Berufsstart – mit dem ersten Geld richtig umgehen

Zuletzt aktualisiert & geprüft: 23.11.2018

Es ist schon ein tolles Gefühl, nach dem Berufsstart zum ersten Mal den eigenen Lohnzettel in den Händen zu halten. Vorbei die Zeiten, in denen man im Studium mit einigen Hundert Euro im Monat über die Runden kommen musste oder auf das Taschengeld der Eltern angewiesen war. Berufsanfänger fühlen sich nach den ersten Monatsgehältern oftmals schon als reich. Dies verführt allerdings auch zum schnellen Konsum. Ein neues Auto, eine schickere Wohnung oder endlich mal ein richtiger Urlaub. Vor den ersten Ausgaben sollte immer ein Finanzcheck durchgeführt werden. Denn mit den Einnahmen kommen auch die ersten Verpflichtungen.

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Viele Fragen beim Berufsstart

Mit dem Start ins Berufsleben erweitern sich die finanziellen Möglichkeiten deutlich. Zu bedenken ist jedoch, dass viele Dinge die bisher von den Eltern erledigt wurden nun selber geregelt werden müssen. Deshalb steht an erster Stelle nach dem Berufsstart ein Finanzcheck. Hierzu gehören unter anderem die folgenden Fragen:

  • Welche Versicherungen werden benötigt?
  • Ist auf lange Sicht der Kauf einer Immobilie geplant?
  • Wie kann ich fürs Alter vorsorgen?

Berufsstart - Haftpflicht

Über diese Fragen sollte man sich spätestens zum Berufsstart befassen. Einige Entscheidungen müssen sofort getroffen werden, bei anderen besteht kein akuter Handlungsbedarf. An erster Stelle steht der benötigte Versicherungsschutz. Experten empfehlen, zunächst die Risiken abzusichern, die zum finanziellen Ruin führen können. Um die Altersvorsorge geht es dann erst anschließend.

Viele Berufsstarter waren bisher in der Haftpflicht ihrer Eltern mitversichert. Nun müssen sie sich um eine eigene Police kümmern. Die private Haftpflicht übernimmt Schäden, die der Versicherungsnehmer einer anderen Person zufügt. Wer beispielsweise unachtsam über einen Radweg läuft und dabei einen Schaden verursacht, muss in voller Höhe für diesen aufkommen. Im schlimmsten Fall zahlt der Verursacher bis zu seinem Lebensende.

Trotz der möglichen Folgen wird die Bedeutung der Haftpflichtversicherung von vielen Menschen unterschätzt. Nach einer aktuellen Umfrage hält nur jeder Dritte der 18 bis 29-jährigen eine Privathaftpflicht für wichtig. In Deutschland verfügen mehr Haushalte über eine Hausratversicherung als eine Haftplicht. Eine Hausratversicherung wird jedoch nur für hochwertig ausgestattete Wohnungen benötigt.

Berufsunfähigkeitsversicherung – wichtig aber teuer

Verbraucherschützer halten eine Berufsunfähigkeitsversicherung für unverzichtbar. Das Risiko vor dem Rentenalter nicht mehr im erlernten Beruf arbeiten zu können ist größer als viele denken. Etwa jeder vierte Arbeitnehmer scheidet vorzeitig aus dem Berufsleben aus. Vom Staat dürfen Betroffene dabei keine große Hilfe erwarten.

Empfehlenswert ist es, die Berufsunfähigkeitsversicherung so früh wie möglich abzuschließen. In jungen Jahren stellt die strenge Gesundheitsprüfung kein so großes Problem dar. Experten empfehlen bereits während der Ausbildung eine monatliche BU-Rente von 1.000 Euro zu vereinbaren. Später lässt sich die Summe dann ohne weitere Gesundheitsprüfung erhöhen.

In der Praxis verzichten jedoch viele Arbeitnehmer auf diesen wichtigen Schutz, was insbesondere an den relativ hohen Kosten liegt. Kaufmännische Angestellte, die eine monatliche Rente von 1.000 Euro bis zum 67. Lebensjahr abschließen müssen mit einer monatlichen Prämie von rund 30 Euro rechnen. In körperlichen anstrengenden Berufen liegt der Monatsbeitrag bei mindestens 80 Euro. Wer sich bereits mit 20 zum Abschluss einer solchen Police entscheidet, zahlt über die gesamte Laufzeit in etwa dasselbe wie ein 35-jähriger, ist jedoch 15 Jahre länger versichert.

Vorsicht bei Finanzvermittlern

Erwerbsunfähigkeits- oder Unfallversicherungen sind günstige Alternativen zur BU, bieten jedoch keinen vollwertigen Schutz. So zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung bereits dann, wenn die letzte Tätigkeit nicht mehr ausgeübt werden kann. Bei der Erwerbsunfähigkeitsversicherung darf dagegen überhaupt keine Arbeit mehr möglich sein. Die Unfallversicherung kommt nur für Unfälle, nicht jedoch bei Krankheiten für Folgeschäden auf.

Ein weiteres wichtiges Thema beim Berufsstart ist die Altersvorsorge. Wann man damit anfangen soll, darüber gehen die Meinungen auseinander. Finanzvermittler und Versicherungskonzerne empfehlen zumeist bereits während des Studiums mit dem Aufbau einer privaten Altersversorgung zu beginnen. Andere Experten raten dagegen nach dem Berufsstart noch ein bis zwei Jahre zu warten.

Ein finanzielles Polster muss sein

Nach dem Berufsstart sollte erst einmal getestet werden, ob die gewählte Tätigkeit die richtige ist. Eventuell wird noch eine weitere Ausbildung oder ein Studium benötigt. Überhaupt sollte zunächst eine finanzielle Rücklage gebildet werden. Am besten zwei bis drei Monatsgehälter auf einem Tagesgeldkonto parken. Die Zinsen sind zwar aktuell nicht allzu hoch, auf dem Girokonto findet jedoch gar keine Verzinsung statt. Tagesgeld bietet zudem den Vorteil, dass jederzeit darauf zugegriffen werden kann.

Wer mit dem Gedanken spielt in einigen Jahren eine Eigentumswohnung zu kaufen sollte auf langfristige Verträge, beispielsweise für eine kapitalbildende Lebensversicherung, besser verzichten. Stattdessen ist es besser, das Geld so anzusparen, dass es zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung steht. Möglich ist dies beispielsweise mit Festgeldkonten oder Bausparverträgen.

Beim Bausparvertrag haben Kunden nach der Ansparphase Anrecht auf ein zinsgünstiges Darlehen. Nachteil ist die relativ geringe Verzinsung während der Sparphase. Dazu kommen noch die Abschlussgebühren. Ein Bausparvertrag lohnt sich in erster Linie für Arbeitnehmer mit eher geringem Einkommen, die Anspruch auf Arbeitnehmersparzulage und Wohnungsbauprämie haben.

Berufsstart - Altersvorsorge

Mit einer Immobilie alleine ist es bei der Altersvorsorge jedoch nicht getan. Um sich gegen Altersarmut zu schützen kann zusätzlich eine betriebliche Altersversorgung in Anspruch genommen werden. Arbeitnehmer haben das Recht auf eine Entgeltumwandlung. Auf diese Weise können Teile des Gehalts in die Altersvorsorge investiert werden. Bis zu einer bestimmten Grenze sind die eingezahlten Beträge steuer- und sozialversicherungsfrei. In vielen Fällen gibt es vom Arbeitgeber noch einen Zuschuss.

Eine weitere Alternative sind die staatlich geförderten Riester- und Rürup Renten. Seit der Einführung haben bereits 15 Millionen Deutsche einen Riester Vertrag abgeschlossen. Dies ist grundsätzlich positiv, denn der Staat beteiligt sich mit einer jährlichen Zulage von 154 Euro. Für Kinder gibt es je nach Alter 185 oder 300 Euro dazu. Zudem können die Beiträge bis zu 2.100 Euro im steuerlich geltend gemacht werden.

Nach dem Berufsstart an die Börse?

Wer einen finanziellen Notgroschen beiseite gelegt, die wichtigsten Versicherungen abgeschlossen, an die Altersvorsorge gedacht und noch Geld übrig hat, kann sich noch mit weiteren Geldanlagen befassen. Eine Möglichkeit ist die Anlage in Aktien. Hierzu wird lediglich ein Depot benötigt, in welchem Aktien und andere Wertpapiere verwaltet werden. Bei Online Brokern ist die Kontoführung zumeist kostenfrei. Vor der Eröffnung sollten angehende Börsianer sich noch über die anfallenden Transaktionskosten informieren. Fallen beim Kauf oder Verkauf hohe Gebühren an, wirkt sich das negativ auf die Rendite aus.

Nicht alles auf eine Karte setzen

Egal ob erfahrener Broker oder Börsenneuling oberste Regel ist immer das angelegte Kapital möglichst breit zu streuen. Wer beispielsweise alles Geld in Autoaktien investiert, kann am Ende eine böse Überraschung erleben. Für Anfänger nach dem Berufsstart sind deshalb Aktienfonds eine gute Wahl. Hier werden mehrere Aktien gebündelt, sodass Verluste durch andere Papiere wieder ausgeglichen werden. Indexfonds sollten in einem gut sortierten Depot ebenfalls nicht fehlen.

Um das Risiko weiter zu minimieren, können noch weitere Anlageformen ins Depot aufgenommen werden. Denkbar wäre beispielsweise ein Investment in Anleihen oder Rohstoffen. Unabhängig von der gewählten Anlage sollte man sich darüber klar sein, dass mit der möglichen Rendite immer auch das Risiko steigt.

Nachfolgend 10 wichtige Tipps für Börseneinsteiger

Risiko oder eher sicher – Welcher Anlagetyp bin ich?

Vor dem ersten Aktienkauf sollte man sich Gedanken über das Ziel der Geldanlage machen. Zudem stellt sich die Frage, welcher Anlagetyp man ist. Soll die Altersvorsorge mit Aktien unterstützt werden, ist eine andere Strategie erforderlich, als wenn es um das Erzielen von kurzfristigen Gewinnen geht. Entscheidend ist immer, ob der Anleger auf das Geld angewiesen ist oder eventuelle Verluste problemlos verschmerzen kann. Nach dem Berufsstart ist in der Regel das Erste der Fall. Deshalb ist es besser, das Risiko möglichst gering zu halten.

Nicht zu gierig werden

Wer vom Typ her das Motto „no risk no fun“ bevorzugt sollte sich klar machen, dass es bei der Geldanlage auch viel zu verlieren gibt. Deshalb ist es ratsam am Anfang auf eine langfristige Strategie zu setzen und dabei die Märkte zu beobachten. Gehen kleinere Zockereien mal daneben, lassen sich die Verluste dann einfacher verkraften.

Nur kaufen, wovon man eine Ahnung hat

Wie eine Aktie funktioniert, dürfte allgemein bekannt sein. Wer sich für andere Anlagen wie Anleihen oder Zertifikate interessiert, sollte sich vorab genau informieren. Eine wichtige Regel ist, mur in etwas zu investieren, dass man auch versteht. Anleger, die nur auf die mögliche Rendite schauen auf Dauer zumeist in die Röhre.

Auf die Bankgebühren achten

Vor der Eröffnung eines Depots steht immer ein genauer Vergleich. Je höher die Gebühren, desto geringer die Rendite. Direktbanken bieten hier zumeist Vorteile und berechnen nichts für die Depotführung.

Auf die richtige Mischung achten

Zumindest am Anfang sollte das Risiko möglichst breit gestreut werden. Am besten das Kapital auf mehrere Märkte wie Rohstoffe und Energie sowie auf Fonds, Aktien und Anleihen verteilen.

Mischung bei Fonds und Zertifikaten

Befinden sich Fonds oder Zertifikate im Portfolio, muss auch innerhalb der Anlageklasse auf eine gute Mischung geachtet werden. Fondsanbieter können mit ihren Produkten online schnell miteinander verglichen werden. Wer in mehrere Gesellschaften investiert ist auf der sicheren Seite.

Depot regelmäßig überprüfen

Anleger sollten sich ausreichend Zeit nehmen und ihr Depot regelmäßig überprüfen. Eine reine Buy and hold Strategie ist nicht immer die beste Lösung. Entwickelt sich das Depot negativ ist es möglicherweise Zeit für eine Umschichtung.

Qualität hinterfragen

Bei der Überprüfung sollte man sich fragen, ob die vorhandenen Aktien und Fonds auch heute noch erste Wahl wären. Lautet die Antwort ja können sie im Depot bleiben. Wer von der Qualität nicht mehr überzeugt ist, sollte über einen Verkauf nachdenken.

Verluste begrenzen

Entwickelt sich eine Aktie bzw. ein anderes Anlageprodukt nicht wie gewünscht sollte man nicht zögern und es verkaufen. Hierbei sind sogenannte Stopp-Loss-Orders, bei denen eine Untergrenze eingestellt, wird hilfreich. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Anleger den Kurs nicht ständig im Blick hat.

Einen kühlen Kopf behalten

Dass es an den Börsen auf und ab geht ist völlig normal. Deshalb ist es wichtig, auch in schwierigen Zeiten die Nerven zu behalten. Panische und unüberlegte Transaktionen führen meistens zu mehr Verlusten, als ein kleiner Abwärtstrend.

Experten-Tipp:

Ein unabhängiger Berater kann dabei helfen, für die eigene Finanzsituation einen besseren Blick zu bekommen und herauszufinden, in welche Richtung es bei Versicherungen und Geldanlage gehen soll.

Berufsstart – mit dem ersten Geld richtig umgehen was last modified: Oktober 26th, 2017 by JuliusDream011