Arbeitslosenzahlen in den USA: Der direkte und indirekte Einfluss auf die Weltwirtschaft wird erheblich sein

Zuletzt aktualisiert & geprüft: 19.05.2020


Noch zum Jahresbeginn boomte die US-Wirtschaft, die neuartige, hoch ansteckende Infektion in China wurde kaum beachtet. Damit ist es seit Ende Februar vorbei. Die Corona-Pandemie hat die Vereinigten Staaten erreicht und sorgt nicht nur für den weltweit höchsten Stand an Erkrankten und Todesfällen – auch die Beschäftigungszahlen sind auf Nachkriegswerte gefallen.

Seit Anfang März reagieren die Unternehmen in den USA auf die Einschränkungen des öffentlichen Lebens – aber auch auf die damit verbundene sinkende Nachfrage. Massenentlassungen haben inzwischen 36 Millionen US-Amerikaner ihren Job gekostet. Experten gehen davon aus, dass die US Arbeitslosenzahlen sogar noch höher liegen könnten, denn nicht alle Arbeitslosen werden korrekt in der Statistik berücksichtigt.

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Arbeitslosigkeit wohl längst bei oder über 20 Prozent

Die Arbeitslosenquote in der weltgrößten Volkswirtschaft, vor Corona bei 3,5 Prozent, lag im April bereits bei 14,7 Prozent und hat vermutlich aufgrund von Verzögerungen bei der Auswertung der Daten inzwischen längst die 20 Prozent Marke geknackt.

Da viele Berufstätige in den USA über den Arbeitgeber krankenversichert sind, bricht nun für sie – und damit für ihre Familien – auch der Versicherungsschutz weg. Soziale Probleme in nie gekannten Dimensionen zeichnen sich ab. Von den geschätzten 40 Millionen US-Bürgern, die nun ihre Jobs verloren haben, werden rund ein Viertel nach Meinung von Fachleuten dauerhaft arbeitslos bleiben – denn auch in den USA wird es noch lange dauern, bis die angeschlagene Wirtschaft sich wieder erholt. Im besten Fall ist erst im kommenden Jahr mit einem leichten Aufschwung zu rechnen.

Wie kommen die rasch wachsenden Arbeitslosenzahlen zustande?

Um zu verstehen, warum die Zahl der Beschäftigungslosen in den Vereinigten Staaten so schnell ins scheinbar Uferlose angewachsen ist, muss man sich vor Augen halten, was anders ist in der Arbeitswelt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Tatsächlich ist der Schutz von Arbeitnehmern, verglichen mit Deutschland oder anderen europäischen Staaten, vergleichsweise dürftig. Zwar herrscht längst nicht mehr eine Hire&Fire Attitüde, doch noch immer ist das US-amerikanische Arbeitsrecht basierend auf der Vertragsfreiheit zwischen gleich gestellten Partnern gestaltet und damit sehr viel weniger ein Arbeitnehmerschutzrecht als in Deutschland.

Arbeitslosenzahlen in den USA

Arbeitslosigkeit USA – Arbeitslosigkeit Deutschland: Unterschiedliche Gestaltung des Arbeitsrechtes

Zwar gibt es einige bundeseinheitliche Bestimmungen zum Arbeitsrecht, der größte Teil der Richtlinien wird in den USA noch immer vom Arbeitnehmer vorgegeben. Dies geht so weit, dass viele Beschäftigte gar keine Arbeitsverträge erhalten, sondern lediglich ein Angebotsschreiben, in dem die Beschreibung der Tätigkeit und das Gehalt formuliert sind. Auf dieser Grundlage fällt es Unternehmen wesentlich leichter, sich in Krisenzeiten von Mitarbeitern zu trennen, die nicht länger beschäftigt werden können. Eine Kurzarbeitsregelung, wie sie zur Überbrückung in der Bundesrepublik umgesetzt wurde, ist in den USA nicht vorgesehen. Die enormen Arbeitslosenzahlen werden zweifellos auf die Konjunktur drücken. Nicht nur die heimische Nachfrage wird sinken, sondern der Abschwung der US-Wirtschaft, der sich im laufenden Jahr auf über 30 Prozent belaufen dürfte, wird weltweite Kreise ziehen.

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Schockwellen durch Globalisierung

Denn die weltgrößte Wirtschaftsmacht ist ein wichtiger Handelspartner sowohl für europäische Volkswirtschaften, als auch für Schwellenländer wie Brasilien oder China. Und diese sind ihrerseits ökonomisch verbandelt mit der Bundesrepublik und anderen EU-Ländern. Wenn die chinesischen Geschäfte mit den Vereinigten Staaten deutlich schlechter laufen, wird die Nachfrage in der Volksrepublik nach den benötigten deutschen Exporten ebenfalls nachlassen.

Über die realwirtschaftlichen Auswirkungen der konjunkturellen Arbeitslosigkeit hinaus muss man sich um die Finanzmärkte sorgen, denn auch hier sind die USA ein Zugpferd. Sollte die bislang beständig mit besten Ratings bedachte Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten leiden und die amerikanischen Finanzspritzen für andere Staaten weltweit ausbleiben, wird sich auch dies auf internationaler Ebene auswirken.

Wie sehen die Prognosen für den US-Arbeitsmarkt und die Wirtschaft aus?

Besorgnis bereitet vielen Experten natürlich die gelinde gesagt inkonsistente Führung in den USA. Der erratische Kurs, den der Präsident gegenüber der Herausforderung durch das Virus an den Tag gelegt hat, zieht sich auch durch den Umgang mit Schutzmaßnahmen und deren Lockerung. Wie und wann sich die US-Wirtschaft erholt, wird zu einem hohen Maß von einer planvollen und kontrollierten Wiederherstellung der Normalität abhängen. Ob diese möglich ist, ist noch immer fraglich – denn die Vereinigten Staaten sind bereits im Wahlkampfmodus, so dass nicht nur die ökonomische und soziale Vernunft regiert, sondern vor allem der Eigennutz der Parteien.

Prognosen für den US-Arbeitsmarkt

Leitzinssenkungen gegen die Sprengkraft arbeitsloser Massen?

Sollten die 40 Millionen arbeitslosen US-Bürger sich finanziell und sozial nicht berücksichtigt sehen bei den Hilfspaketen der Regierung, aber auch im Wahlkampf, birgt die schiere Masse der Erwerbslosen ein politisches Sprengpotential, das das Land tiefgreifend und auf lange Sicht verändern könnte.

In einem Versuch, den Haushalt der USA zu verbessern, ist der neueste Vorstoß des Präsidenten die Anregung, den Leitzins der Federal Reserve, der US-amerikanischen Notenbank, ins Negative gleiten zu lassen und so aus den Haushaltsschulden Kapital zu schlagen. Die Vertreter der Fed widersetzen sich bislang der Idee eines negativen Leitzinses, zweifellos unter dem Eindruck der EU-Zinspolitik.

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Die Prognosen für die US-Wirtschaft? Festlegen kann und will sich noch niemand

Mittelfristig und schon gar langfristig sind bislang höchstens Mutmaßungen darüber möglich, wie sich die Arbeitslosigkeit und Rezession in den USA auf die Weltwirtschaft und damit auch auf die bundesdeutsche Konjunktur auswirken werden. Viel hängt am Rennen um einen Corona-Impfstoff und der Wirksamkeit der Eindämmung. Mindestens ebenso viel hängt davon ab, ob die US-Wirtschaft im kommenden Herbst und Winter eine zweite Welle des Virus erleben wird.

Wirtschaftliche Folgen Corona Virus

Enge wirtschaftliche Beziehungen tragen die Krise aus den USA auch nach Deutschland

Die engen deutsch-amerikanischen Beziehungen werden vermutlich dazu beitragen, dass die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit in den USA über den Atlantik schwappt und ohne Umwege die deutsche Wirtschaft beeinträchtigt. Denn die nach dem Zweiten Weltkrieg gewachsene Verflechtung bedingt einen hohen Austausch zwischen beiden Staaten. Die Vereinigten Staaten sind der wichtigste Käufer für das Exportland Deutschland, umgekehrt ist die Bundesrepublik der bedeutendste wirtschaftliche Partner der USA in Europa. Wechselseitige Investitionen sorgen dafür, dass bundesdeutsche Firmen seit langem Standorte in den USA unterhalten – und umgekehrt. Und nicht nur das – deutsche Firmen sind einer der bedeutendsten ausländischen Arbeitgeber innerhalb der USA, leisten einen wesentlichen Beitrag zur Beschäftigung und zum Bruttoinlandprodukt und lassen ihre Erzeugnisse in US-amerikanische Exporte einfließen. Ein bislang starkes Miteinander, das nun angesichts der Corona-Krise Bruchstellen zeigt.

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