So bestimmen Anleger ihr Risikoprofil

Das persönliche Risikoprofil ist die Basis für sämtliche Anlageentscheidungen. Die Bedeutung ist so groß, dass der Gesetzgeber Finanzberater dazu verpflichtet hat, für ihre Kunden ein Risikoprofil zu erstellen. Auch Anleger die ihre Entscheidungen selbst treffen können von einem solchen Risikoprofil profitieren. Es hilft dabei Handelsstrategien zu entwickeln und die persönlichen Anlageziele zu definieren. Zu den zentralen Bestandteilen eines solchen Profils gehören Anlagehorizont, akzeptiertes Risiko und die erwünschte Rendite.

Risikoprofil - Header

Risikoprofil erstellen und regelmäßig aktualisieren

Ein Risikoprofil zu erstellen ist keine allzu komplizierte Sache. Als Grundlage hierfür dient ein Fragenkatalog mit die persönlichen Anlageziele ermittelt werden. Anhand der gewonnen Daten wird das Profil mittles spezieller Programme erstellt. Das Profil ist keineswegs in Stein gemeißelt und sollte regelmäßig überprüft und aktualisiert werden. Schließlich können sich die finanziellen Voraussetzungen und Wünsche jederzeit ändern.

Sofern bereits ein Depot vorhanden ist, kann dieses nun mit dem erstellen Profil abgeglichen werden. So lässt sich feststellen, ob die enthaltenen Produkte tatsächlich den eigenen Vorstellungen entsprechen. Sofern dies nicht der Fall ist, müssen entsprechende Umschichtungen durchgeführt werden.

Risikoklassen von Anlageprodukten

Die Risikoklassen der einzelnen Finanzprodukte stehen in engem Zusammenhang mit dem Risikoprofil. Je nachdem wie risikobereit ein Anleger ist kann das Portfolio individuell zusammengestellt werden. Wer das Risiko scheut setzt oftmals auf sichere Anlagen wie Tages- und Festgeld. Liegt der Fokus dagegen eher auf einer ordentlichen Rendite können Aktien oder Fonds ins Depot aufgenmommen werden.

In der Praxis gibt es die folgenden fünf Risikoklassen:

  • A = Kein Risiko: In diese Kategorie fallen Festgeld, Tagesgeld, Sparbriefe oder auch Sichteinlagen auf Girokonten. Die Anlagen sind sehr sicher, bringen jedoch keine oder nur eine geringe Rendite. Im Vordergrund stehen hier Sicherheit und Kapitalerhalt.
  • B = Nur Zinsrisiko: Bei Anlagen mit einem Zinsrisiko ist das angelegte Kapital sicher. Ein Risiko besteht nur darin, wie sich die Zinsen entwickeln. Ein Beispiel hierfür sind kapitalbildende Lebensversicherungen.
  • C= Zins- oder Kursrisiko: Hier ist die Risikobereitschaft schon etwas höher. Die Anlagen unterliegen entweder einem Zins- oder einem Kursrisiko. Im Gegenzug sind Renditen möglich, die über dem Kapitalmarktniveau liegen.
  • D = Zins- und Kursrisiko: Wer beispielsweise in Investmentfonds investiert kann keinen Totalverlust erleiden. Allerdings besteht hier ein Kursrisiko, die Anlage kann im Wert sinken. Zins- bzw. Dividendenzahlungen können im Vorfeld ebenfalls nicht garantiert werden. Fremdwährungsanleihen fallen ebenfalls in diese Kategorie.
  • E = Totalverlust möglich: Bei einer Investition in Aktien, Optionsscheine, Futures oder Genussscheine ist zumindest theoretisch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich.

Generell gilt, dass mit der möglichen Rendite imme auch das Risiko steigt. Anleger müssen sich natürlich nicht für eine Risikoklasse entscheiden. Ziel ist es vielmehr das verfügbare Kapital auf mehrere Klassen zu verteilen, sodass sich Risiko und Rendite bestmöglich ausgleichen.

Ein individuelles Risikoprofil erstellen

Anhand der Risikoklassen lassen sich nun unterschiedliche Portfolios erstellen. Basierend auf den bisherigen Erfahrungen der Finanzmärkte haben sich in der Praxis fünf unterschiedliche Portfolios bewährt.

  • Konservatives Profil: Anleger mit einem solchen Profil sind in erster Linie am Erhalt ihres Kapitals interessiert. An erster Stelle stehen Risikovermeidung und planbare Renditen. Zum Portfolio gehören in erster Linie Tages- und Festgelder. Bei Investitionen auf den Finanzmärkten stehen Staats- oder Unternehmensanleihen im Vordergrund. Für die Altersvorsorge ist der Abschluss einer kapitalbildenden Lebensversicherung möglich.
  • Defensives Profil: Das defensive Profil unterscheidet sich nur geringfügig vom Konservativen. Ein Großteil der Anlagen wird auf die Risikoklassen A bis C verteilt. Dazu kann ein kleiner Teil auch in Investmentfonds oder Aktien fließen. Dabei handelt es sich zumeist um Papiere von großen und etablierten Unternehmen, die relativ nicht anfällig für Schwankungen sind.
  • Neutrales Profil: Anleger in dieser Kategorie legen Wert auf einen langfristigen Vermögensaufbau. Hiefür wird ein moderates Risiko akzeptiert. Die Aktienquote ist um einiges höher als bei der defensiven Variante, allerdings immer mit einer entsprechenden Absicherung. Sichere Rentenfonds oder Festgeldanlagen gehören ebenso ins Depot. Der Anlagehorizont ist relativ lang, sodass sich kurzfristige Kursrückgänge ausgleichen lassen.
  • Dynamisches Profil: Dynamische Anleger wünschen sich ein kurz- bis mittelfristiges Wachstum. Dafür wird ein höheres Risiko in Kauf genommen. Das Depot setzt sich zum großen Teil aus Aktien und Fondsanteilen zusammen. In begrenztem Umfang gehören auch kurzfristig ausgerichtete Finanzprodukte wie Zertifikate oder Optionsscheine dazu. Um eine möglichst optimale Diversifikation zu erreichen wird das Kapital weltweit gestreut.
  • Aggressives Profil: Anleger mit einem solchen Profil sind ausschließlich an einer möglichst hohen Rendite interessiert. Es werden fast ausschließlich Produkte der Risikoklasse E ins Depot aufgenommen. Innerhalb der Risikoklassen wird ebenfalls nur auf die risikoreichsten Wertpapiere gesetzt. Investiert wird besonders in Aktien aus Schwellenländern oder anderen risikobehafteten Marktsegmenten. Der Zeithorizont ist unerheblich, da erzielte Gewinne zumeist sofort wieder investiert werden.

Diese Fragen werden beim Risikoprofil beantwortet

Sind die Risikoklassen und Profile bekannt geht es darum, sich selbst in eine der Kategorien einzuordnen. Bei der Entscheidung für das passende Portfolio geben die folgenden fünf Fragen eine wichtige Hilfestellung.

Wie sieht das persönliche Anlageziel aus?

Jeder Anleger verfolgt mit seinem Investment ein bestimmtes Ziel. Dies kann neben einer möglichst hohen Rendite beispielsweise der Kapitalerhalt sein. Denkbar wäre auch der Aufbau einer privaten Altersvorsorge. Grundsätzlich gilt dabei: je höher das Renditeziel, desto höher auch das Risiko der Geldanlage.

Wird das vorhandene Kapital in den nächsten Jahren für andere Zwecke benötigt?

Natürlich kann niemand sagen, welche unvorhergesehenen Ausgaben in Zukunft anstehen. Allerdings sollte jedem klar sein, dass sich es immer wieder zu kostspieligen Autoreparaturen oder Hausrenovierungen kommen kann. Wer sein Geld ausschließlich in langfristige Finanzprodukte investiert bekommt in solchen Fällen ein Liquiditätsproblem. Unter Umständen müssen Aktien zu einem ungünstigen Kurs verkauft werden. Um dies zu vermeiden sollte ein Teil des Kapitals liquide, beispielsweise auf einem Tagesgeldkonto angelegt werden. Die Liquiditätsquote liegt je nach persönlichen Präferenzen und der Verzinsung zwischen 5 und 15 Prozent.

Welcher zeitliche Anlagehorizont wird bevorzugt?

Einige Finanzprodukte lohnen sich erst bei einer langfristigen Anlage über mehrere Jahre oder Jahrzehnte. Ein Beispiel hierfür sind Immobilienfonds mit relativ hohen Einstiegsgebühren. Natürlich können auch kostengünstige ETFs über mehrere Jahre gehalten werden. So lassen sich zwischenzeitliche Kursstürze wieder ausgleichen. Ein stabiler Aufwärtstrend ergibt sich oft erst nach einigen Jahren. Anleger sollten also darüber nachdenken, wann das angelegte Kapital wieder zur Verfügung stehen soll. Bei der Altersvorsorge ist der Anlagehorizont sehr gut planbar. Ein finanzielles Polster für die Kinder lässt sich ebenfalls sehr gut ansparen. Etwas schwieriger gestaltet sich das Ganze, wenn Eigenkapital für die eigene Immobilie generiert werden soll.

Wie sehen die eigenen Kenntnisse der Finanzmärkte aus?

Anleger sollten nur in Märkte investieren bei denen sie sich auch auskennen. Das Wissen über die Finanzmärkte ist deshalb von großer Bedeutung beim Risikoprofil. Wer noch etwas von Optionen oder Zertifikaten gehört hat sollte besser die Finger davon lassen bzw. sich zunächst ausführlich informieren.

Das Fachwissen kann in drei Kategorien unterteilt werden:

  • Niedrig: Der Anleger kann zwar Risikobereitschaft und Anlagehorizont beurteilen, verfügt jedoch über keinerlei Fachwissen. Vor einer Anlageentscheidung ist deshalb eine Beratung erforderlich. Alternativ können sich Anleger natürlich auch selbst entsprechendes Wissen aneignen.
  • Mittel: Hierzu gehören Anleger, die bereits erste Erfahrungen sammeln konnten. Denkbar wäre auch eine Ausbildung im wirtschaftlichen Bereich. Geeignet sind beispielsweise ETFs oder die neuen Robo Advisors.
  • Hoch: Wer über ein umfangreiches Finanzwissen verfügt kann seine Geldanlage komplett selbst organisieren. Sie können ganz einfach den günstigsten Broker wählen und anschließend traden.

Was passiert beim Verlust eines Drittels des Kapitals?

Diese Frage gehört zum Standard bei Finanzberatern. Das Risiko lässt sich anhand eines 33-prozentigen Wertverlusts sehr gut einschätzen. Bei einer Verwendung für die Altersvorsorge hätte ein solcher Verlust drastische Auswirkungen. Gleiches gilt auch, wenn das Geld für die Ausbildung der Kinder gedacht war. Sollte sich die Lebenssituation durch einen solchen Verlust nicht besonders ändern kann für die Anlage ein deutlich höheres Risiko gewählt werden.

Fazit: Rendite und Risiko hängen immer zusammen

Das persönliche Risikoprofil ist bei der Geldanlage von entscheidender Bedeutung. Anhand der Fünf Leitfragen lässt sich ein solches Profil relativ einfach erstellen. Dabei hängen Risiko und Rendite immer zusammen. Wer eine höhere Rendite wünscht, muss zwangsläufig mehr Risiken in Kauf nehmen.

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So bestimmen Anleger ihr Risikoprofil was last modified: Juli 31st, 2016 by Hanspeter Volk

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