Wie gefährlich sind Schattenbanken?

Zuletzt aktualisiert & geprüft: 24.07.2019

Schattenbanken sind Firmen, die immense Geldbeträge verwalten, im Gegensatz zu klassischen Banken jedoch nicht reguliert werden. Experten geben den Schattenbanken die Hauptschuld an der Finanzkrise 2007. Heute verwalten die Schattenbanken noch mehr Geld als vor der Finanzkrise. Doch was sind Schattenbanken überhaupt? Und wie gefährlich sind sie wirklich?

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Was sind Schattenbanken überhaupt?

Der Begriff Schattenbank suggeriert, dass es sich hier um etwas Illegales handelt und die Unternehmen ihre Geschäfte abseits der Finanzmärkte abwickeln. Bei einem genauen Blick stellt sich diese Annahme jedoch schnell als falsch heraus. Ende 2012 verwalteten Schattenbanken rund 70 Billionen Dollar. Damit entspricht der Schattenbanksektor in etwa dem weltweiten Sozialprodukt und der Hälfte des Finanzvolumens aller Geschäftsbanken.

Über die genaue Definition von Schattenbanken wird selbst unter Experten trefflich gestritten. Der Finanzstabilitätsrat (FSB) zählt dazu alle Akteure und Aktivitäten auf den Finanzmärkten, welche bankähnliche Funktionen wie die Vergabe von Krediten übernehmen, aber keine Banken sind und somit nicht reguliert werden. Im Prinzip geht es also um Bankgeschäfte, die eben nicht von Banken, sondern Dritten abgewickelt werden.

Bei einer engeren Definition können auch Hedgefonds sowie Geldmarktfonds zu den Schattenbanken gezählt. Dazu kommen Zweckgesellschaften, in welche die Geschäftsbanken Risiken auslagern. Wer den Begriff Schattenbanken weiter fasst, kann auch Private-Equity-Gesellschaften, Investmentfonds, börsengehandelte Indexfonds und zum Teil sogar Versicherungen dazuzählen. Anhand dieser Aufzählung wird deutlich, dass der negative Beigeschmack des Begriffs Schattenbanken irreführend sein kann.

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Geschichte der Schattenbanken

Die ersten Schattenbanken sind in den USA entstanden. Hierzu gehört beispielsweise der 1928 gegründete Pioneer Fund, ein bekannter Investmentfonds, der auch heute noch existiert. In den folgenden Jahren kamen zahlreiche Hypothekenbanken auf den Markt, die in den USA von besonderer Bedeutung sind. Zu den Größten gehört die Ende der 1930er Jahre entstandene Fanny Mae. Bekannt wurde diese, ebenso wie der Konkurrent Freddie Mac, aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten während der Finanzkrise. Beide Banken überlebten die Krise nur dank eines staatlichen Rettungskredits. In den USA wird fast jeder zweite Kredit über eine Schattenbank finanziert.

Seit der Finanzkrise werden die Geschäftsbanken stärker reguliert, was zu einem Rückgang bei der Kreditvergabe und höheren Anforderungen bezüglich der Eigenkapitalquote geführt hat. Als Folge hat sich außerhalb der Finanzaufsichten ein sogenanntes „shadow banking“ gebildet. Vor allem in den USA und China hat sich dieses zu einem gängigen Konzept entwickelt. Aber auch in Europa sind die Schattenbanken auf dem Vormarsch. So hat sich, deren Geschäftsvolumen in Deutschland zwischen 1999 und 2015 auf 2,6 Billionen Euro verdreifacht.

Schattenbanken mit ökonomischen Aufgaben

Nach Ansicht der Bundesbank ist an den Schattenbanken grundsätzlich nichts Illegales oder Unerwünschtes. Wie aus einem Bericht hervorgeht, erfüllen diese wichtige ökonomische Funktionen innerhalb des Finanzsystems. So bietet das Schattenbanksystem den Geschäftsbanken beispielsweise eine wichtige Refinanzierungsmöglichkeit. Zudem werden wichtige Funktionen übernommen, welche die Effizienz des Finanzsystems erhöhen.

Nicht zu bestreiten ist allerdings, dass von den Schattenbanken eine große Gefahr für den internationalen Finanzmarkt ausgeht. Problematisch ist insbesondere, dass sich diese Akteure sehr kurzfristig finanzieren und oftmals mit einem hohen Hebel arbeiten. Entsprechend gering ist deshalb das vorhandene Eigenkapital. Im Gegensatz zu den regulären Geschäftsbanken unterliegen sie keiner Einlagensicherung und können sich nicht über die staatlichen Notenbanken refinanzieren. Fordern nun viele Anleger auf einmal ihr Geld zurück, was während einer Krisensituation nicht ungewöhnlich ist, kann es zum Zusammenbruch kommen.

Zu bedenken ist auch, dass diese Vehikel teilweise eng mit Geschäftsbanken und Versicherungen verknüpft sind. So können auch diese Unternehmen schnell in Schwierigkeiten geraten. Die Folge wäre eine Destabilisierung des Finanzmarktes. Daran kann auch, die nach der Finanzkrise verschärfte Regulierung der Geschäftsbanken nichts ändern.

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Schattenbanksystem in den USA am größten

Mit einem Volumen von rund 22 Billionen Dollar ist das Schattenbanksystem in den USA am stärksten ausgebaut. In Hongkong verwalten die Schattenbanken das rund fünffache der jährlichen Wirtschaftsleistung. In Großbritannien entspricht es rund 370 Prozent des Sozialprodukts. Dagegen ist das Schattenbankensystem in Deutschland noch relativ klein. Bedingt durch die internationalen Verflechtungen ist das Risiko jedoch keineswegs geringer einzuschätzen. Besonders große ist das Problem in China. Hier handelt es sich bei einem großen Teil des Schattenbanksystems tatsächlich um illegale Banken. Bei einer groß angelegten Razzia wurde alleine zum Jahresbeginn 60 davon geschlossen. Insgesamt sollen rund 130 Milliarden Euro ins Ausland transferiert worden sein. Die verbotenen Geldgeschäfte versucht die chinesische Regierung durch verschärfte Kontrollen in den Griff zu bekommen. Dennoch muss die konkrete Gefahr des Schattenbanksystems differenziert betrachtet werden.

So unterliegen Investmentfonds in den USA mittlerweile einer starken Regulierung. Im Vergleich zu Zeiten vor der Finanzkrise ist das von Geldmarktfonds in den USA ausgehende Risiko deutlich gesunken. Zudem arbeiten nicht alle Private-Equity-Fonds mit einem so großen Hebel wie die US-Firma Blackstone.

Wer den Begriff Schattenbanken enger fasst und nur Zweckgemeinschaften sowie Hedgefonds dazuzählt, für den ergibt sich Weitem kein so furchteinflößendes Bild. Nach neuesten Berechnungen liegt das Aktiva hier nur bei rund 7,6 Billionen Dollar.

Finanzkrise als Folge des Runs auf Schattenbanken

Führende Experten machen für die 2007 in den USA beginnende Finanzkrise einen besonders starken Run auf den Schattenbanksektor verantwortlich. Argumentiert wird unter anderem damit, dass Schattenbanken für Anleger relativ sichere und kurzfristige Geldanlagen anboten. Speziell für Anleger, die größere Beträge als durch die Einlagensicherung abgedeckt sind investieren möchten. Hierzu gehörten vor allem international agierende Unternehmen.

Als Ersatz für die Einlagensicherung wurden die Anlagen sehr häufig über mit Hypotheken besicherte Wertpapiere verwendet. Nach dem Zusammenbruch des amerikanischen Immobilienmarktes kam es zu einem massiven Preisverfall. Die Anleger zogen darauf ihr Geld ab, weshalb zahlreiche Schattenbanken in Schwierigkeiten gerieten. Dieser Vorgang lief weitgehend von der Öffentlichkeit unbeobachtet ab. Die Folgen waren jedoch weltweit spürbar.

Forderung nach stärkerer Regulierung

Als Folge gab es immer mehr Rufe nach einer höheren Transparenz auf dem Schattenbanksektor. Der FSB empfiehlt beispielsweise, dass sich Schattenbanken grundsätzlich bei der zuständigen Finanzaufsicht registrieren lassen. Zudem sollten sich die Finanzbehörden umfassen über die Verflechtung mit dem klassischen Bankensektor informieren.

Als weitere Empfehlung sollten für häufig genutzte Transaktionsarten feste Standards oder zumindest Richtlinien festgelegt werden. An diesen können sich Marktteilnehmer orientieren. FSB-Mitglieder raten zu einer Hinterlegung von Sicherheiten, die deutlich über dem nominalen Volumen der abgesicherten Geschäfte liegen. Diese Forderung entspricht in etwa den Eigenkapitalanforderungen für Geschäftsbanken.

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Experten-Tipp:

Wer die Angebote einer Schattenbank in Anspruch nehmen möchte, der sollte sich vorher ausreichend über die Bank und deren Geschichte informieren.

Wie gefährlich sind Schattenbanken? was last modified: Juni 13th, 2018 by JuliusDream011