

Neben dem Frontrunning ist das Insiderwissen für die eigenen Handelsentscheidungen strafbar. Insiderwissen wäre, wenn man weiß, dass im Unternehmen des Klienten ein großer Ausfall bevor steht und man verkauft seine Anteile bereits vorher. Strafbares Insiderwissen wäre es nicht, wenn es einem in der Kneipe gesagt wird sondern wenn das Unternehmen in irgendeinem Zusammenhang der eigene Klient ist und man aus diesem Geschäftsverhältnis zur Vertraulichkeit verpflichtet ist. Insiderwissen ist sozusagen die Voraussetzung zum Frotrunning.

Das Insiderwissen und Frontrunning wird gerne mit dem Scalping gepaart. Hierbei kauft man sich in ein kleineres Unternehmen ein und produziert am laufenden Band Positivmeldungen, damit die Kurse nach oben springen, um direkt wieder zu verkaufen. Man ist der erste und größte Käufer, alle Kleinanleger lassen die Kurse hoch schnellen und man ist auch der erste und größte Verkäufer. Die Kleinanleger zahlen den Handel mit ihrem Fell. Somit kommt es zur Namensgebung Scalping.

Churning kostet die Anleger Unsummen

Ein altes russisches Sprichwort lautet „Der Rubel muss rollen“. Stopfen alle ihr Geld ins Kopfkissen und warten auf die Deflation, dann ist dieses schlecht für die Wirtschaft. Es ist allerdings auch schlecht für die „Finanz Infrastruktur“. Wenn der Anleger Aktien kauft und 20 Jahre liegen lässt, verdient der Börsenmakler jetzt und in 20 Jahren. Wenn der Anleger sein Geld als Gesamtsumme mehrfach im Jahr umsetzt, verdient der Börsenmakler xfach mehr durch Provisionen und Gebühren.

Beim Churning werden laufend die verwalteten Wertpapiere umgewälzt, um viele Provisionen zu generieren. Der Gewinn der Kunden wird dabei geschmälert oder sogar zum erheblichen Verlust. Der Anleger wird im Zickzack durch die Märkte gescheucht. Er soll sein Geld laufend hin und her bewegen um xfach so oft Gebühren für die Finanz Infrastruktur zu zahlen. Das allein ist bereits teuer sowie man in die Irre geführt wird und durch dieses ständige Geldbewegen selbst ohne Gebühren tendenziell eher verliert als zu verdienen.

Eine ähnliche Technik wäre es, wenn ein Brokerhaus die ganze Zeit Meldungen mit Kauf- und Verkaufsignalen gibt, damit die selber handelnden Brokerkunden ebenfalls viele Gebühren entrichten.

Erfahrene Aktionäre betreiben deswegen fast nur noch Krisenmanagement, dass sie Aktien abstoßen, wenn sie starke Einbrüche befürchten und sie kaufen, wenn sie langfristige Kurssteigerungen erwarten. Diese erfahrenen Aktionäre haben in der Regel auch andere Budgets oder leben dem Motto nach: „In der Ruhe liegt die Kraft“ und versuchen nicht mit dem ganzen Buchungsaufwand ein paar weitere Gewinnprozentpunkte zu erzwingen.

Livetime News anstelle von Frontrunning?

Der Kleinanleger erhält natürlich keine Insiderinfos und wenn, wird er geblendet im Zickzack durch den Markt getrieben. Sogenannte Insiderreporte mit direkten Handlungsanweisungen sollten aus den in vorherigen Abschnitten genannten Grünen immer mit äußerster Vorsicht genossen werden. Hier wären Unternehmensauskünfte gegen eine überschaubare Gebühr seriöser Auskunftanbieter die bessere Wahl.

Weiterhin gibt es viele Liveticker und Kanäle mit aktuellen News und Pressemitteilungen. Diese können das Frontrunning natürlich nicht ersetzen, sind jedoch legal. Allerdings schwimmt man hier wieder nur mit dem Strom und oft genug werden bei gewissen Meldungen Szenarien erwartet und letztendlich passiert davon das Gegenteil. Das lässt sich damit erklären: Gibt es ein Kaufsignal für einen Wert, ein großer Player möchte jedoch verkaufen, dann wird er abwarten, dass alle anderen aufspringen und steigt dann aus, womit alle anderen wieder baden gehen. Auch das ist kein Frontrunning.

Hohe Strafen für Frontrunning möglich

Hohe Strafen für Frontrunning möglich

Hat der Kleinanleger denn überhaupt eine Chance?

Der Kleinanleger kann keine eigenen Analysten beschäftigen sondern muss mit den verfügbaren Infos auskommen. Dieses informieren ist Zeitraubend sowie viele Infos oberflächlicher Natur sind oder von Personen mit eigenen Interessen ausgegeben werden. Der Kleinanleger kann nur mit dem Strom schwimmen, er bestimmt allerhöchstens im Schwarm die Richtung, alleine jedoch nicht. Der Kleinanleger steht bei vielen Finanzinstrumenten außen vor, da diese sich mit kleinen Summen nicht lohnen oder nicht einmal geboten werden. Er zahlt zudem höhere Gebühren als große Anleger.

Jetzt könnte man pauschal sagen: „Dann hat der Kleinanleger gar keine Chance, die Großen gewinnen immer.“ Ganz aussichtslos ist es allerdings nicht, es kommt jedoch auf die eigene Strategie an. Hierbei sollte bedacht werden, dass jede Handelsorder das Risiko mitbringt, eine Fehlentscheidung zu sein. Gibt es nicht viel zu gewinnen, sollte deswegen gar nichts gemacht werden. Gerade im Aktienhandel liegt in der Ruhe die Kraft. Der DAX gewinnt über die Jahre und wer alles ruhen lässt, gewinnt in der Regel mit dieser Tendenz wohingegen nervöse Anleger selbst bei positiver Entwicklung eher zu den Verlierern gehören.

Der Devisenhandel ist mit hohem Hebel auf Schnelllebigkeit ausgelegt. Hier wäre es unüblich, eine Position lange ruhen zu lassen, da damit auch Finanzierungskosten für den Hebel verbunden sind. Hier ist das Risiko sehr hoch und deswegen sollte man den Devisenhandel oder den gehebelten Rohstoffhandel nur mit kleinen Anteilen vom Gesamtvermögen betreiben.

Mit der richtigen Strategie kann der Kleinanleger zu den Gewinnern gehören. Die beste Strategie ist die, dass man sich ganz genau überlegt, wo man einsteigt und es dort einfach ruhen lässt, solange nicht befürchtet wird, dass diese Wertpapiere deutlich stärker als der Markt einbrechen. Brechen sie ein aber schwächer als der Markt, hätte man eigentlich sogar gewonnen. Viele Kleinanleger gewinnen auch ohne Frontrunning, weil sie einfach abwarten. Praktisch alle Zocker haben sich hingegen irgendwann maßgeblich verzockt.

Die Verhältnismäßigkeit wahren

Es hat einen unglaublichen Reiz, bereits mit kleinen Geldmengen in gehebelte Werte wie Währungen oder Rohstoffe zu spekulieren. Man verfolgt die Nachrichten und steigt ein und wieder aus. Einzelne Positionen können hunderte Prozent Gewinn machen oder komplett verloren sein. Wer Freude daran hat und die Beträge verschmerzen kann, verzichtet durch den Forexhandel möglicherweise auf Computerspiele, Sportwetten oder Kasinobesuche.

Wenn es einem nicht um die Freude am Handel sondern nur um den Gewinn geht, sollte betrachtet werden: Wie verhältnismäßig ist der Aufwand zum Ergebnis? Wer hunderte Stunden im Jahr vor dem Computer sitzt und laufend schmerzlichen Verlust macht, sollte seine Strategie überdenken. Das ist nicht verhältnismäßig. Selbst eine Festgeldanlage oder eine normale Sachwertanlage wären dann die bessere Wahl. In der gesparten Zeit könnte besser Anderes gemacht werden womit häufig sogar weniger Geld durch ginge.

Über diese Verhältnismäßigkeit vom Aufwand zum Ergebnis sollte man immer dann sehr genau nachdenken, wenn es bei der Tätigkeit nur um das Ergebnis und nicht um die Freude währenddessen geht.

Frontrunning als Kauf- oder Verkaufentscheidung, Screenshot www.boerse.de

Frontrunning als Kauf- oder Verkaufentscheidung, Screenshot www.boerse.de

Kann Frontrunning effektiv vereitelt werden?

Wer als Börsenmakler oder Finanzdienstleister arbeitet, kennt sich mit der Rechtslage zumindest oberflächlich aus und weiß, dass Frontrunning nicht gestattet wird. Es kann mit Geldstrafen und sogar Freiheitsstrafen geahndet werden. Wird dieses Frontrunning damit wirklich vereitelt? Vermutlich wird es nur eingegrenzt. Immerhin kennen sich die Makler und Mitarbeiter der Finanzdienstleister untereinander und können sich Tipps zum Frontrunning geben, die man nicht mehr nachvollziehen kann.

Weiterhin könnte man auch Impulsgeber zum Schwarmverhalten als eine Form von legalem Frontrunning bezeichnen. Wenn einer der großen oder erfolgreichen Teilnehmer eine Order aufgibt oder nur in Erwägung zieht, reagieren häufig viele Marktteilnehmer im Schwarm Hierbei ist es wie mit Pyramidensystemen: Wer früh einsteigt und früh abspringt gewinnt. Die anderen Marktteilnehmer hingegen verlieren, sollte es sich um eine spekulative und nicht gerechtfertigte Kursschwankung handeln.

Frontrunning ist eine Technik, in der praktisch immer auf eine kurzfristige Entwicklung spekuliert wird. Wer auf lange Sicht anlegen möchte, hat bei überlegtem Handel durch diese Spekulationssymptome weniger zu befürchten.

Experten-Tipp:

Unlautere Methoden, um sich bei der Geldanlage bereichern zu können, wird es immer geben. Diese werden jedoch geahndet und es lohnt nicht, sie selbst zu testen.

Frontrunning: Gewinnen an den Börsen nur die Großen? was last modified: März 15th, 2017 by Robert