Große Banken bunkern ihr Geld – Ratgeber für Forex Broker und Trader

Zuletzt aktualisiert & geprüft: 21.06.2019

Große Banken bunkern ihr Geld

    Von DAVID ENRICH und MAX COLCHESTER

LONDON – Einige der größten europäischen Banken horten immer mehr Geld bei den Zentralbanken – offenbar aus Angst, dass die Krise sich verschärfen und ihnen noch größere Probleme als zuvor bereiten könnte.

 

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Associated PressDas billige Geld von der EZB legen die europäischen Banken auf die hohe Kante.

Ende März hatten die zehn größten europäischen Banken fast 925 Milliarden Euro bei Notenbanken rund um den Erdball geparkt. Das zeigt eine Analyse des Wall Street Journal von Veröffentlichungen der Banken. Das sind 12 Prozent mehr als noch im Dezember und 66 Prozent mehr als Ende 2010.

Während im ersten Quartal dieses Jahres noch Tauwetter auf dem Bankfinanzierungsmarkt geherrscht hatte, regiert jetzt wieder der Frost. Europäische Banken, die ihr Geld lieber bei den Zentralbanken hinterlegen statt es an Kunden zu verleihen, stellen einen schnellen Zugriff auf ihre Mittel sicher. Dieser könnte zum Beispiel bei Refinanzierungsproblemen ihrer Schulden vonnöten sein, oder wenn Kunden nach einer Abstufung plötzlich große Summen abziehen.

Auf Nummer sicher

Ein großer Teil der rund 340 Milliarden Euro, die die zehn Banken seit September auf die hohe Kante gelegt haben, stammt aus den billigen Krediten der Europäischen Zentralbank in den vergangenen Monaten. Diese Kredite sollten eine drohende Liquiditätskrise der Banken verhindern. Gleichzeitig hatten die EZB und die Politik gehofft, dass die Banken mehr Geld verleihen und Staatsanleihen zu kaufen, um so die Wirtschafts- und Finanzprobleme des Kontinents zu entspannen.

Stattdessen zeigt sich, dass die vom Wall Street Journal unter die Lupe genommenen Banken lieber auf Nummer sicher gehen. Banco Santander SAN.MC -0,84% hat sich etwa 40 Milliarden Euro von der EZB geliehen. Im vergangenen Monat gab die größte spanische Bank in einem Bericht an die Aufsichtsbehörden an, dass „der Großteil der Gelder bei der EZB eingelegt wurde“. Das habe den Liquiditätspuffer der Bank vergrößert und die Kapitalstruktur durch die Ersetzung von Kurz- auf Langläufer verbessert. Ende März hatte Santander etwa 112 Milliarden Euro bei verschiedenen Notenbanken eingelegt. Ein Jahr zuvor waren es nur 86 Milliarden.

Das Journal hat sich mit den Bargeldbeständen von Banco Santander und Banco Bilbao Vizcaya Argentaria BBVA.MC -0,71% (BBVA) aus Spanien, der Deutschen Bank, der schweizerischen UBS UBS -0,05% und der Credit SuisseCS -0,40% derBNP Paribas BNP.FR -0,18% und Societé Générale GLE.FR -0,36% aus Frankreich, und BarclaysBARC.LN -1,26% Lloyds LYG -0,38% und der Royal Bank of Scotland aus Großbritannien befasst.

 

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Flut ist abgeebbt

„Die oberste Priorität hat die Absicherung der Bank in einer unruhigen Phase“, sagt Bruce Van Saun, Finanzchef der RBS. Die Einlagen des Instituts bei den Zentralbanken sind bis Ende März auf 82 Milliarden Pfund (etwa 102 Milliarden Euro) geklettert. „Die Finanzierungsbedingungen sind immer noch besser als in der zweiten Jahreshälfte 2011, aber es wird etwas zitterig in Europa“.

In den ersten drei Monaten klatschten die Anleger Beifall für das Kreditprogramm der EZB. Europäische Banken stürmten den Anleihemarkt und gaben Papiere in Höhe von etwa 86 Milliarden Euro pro Monat aus, sagen Zahlen des Datenanbieters Dealogic.

Aber diese Flut ist mit der Rückkehr der Krisenstimmung in Europa abgeebbt. Im April verkauften die Banken nur Anleihen über 24 Milliarden Euro, so Dealogic. Abgesehen vom blutleeren Dezember war das die geringste Summe seit über einem Jahr.

Besonders deutlich ist dieser Trend bei spanischen und italienischen Kreditinstituten. Nachdem die italienischen Banken im ersten Quartal noch ungesicherte Schuldverschreibungen über fast 9 Milliarden Euro absetzen konnten, verkauften sie laut Dealogic im April gar keine Anleihen mehr. In Spanien wurden die Kreditinstitute im April nur Papiere über 18 Millionen Euro los, nachdem sie in den ersten drei Monaten des Jahres noch Anleihen über fast 8 Milliarden emittiert hatten.

Banken agieren konservativ

Es sind nicht nur die Anleiheinvestoren, die nicht mehr in europäische Banken investieren wollen. Auch andere Kreditinstitute halten den Geldbeutel dicht. In Spanien sank die Kreditvergabe zwischen den Banken im März um 51 Milliarden Euro, in Italien um 29 Milliarden, haben die Analysten von RBC Capital Markets berechnet.

„Der Rückgang ist besorgniserregend groß, und unterstreicht die Geschwindigkeit, mit der Kapitalflüsse unter den Banken die Liquidität der Branche beeinträchtigen können“, schreiben die Analysten in einer Mitteilung.

Die Situation führt dazu, dass die Banken konservativer agieren. Im Verlauf des Jahres werden Anleihen spanischer Banken über 61 Milliarden Euro fällig, in Italien sind es etwa 43 Milliarden Euro. Mit ihrem bei der EZB geparkten Geld können die Banken diese bedienen, sollten die Märkte geschlossen bleiben.

Schutz vor möglicher Abstufungswelle

Eine der größten Einlagensteigerungen stammt von der britischen Bank Lloyds. Im ersten Quartal stieg die bei der Bank of England und anderen Notenbanken gehortete Geldsumme um 30 Prozent auf 78 Milliarden Pfund an.

11,4 Milliarden Pfund hatte sich Lloyds von der EZB geliehen. Vorstandsvorsitzender Antonio Horta-Osorio erklärt, die Bank werde dieses Geld zumindest mittelfristig zurücklegen, um sich vor den Auswirkungen einer möglichen Abstufungswelle in Europa zu schützen.

„Angesichts der allgemeinen Drohung von Abstufungen, die insbesondere Moody’s gegen die Banken in der EU ausgesprochen hat, halten wir es für weise, das geliehene Geld bei der EZB zu belassen“, sagt Horta-Osorio. Lloyds werde das erneut prüfen, wenn Moody’s seine Bonitätsentscheidung verkündet habe.

Berichtigung

In einer früheren Version dieser Meldung hieß es, die Banken hätten 925 Millionen Euro bei den Zentralbanken geparkt. Die korrekte Summe ist umgerechnet etwa 925 Milliarden Euro.

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Quelle: WSJ

Expertentipp:

Nach wie vor haben die Banken einen hohen Stellenwert in Bezug auf die Wirtschaft und können für starke Veränderungen am Markt sorgen. Die Entwicklung der einzelnen Banken sollte daher immer im Auge behalten werden.

Große Banken bunkern ihr Geld – Ratgeber für Forex Broker und Trader was last modified: Februar 11th, 2019 by Deutsche Forex Broker