Hochzinsanleihen – mehr Rendite, weniger Sicherheit

Worauf Anleger bei Hochzinsanleihen achten sollten

Die großen Notenbanken haben ihre Leitzinsen in mehreren Schritten gesenkt und das Zinsniveau auf den FinanzmĂ€rkten auf einen historischen Tiefstwert gedrĂŒckt. Die Folge ist, dass sich mit sicheren Geldanlagen kaum noch Renditen erzielen lassen. Unter BerĂŒcksichtigung der Inflation verlieren Anleger bei vielen Investments sogar Geld. Da wundert es nicht, dass sich immer mehr Privatanleger bei der Suche nach ertragreichen Anlageformen auch fĂŒr Hochzinsanleihen interessieren. Diese locken mit einer attraktiven Rendite, was jedoch immer auch mit einem hohen Risiko verbunden ist. Deshalb sind Hochzinsanleihen nicht fĂŒr jeden Anlegertyp gleichermaßen geeignet.

Das Wichtigste zu Hochzinsanleihen in KĂŒrze:

  • Bei Hochzinsanleihen handelt es sich zumeist um von Ratingagenturen als spekulativ eingestufte Unternehmensanleihen.
  • Hochzinsanleihen bergen eine grĂ¶ĂŸere Gefahr des Totalverlusts, wie Unternehmensanleihen mit guter BonitĂ€t.
  • Hochzinsanleihen sind nur fĂŒr Profis mit langjĂ€hriger Erfahrung geeignet.

Hochzinsanleihen - Header

Was sind Hochzinsanleihen genau?

Hochzinsanleihen, in der Praxis auch als High-Yield-Anleihen oder Junk-Bonds bekannt, sind in der Regel Unternehmensanleihen, die von Unternehmen mit einer geringen BonitĂ€t ausgegeben werden. Sie sind somit eines von zwei Segmenten im Bereich der Unternehmensanleihen. Beim ersten Segment handelt es sich um sogenannte Investment-Grade-Unternehmensanleihen. Diese werden von Unternehmen mit guter BonitĂ€t herausgegeben. Die Ratingagenturen stufen sie mit einer BonitĂ€tsnote zwischen „AAA“ und „BBB-„ ein. Die Verzinsung von Investment-Grade-Unternehmensanleihen liegt in der Regel nur leicht ĂŒber der von Staatsanleihen mit guter BonitĂ€t.

Bei Hochzinsanleihen liegt das Rating unter der Note „BBB-„. In vielen FĂ€llen sind die Unternehmen stark verschuldet, woraus sich ein entsprechend hohes Ausfallrisiko ergibt. Zum Hochzinssegment gehören auch Anleihen von verschuldeten Staaten, wie beispielsweise Griechenland oder Portugal. Um die Anleihen fĂŒr Investoren interessant zu machen, wird eine entsprechend hohe Rendite angeboten.

Wie werden Anleihen bewertet?

Unternehmen, die Anleihen herausgeben, werden regelmĂ€ĂŸig von Ratingagenturen bewertet. Hierbei sind besonders die Benotungen der drei US-Agenturen Standard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch zu beachten. Die Noten spiegeln das Kreditrisiko der Anleihen wider. Dargestellt wird also das Risiko eines Zahlungsausfalls des herausgebenden Unternehmens. Das Rating wird mindestens einmal jĂ€hrlich ĂŒberprĂŒft und bei Bedarf angepasst. Möglich ist eine Anhebung, Senkung oder Beibehaltung der Note. Je niedriger das Ausfallrisiko bewertet wird, desto geringer sind die Zinsunterschiede zu Staatsanleihen.

Professionelle Anleger versuchen unter den Hochzinsanleihen die Papiere herauszufinden, bei denen in absehbarer Zeit eine Heraufstufung des Ratings zu erwarten ist. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ein Unternehmen ĂŒberproportional von einem Konjunkturaufschwung profitiert. Wird die BonitĂ€t tatsĂ€chlich nach oben korrigiert, steigt der Kurs der Anleihe und Anleger dĂŒrfen sich ĂŒber stattliche Gewinne freuen. Umgekehrt werden Anleihen von Unternehmen denen eine Herabstufung droht gemieden. Dies fĂŒhrt am Anleihemarkt zwangsweise zu Kursverlusten.

Ist die Anlage in Hochzinsanleihen seriös?

Wer sich mit den FinanzmĂ€rkten befasst, kennt die AusdrĂŒcke „Junk-Bonds“ oder „Ramsch-Anleihen“, welche oftmals synonym fĂŒr Hochzinsanleihen verwendet werden. Diese Begriffe stammen noch aus Zeiten, in denen solche Anleihen von Unternehmen herausgegeben wurden, die schon kurz vor der Insolvenz standen und die Aufnahme von Krediten ablehnten. Nach einigen Skandalen wurde das Image von Hochzinsanleihen immer schlechter, weshalb sie fast vom Markt verschwanden.

In den letzten Jahren hat sich die Situation jedoch deutlich geĂ€ndert. Mittlerweile nehmen High-Yield-Segment wieder einen wichtigen Teil des Anleihemarkts ein, mit einem Volumen von mehreren Billionen Dollar. War der Markt frĂŒher auf wenige Branchen beschrĂ€nkt, ist die Diversifikation heute um einiges grĂ¶ĂŸer. Dazu kommt, dass Unternehmen die ErtrĂ€ge aus Anleihen nicht mehr so oft in riskante Übernahmen stecken, sondern diese zur Bereinigung der Bilanzen oder der Senkung des Fremdkapitalanteils nutzen. Dies fĂŒhrt in der Folge zu einer Verbesserung der BonitĂ€t und einem RĂŒckgang des Ausfallrisikos.

Seit der Finanzkrise 2008 haben sich die wichtigen Daten auf dem Markt fĂŒr Hochzinsanleihen deutlich verbessert. Viele Unternehmen haben Schulden angebaut und verfĂŒgen nun wieder ĂŒber eine solide Bilanz. Somit ist auch das Risiko eines Zahlungsausfalls gesunken.

Welche Vorteile haben Hochzinsanleihen?

Der grĂ¶ĂŸte Vorteil von High-Yield-Anleihen liegt natĂŒrlich in der höheren Verzinsung. Bei entsprechender Auswahl lassen sie sich zudem nutzen, die Risiken eines Portfolios zu diversifizieren. Die Erfahrungen zeigen, dass die Schwankungen bei Hochzinsanleihen deutlich geringer sind als beispielsweise bei Aktien. Zudem werfen sie regelmĂ€ĂŸig ErtrĂ€ge ab und sorgen so wĂ€hrend schwacher Börsenzeiten fĂŒr StabilitĂ€t.

Betrachtet man sich die Entwicklung von Hochzinsanleihen in den letzten Jahren wird schnell klar, dass der Schutz gegen Inflation deutlich besser ist, als bei anderen Anleihen. Sollte das historische Zinstief wieder steigen – was irgendwann der Fall sein wird – dĂŒrften sich das High-Yield-Segment besser entwickeln als andere Anleihen. Dies war zumindest in der Vergangenheit so festzustellen.

Allerdings fĂŒhrt ein steigendes Zinsniveau bei Hochzinsanleihen zwangslĂ€ufig zu einem RĂŒckgang der Renditen. Dabei gilt, je lĂ€nger die Laufzeit, desto stĂ€rker der RĂŒckgang. Ist also eine Zinserhöhung zu erwarten sollten besser Anleihen mit einer kurzen Laufzeit ins Depot genommen werden.

Im Vergleich zu Aktien bieten Hochzinsanleihen noch einen weiteren Vorteil. Kommt es zu einer Insolvenz des Unternehmens genießen Inhaber von Anleihen eine Vorrangstellung. Ihre AnsprĂŒche werden vor denen der AktionĂ€re bedient.

Was spricht gegen Hochzinsanleihen?

Wie bereits erwĂ€hnt sollten Anleger auf High Yields achten, bei denen mit einer Anhebung des Ratings zu rechnen ist. Dies ist fĂŒr Privatanleger jedoch kaum zu bewerkstelligen. Deshalb sollten private Investoren eher in einen High-Yield-Fonds, als in einzelne Anleihen investieren. Bei einem Fond ist das Risiko deutlich breiter gestreut. Bei High-Yield Fonds, die aktiv gemanagt werden, steht hinter dem Fondsmanager zumeist eine Research-Abteilung, welche die Unternehmen der infrage kommenden Anleihen genau unter die Lupe nehmen. Dies gelingt zwar nicht immer, im Vergleich zu Privatanlegern ist die Erfolgsquote bei Anleihe-Profis jedoch um einiges höher.

An dem Grundsatz, dass hohe Renditen mit einem entsprechend großen Risiko verbunden sind können auch die besten Experten nichts Ă€ndern. Das Risiko bei Hochzinsanleihen ist enorm, dessen sollten sich Anleger immer bewusst sein. Eine objektive Aussage, ob Hochzinsanleihen attraktiv oder zu riskant sind, ist natĂŒrlich nicht möglich. Anleger mĂŒssen abwĂ€gen ob die mögliche Rendite hoch genug ist um das damit verbundene Risiko zu rechtfertigen.

Fazit: Junk-Bonds sind etwas fĂŒr Profis

Unter BerĂŒcksichtigung aller Vor- und Nachteile lĂ€sst sich sagen, dass Hochzinsanleihen etwas fĂŒr Profis mit einer langjĂ€hrigen Kapitalmarkterfahrung sind. Privatanleger sollten aufgrund des hohen Risikos eher die Finger davon lassen. In keinem Fall sind Hochzinsanleihen in einem vernĂŒnftig gemischten Portfolio, ein Ersatz fĂŒr sichere Staatsanleihen. Im Idealfall setzt sich das Depot aus sicheren Anlagen, wie Staatsanleihen oder Bankeinlagen, sowie risikoreicheren Papieren wie Aktien zusammen. Bei der Diversifikation mĂŒssen High Yields zwingend als Hochrisiko-Papiere eingestuft werden. HierfĂŒr spricht auch die oftmals synchrone Entwicklung von Anleihen und Aktien. Fielen die Preise fĂŒr Aktien, gaben in der Vergangenheit hĂ€ufig auch die Kurse von Junk-Bonds nach.

Experten-Tipps:

Hochzinsanleihen sind gerade fĂŒr erfahrene Anleger eine gute Möglichkeit, mit einem gewissen Maß an Risiko eine hohe Rendite zu erhalten. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass das Risiko mit der Rendite steigt.

Hochzinsanleihen – mehr Rendite, weniger Sicherheit was last modified: Juni 28th, 2017 by Hanspeter Volk

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