Sind nachhaltige Investments auch renditestark?

Zuletzt aktualisiert & geprüft: 23.06.2019

Nachhaltige Investitionen erfreuen sich einer zunehmenden Beliebtheit. Doch viele Anleger scheuen sich vor Investments, weil sie befürchten, hierdurch geringere Renditen zu erwirtschaften als mit konventionellen Anlagen. Schließlich fallen bei nachhaltigen Fonds und ETFs einige Unternehmen aus dem Raster, was zwangsweise zu einem Verlust an Flexibilität führen muss. Doch stimmt es wirklich, dass nachhaltige Investments geringere Renditen abwerfen?

Markt für nachhaltige Investments wächst

In Deutschland ist das Thema Nachhaltigkeit seit Anfang der 2000er in den Fokus der Anleger rückt. Damals verwalteten die in Deutschland ansässigen und nachhaltig agierenden Fonds allerdings nur ein Vermögen von rund 6 Milliarden Euro – ein kleiner Betrag. Vor allem mit der Bekanntgabe der Energiewende, der immer weiter zunehmenden Klimaerwärmung und aufgrund eines generell wachsenden Umweltbewusstseins stieg die Nachfrage allerdings stark an. Schon im Jahr 2015 konnten die deutschen Nachhaltigkeitsfonds ein Fondsvolumen von rund 60 Milliarden Euro aufweisen.

Der Markt für nachhaltiges Investment steigt stetig

Der Markt für nachhaltiges Investment steigt stetig

Allerdings ist der deutsche Markt damit immer noch klein, was aber nicht etwa durch schwache Renditen der Fonds zu erklären ist. Vielmehr gibt es in Deutschland keine wirklich klaren Regularien, wann sich ein Investmentfonds wirklich als nachhaltig oder ethisch bezeichnen darf. Deshalb weichen viele Fondsgesellschaften beispielsweise nach Luxemburg aus. Zudem stellen die 60 Milliarden Euro noch nicht den Gesamtmarkt der nachhaltigen Investments, sondern lediglich den der Fondsanlagen dar. Insgesamt gehen Experten davon aus, dass deutsche Anleger schon weit über 100 Milliarden Euro in grüne Wertpapiere investiert haben – Tendenz steigend.

Bemerkenswert ist in diesem Zuge auch, dass prominente Unternehmer wie beispielsweise Mark Zuckerberg vorangehen und ihr Geld nachhaltig investieren. Auch die bekannte Rockefeller-Stiftung hat längst nachhaltige Wertpapiere ins Portfolio aufgenommen. Dieser Nachfrageanstieg bewirkt zwangsweise, dass es immer mehr Möglichkeiten für grüne Investments gibt und geben wird. Durch die gestiegene Auswahl ist es wiederum wahrscheinlich, solche Anlageobjekte auswählen zu können, die tatsächlich auch hohe Renditen versprechen.

Empirische Studien: Nachhaltige Fonds können mithalten

In der Finanzwelt ist hochgradig umstritten, ob nachhaltige Fonds in Sachen Rendite mit konventionellen Geldanlagen mithalten können. Problematisch ist die Diskussion auch deshalb, weil bei der Untersuchung persönliche Interessen beispielsweise von Fondsgesellschaften eine Rolle spielen. Als eine der einschlägigsten und aktuellsten Studien gilt die Untersuchung von Christian Klein, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Uni Kassel. Die Details:

  • Mit seinem Team führte Professor Klein eine Meta-Studie über Nachhaltigkeitsfonds durch.
  • Untersucht wurden dabei insgesamt 35 empirische Studien über die Rendite eben dieser Fonds.
  • In 14 Studien schnitten die Nachhaltigkeitsfonds besser ab als konventionelle Fonds.
  • 15 Studien kamen zu dem Ergebnis, dass es keinen Unterschied zwischen beiden Fondsarten gäbe.
  • Lediglich in 6 Studien waren die konventionellen Fonds renditestärker.
  • Fazit von Professor Klein: „Dass nachhaltige Fonds Rendite kosten, ist ein Ammenmärchen.“

Unterstützt wird Klein auch vom Vermögensverwalter Acatis, der eine eigene Studie zu diesem Thema durchgeführt hat. Hier wurde sogar ermittelt, dass nachhaltig ausgerichtete Unternehmen langfristig deutlich besser performen als weniger nachhaltig agierende Konkurrenten. „Nachhaltigkeit kostet also keine Rendite, sondern bringt Rendite“, stellte daher Rainer Unterstaller, geschäftsführender Gesellschafter der Acatis-Tochter Fair Value Investment, fest. „Moral und Rendite lassen sich gut miteinander vereinbaren.“

Bleibt trotzdem die Frage, warum es immer noch viel Skepsis gegenüber nachhaltigen Fonds gibt. Es sind vor allem die Manager klassischer Investmentfonds, die bezweifeln, dass durch Nachhaltigkeit wirklich höhere oder gleichwertige Renditen erwirtschaftet werden könnten. So seien die als nicht nachhaltig bezeichneten Branchen wie Tabak, Alkohol oder Rüstung äußerst lukrativ.

Zusammenfassung: Trotz der Skepsis vieler Fondsmanager zeigen empirische und groß angelegte Studien, dass sich Nachhaltigkeit und Rendite sehr wohl miteinander vereinbaren lassen. Wer nachhaltig investiert, muss nicht zwangsweise auf Gewinne verzichten.

Vor allem in der Textilindustrie sorgt das Thema Nachhaltigkeit für heißen Gesprächsstoff

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Vorsicht beim Begriff der Nachhaltigkeit

Ein viel größeres Problem sehen viele Anleger darin, dass das Wort nachhaltig bzw. ethisch auf einige der so bezeichneten Fonds nicht wirklich zutrifft. Denn meistens schließen diese Fonds lediglich bestimmte Unternehmen von Investments aus, die etwa aus spezifischen Branchen stammen oder klar in Verbindung mit Kinderarbeit gebracht werden können. Aber:

  • Große Unternehmen verfügen über lange Zuliefererketten, die sich kaum überwachen lassen. Kommt es hier zu Kinderarbeit, Hungerlöhnen oder inhumanen Arbeitsbedingungen, liegt dies rein rechtlich nicht in der Verantwortung des börsennotierten Unternehmens.
  • Durch Beteiligungs- und Tochtergesellschaften können Unternehmen einige Teilbereiche verschleiern, die vielleicht als weniger nachhaltig als das Kerngeschäft gelten.
  • Viele der Fonds verfahren nach dem Best-in-Class Prinzip. Dabei wird eine Gruppe von Unternehmen definiert, aus denen dann die nachhaltigsten ausgewählt werden. Das bedeutet aber noch nicht, dass die Unternehmen auch wirklich nachhaltig agieren.

Für tatsächliche Transparenz im Markt ist bis jetzt nicht wirklich gesorgt worden. Noch immer gibt es keine einheitlichen Richtlinien, an die sich die Fondsgesellschaften halten müssen. Zwar wurde erst kürzliche ein neues Gütesiegel vom Forum Nachhaltige Geldanlagen entwickelt, dies gilt aber nur für deutsche Fonds. Diese dürfen keinerlei Investments in Unternehmen vollziehen, die entweder mit Waffen oder Atomenergie Geld verdienen. Zudem müssen die Konzerne alle gängigen Konventionen im Bereich Arbeits- und Menschenrechte einhalten, Korruption bekämpfen und sich beim Thema Umweltschutz engagieren.

Nachhaltiges Investment: Rendite wird durch Ausschlusskriterien minimiert

Bisher wurde festgestellt, dass sich Nachhaltigkeit und Rendite nicht zwangsweise ausschließlichen müssen. Der Fall ist dies vor allem laut einiger Fondsmanager immer dann, wenn der Fonds zu starke Ausschlusskriterien verwendet. Dann würden bestimmte Anlageoptionen nicht mehr zur Verfügung stehen, obwohl diese vielleicht nachhaltig sind bzw. attraktive Renditechancen bieten würden.

Damit bleibt es durchaus umstritten, welche der beiden Seiten im Recht ist. Vor allem auf kurze Sicht betonen die Fondsmanager immer wieder, dass konventionelle Fonds deutlich besser abschneiden würde als die nachhaltige Konkurrenz. In der Tat zeigen insbesondere Einzelbeispiele, dass Nachhaltigkeit auch zu enormen Verlusten führen kann – dies ist aber bei konventionellen Investments ebenfalls der Fall.

Zusammenfassung: Aus Sicht des Anlegers sollte das Investment in nachhaltige Fonds oder Wertpapiere immer gut abgewogen werden. Die historische Kursentwicklung der Fonds sollte detailliert analysiert und mit konventionellen Finanzprodukten verglichen werden, um zu einer Anlageentscheidung zu gelangen.

Nachhaltige Investments in erneuerbare Energien

Nachhaltige Investments in erneuerbare Energien

Einzelne Branchen als Renditechance für nachhaltige Investments

Fernab von Fonds bietet sich für Anleger eine weitere Möglichkeit, mit nachhaltigen Investments Rendite zu erwirtschaften: Investitionen in einzelne Aktien. Hierbei bieten sich gleich zwei Vorteile:

  1. Anleger können selbst bestimmten, in welche Unternehmen das Kapital fließt. Somit kann der Investor für sich persönlich entscheiden, was er als nachhaltig empfindet und welche Konzerne aus dem eigenen Portfolio ausgeschlossen werden.
  2. Einzelne, nachhaltige Branchen bieten gute Renditeaussichten. Dabei sind es vor allem innovative Technologien, die sich etwa mit der immer größer werdenden Bevölkerung oder der Luftverschmutzung befassen, die in Zukunft hohe Potenziale aufweisen.

Vorab: Wer Einzelinvestitionen durchführt, sollte auch beim Thema Nachhaltigkeit nicht vergessen, dass die Aktienkäufe mit gewissen Risiken verbunden sind. Es kann zu unternehmensspezifischen Krisen kommen, die im schlimmsten Fall einen Totalverlust des Kapitals bedeuten. Daher gilt, dass nicht nur in ein einzelnes, sondern in eine möglichst große Zahl von nachhaltig agierenden Unternehmen investiert werden sollte.

Wer sich für Aktienkäufe in diesem Bereich entscheidet, dem bieten sich ganze Branchen, die als nachhaltig gelten und dabei gleichzeitig noch attraktive Renditen versprechen:

  • Elektromobilität: In dieser Sparte ist Tesla zweifelsfrei der Vorreiter, was zumindest die Automobilbranche anbelangt. Elektromobilität ist allerdings nur dann wirklich als grün zu bezeichnen, wenn auch der Strommix an sich grün ist. Viele Regierungen forcieren mittlerweile aber Investitionen in erneuerbare Energien, so dass deren Anteil am Strommix immer weiter steigen wird.
  • Erneuerbare Energien: Zwar ist die deutsche Solarindustrie trotz staatlicher Subventionen komplett insolvent, das gilt aber nicht für andere Nationen. Gerade in den USA und China gibt es vielversprechende Konzerne, die in den kommenden Jahren hohe Erträge erwirtschaften werden. Wind ist ebenfalls eine der effektivsten Energiequellen und kann auch von deutschen Unternehmen genutzt werden.
  • Abwasser: Das deutsche Abwassersystem gilt als eines der besten der Welt. Doch vor allem in Asien und Afrika stellt die generelle Wasserversorgung ein großes Problem dar. Unternehmen mit Know-how in diesem Bereich können in den kommenden Jahren und Jahrzehnten viel Geld mit innovativen Technologien verdienen – und dabei gleichzeitig die Umwelt schützen bzw. den Lebensstandard in den betroffenen Regionen erhöhen.

Zusätzlich dazu kann in allen anderen Branchen nach Unternehmen gesucht werden, die etwa durch einen besonders fairen Umgang mit Mitarbeitern überzeugen. Als gutes Indiz hierfür können beispielsweise Mitarbeiterbefragungen dienen. Wichtig ist dabei aber immer, die gesamte Produktionskette des Unternehmens zu betrachten. Lassen die Konzerne Teile der Produktion etwa in Südostasien durchführen, so deutet dies generell auf schlechte Arbeitsbedingungen hin – auch wenn dies explizit nicht so sein muss.

Fazit: Nachhaltigkeit und Rendite sind miteinander vereinbar

Beim Thema nachhaltiges Investment denken viele Anleger, dass sie ihr reines Gewissen mit geringerer Rendite bezahlen müssen. Wie etliche empirische Studien zeigen, muss das jedoch nicht der Fall sein. Viele Nachhaltigkeitsfonds schaffen es, mit der konventionellen Konkurrent mitzuhalten oder sogar höhere Gewinne zu erwirtschaften. Doch noch immer sind vor allem viele Fondsmanager skeptisch, ob dies wirklich auf Dauer funktionieren kann. Fakt ist, dass sich der Anleger vor einem Investment genau mit dem jeweiligen Wertpapier befassen sollte – wie es bei allen Investitionen der Fall ist. Auf Basis fundamentaler und technischer Daten kann dann eine Entscheidung für oder gegen die grüne Geldanlage erfolgen.

Sind nachhaltige Investments auch renditestark? was last modified: Mai 8th, 2019 by ChrisHabeck01