To-dos erfolgreicher Trader – So gelingt der Start ins Teilzeit Trading

Zuletzt aktualisiert & geprüft: 24.06.2019

Trading ist ein Geschäft. Und als solches muss man es auch angehen. Das heißt aber nicht, dass Sie von Anfang an Vollzeit handeln müssen oder gar davon leben können. Ganz im Gegenteil: Es wird einige Zeit dauern, bis Sie die Lernkurve gemeistert haben. Bis dahin kann es eine vernünftige Idee sein, zunächst nebenberuflich, also mit Teilzeit Trading zu starten.

Teilzeit Trading - Header

Ein eigenes Trading Unternehmen aufbauen

Wenn Sie mit Teilzeit Trading an der Börse starten und ein kleines Konto handeln, hat das einige Vorteile. Diese möchten wir im Rahmen dieses Artikels näher betrachten. Eines aber gleich vorab: Als Trader ist man Unternehmer, egal, ob in Teilzeit oder Vollzeit. Dieses Credo sollten Sie sich so früh wie möglich aneignen, um auf Dauer erfolgreich werden zu können. Stellen Sie sich einen Unternehmer vor: Wie würde er vorgehen? Kaum ein Unternehmer würde mit seiner Geschäftsidee planlos und blauäugig in den Markt einsteigen und erwarten, dass er sofort Millionen verdient.

Die erste und wichtigste Aufgabe: einen Plan erstellen. Ohne Business-Plan (in unserem Fall Trading-Plan) funktioniert nichts.

  • Was sind die wichtigsten Grundlagen und Prozesse des Geschäfts?
  • Wie ist die statistische Wahrscheinlichkeit für Erfolg?
  • Welche Märkte werden angesprochen?
  • Wie viel Verlust muss man einplanen?
  • Wie hoch sind die Kosten?

Genau die gleichen Fragen muss sich auch ein Trader stellen. Er muss wissen, welche Strategie er handelt, welche Märkte er abdeckt, wie hoch seine Erfolgswahrscheinlichkeit ist, wie groß der maximale Drawdown ausfallen könnte und welche Kosten (Finanzierungs kosten, Gebühren, Büroausstattung et cetera) auf ihn zukommen. Aus diesem Plan leitet er dann ein realistisches Ziel für sein Trading-Einkommen ab. Das ist die grobe Denkweise, mit der Sie ins Trading einsteigen und weitere Erfahrungen sammeln können.

In der Realität sieht es aber oft ganz anders aus. Kaum ein Trading-Einsteiger geht sein Projekt mit echtem Weitblick an und plant von langer Hand. Meist dominieren die Gier und die Aussicht auf schnelle Gewinne und Reichtum. Oder man nimmt die Planung auf die leichte Schulter, da man von zu Hause aus arbeitet und es sich „angenehmer“ anfühlt, lieber drauflos zu traden. Das wird allerdings nicht funktionieren! Denn Trading ist ein Geschäft wie jedes andere. Und wie in jedem Geschäft erhöhen sich die Chancen auf Erfolg ganz wesentlich, wenn Planung und Umsetzung professionell erfolgen.

 

Stil Zeithorizont
Investieren Jahre bis Jahrzehnte
Positions Trading Wochen bis Monate
Swing Trading Tage bis Wochen
Daytrading Minuten bis Stunden

Fangen Sie langsam an

Als frischgebackener Börsenunternehmer können Sie natürlich noch nicht Ihren Job hinwerfen und ab sofort nur noch vom Trading leben. Deshalb ist es von Vorteil, zunächst mit dem Teilzeit Trading zu starten. Intraday Trading wird anfangs kaum umsetzbar sein, sowohl vom Risiko und notwendigen Know-how als auch vom Zeitaufwand her – wir möchten es Ihnen dennoch kurz vorstellen. Sinnvoll ist es hingegen, langsam (also mit längerem Zeithorizont) anzufangen, beispielsweise dem Swing oder Positions-Trading (siehe obere Tabelle).

  • Positions Trading: Schnittstelle zwischen Anleger und Trader. Der Positions-Trader beherrscht die Techniken beider Dimensionen. Er hat zusätzlich Tages- und Wochen-Charts im Blick und weiß um die Bedeutung eines guten Timings, wofür er auch einfache Instrumente der Technischen Analyse einsetzt. Sein Anlagehorizont beträgt typischerweise Wochen bis Monate. Meist greifen Positions-Trader auf eine Trendfolgestrategie zurück, um von länger anhaltenden Trends an den Märkten zu profitieren.
  • Swing Trading: Auf der nächst kürzeren Stufe gewinnen technische Faktoren an Gewicht. Swing Trader versuchen, die Auf- und Abwärtszyklen auf dem Tages-Chart auszunutzen. Sie sind darauf angewiesen, ein gutes Timing hinzulegen, um attraktive Rendite/Risiko-Verhältnisse zu erzielen. Swing Trader sind aufgrund Ihres Zeithorizonts häufig antizyklisch unterwegs (Mean Reversion Trading) und setzen frühzeitig auf eine neue mögliche Marktbewegung.
  • Daytrading: Sehr kurzfristig und deshalb weniger für das Teilzeit Trading geeignet. Wenn Sie den Sprung vom Hobby- zum Berufs-Trader geschafft haben, wäre Daytrading eine Option für Sie. Daytrader handeln oft mit hohen Hebeln und gehen entsprechend beträchtliche Risiken ein, die sie unbedingt unter Kontrolle haben müssen (Wahl der Positionsgröße und des Stopp-Loss). Dieser Trading-Stil kann hohe Renditen ermöglichen, wenn Sie genug Erfahrung haben und wissen, was Sie tun. Andernfalls kann dieser Zeithorizont schnell sehr verlustreich und frustrierend sein. In der Regel werden die Positionen noch am gleichen Tag wieder geschlossen. Das Halten von (Teil-)Positionen über Nacht ist eher die Ausnahme.

Als Teilzeit-Trader sollten Sie auch stets einen Blick auf das gesamte Marktumfeld werfen, um die richtigen Strategien zur richtigen Zeit anzuwenden. Sie haben nicht die Zeit und die Ruhe dazu, die vielen kleinen Kurssprünge im Laufe eines Tages zu handeln. Deshalb müssen Sie lernen, den übergeordneten Trend zu erkennen und nach Trendfolgestrategien zu agieren.

Wichtig ist auch die Wahl des gehandelten Produkts. Zu den gängigen Trader-Produkten zählen diejenigen mit Hebelwirkung: Contracts for Difference (CFDs), Hebelzertifikate wie Knockouts und Optionsscheine oder auch Hebel- sowie Short-ETFs und –ETCs.

Exchange Traded Funds (ETFs)

Ein ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, mit dem der Privatanleger auf Aktien, >Sektoren oder Regionen setzen kann. Zudem gibt es Exchange Traded Commodities (ETCs) auf Rohstoffe. Man kauft ein passiv gemanagtes Produkt, das einen Index 1:1 abbildet. ETFs erlauben Long- und Short-Positionen, einschließlich der Möglichkeit, Limit- und Stopp-Loss-Orders zu platzieren, und den Einsatz von Margin (Leveraged ETFs).

Hebelzertifikate

Bei Hebelzertifikaten dreht sich alles um die gehebelte, also überproportionale Partizipation an der Wertentwicklung eines Basiswertes wie beispielsweise Aktien, Indizes, Rohstoffe und Währungspaare. Um den Hebeleffekt mit geringem Kapitaleinsatz zu erzielen, bieten verschiedene Zertifikate-Anbieter (sogenannte Emittenten) eine breite Produktpalette an: Knock-out-Produkte verfallen beispielsweise bei Verletzung bestimmter Kursschwellen wertlos. Faktor-Zertifikate ermöglichen es, mit konstantem Hebel an der täglichen Wertentwicklung eines Basiswertes (prozentuale Wertveränderung innerhalb eines Handelstages gegenüber Schlusskurs des Vortages) teilzuhaben. Faktor-Zertifikate sind für Aktienindizes, Rohstoffe oder Rohstoffindizes erhältlich und weisen Hebel von zwei bis zehn auf.

Optionsscheine

Klassische Optionsscheine zählen zur Gruppe der Hebelprodukte ohne Knock-out-Schwelle. Bei einem Optionsschein erwirbt der Käufer das Recht, den Basiswert an einem zuvor festgelegten Termin zu einem ebenfalls vorher definierten Basispreis (Strike) zu erwerben (Call) beziehungsweise an den Emittenten zu verkaufen (Put). Mittelfristig eignen sich Optionsscheine, um auf größere mittelfristige Kursbewegungen zu setzen.

Contracts for Difference (CFDs)

CFDs stellen einen Vertrag zwischen zwei Parteien über den Barausgleich der Kursdifferenz eines bestimmten Basiswertes (zum Beispiel Aktie, Rohstoff oder Währungspaar) dar. Bei einem CFD handelt es sich um ein unverbrieftes Finanz instrument, das nicht über die Börse, sondern „over the counter“ (OTC) über den jeweiligen Broker gehandelt wird. Der Händler muss nur einen Bruchteil des gehandelten Positionswertes in Form einer Sicherheitsleistung (Margin) hinterlegen, wodurch sich eine Hebelwirkung ergibt.

Respektieren Sie das Risiko

Ohne Risiko gibt es keine Rendite. Das ist eines der Grundgesetze an der Börse, was vielen Einsteigern zwar bewusst ist, dennoch glauben sie, dass es eine „Lösung“ für dieses Problem gibt. Einen Heiligen Gral, der ihnen die besten Ein- und Ausstiege ausspuckt, die immer wieder schöne Gewinne produzieren. Schlagen Sie sich das gleich wieder aus dem Kopf. Eine Eier legende  Wollmilchsau gibt es nicht.

Die Realität besagt: Je mehr Rendite Sie erzielen wollen, desto höher muss auch Ihre Risikotoleranz sein. Auch beim Thema Risiko sollten Sie wieder wie ein Unternehmer denken. Erst wenn man das Risiko im Griff hat, wird sich Erfolg einstellen können. Würde ein Unternehmer nicht zuerst versuchen, sein Geschäft für den Fall abzusichern, dass mal etwas gehörig schiefläuft? Das sollten Sie fürs Trading übernehmen. Wer zockt, kann nicht dauerhaft an den Märkten handeln und Gewinne erzielen.

Auch wenn ein Verlust zu Beginn noch klein aussieht und nicht zu sehr schmerzt, kann daraus schnell eine Gefahr für Ihr Börsenleben werden. Werfen Sie daher einen Blick auf unten stehende Tabelle 2. Wählen Sie Ihre Positionen mit Bedacht aus und begrenzen Sie stets das Risiko vorausschauend.

 

Verlust Erforderlicher Gewinn
-10% 11%
-20% 25%
-30% 43%
-40% 67%
-50% 100%
-60% 150%
-70% 233 %
-80% 400 %
-90% 900 %
-100% unmöglich

Können Sie überhaupt gewinnen?

Eine Frage haben Sie sich vielleicht bereits gestellt: Wie lässt es sich mit Teilzeit Trading überhaupt mit den Profis mithalten? Dazu gibt es eine verblüffende Antwort: Sie haben als Privat-Trader auch Vorteile gegenüber beispielsweise Fondsmanagern, die Ihnen vielleicht gar nicht bewusst sind. Diese sind Ihre kleine Handelsgröße sowie Ihre Unabhängigkeit von Investoren und Restriktionen. Als Privat-Trader handeln Sie mit Ihrem eigenen Geld und unterliegen weder Regulierung noch Transparenzkriterien. Natürlich müssen Sie sich an die Regeln Ihres Business und Trading-Plans halten, aber es sind Ihre eigenen Regeln.

Und es kommt noch ein großer Vorteil dazu: Sie sind im Teilzeit Trading klein und wendig und können nahezu immer sofort ein- und aussteigen. Damit können Sie von den Mustern der großen Marktteilnehmer profitieren, die Orders über längere Zeiträume abwickeln und damit den Markt in die eine oder andere Richtung treiben. Handeln Sie nicht emotional Gerade am Anfang sollten Sie Ihre Fähigkeiten und die Stärke Ihres Nervenkostüms nicht überschätzen.

Versuchen Sie nicht gehetzt und auf Biegen und Brechen nach Feierabend oder in Pausenzu traden. Ihren Lebensunterhalt verdienen Sie mit Ihrem Hauptberuf – Sie überleben auch einen Tag ohne profitablen Trade. Eignen Sie sich deshalb lieber emotionale Stabilität an – ein wertvolles Gut im Trading. Unabhängig davon, wie es an einem Tag oder in einer Woche lief, müssen Trader selbstbewusst sein, die Ruhe bewahren und auf ihre Strategien vertrauen. Um das im Zeitablauf ohne Druck zu lernen, ist nebenberufliches Trading geradezu ideal.

Checklisten gegen Verluste

Eine gute Möglichkeit, stets die wichtigsten Dinge im Blick zu haben und gleichzeitig emotionale Fehler vorzubeugen, sind Checklisten. Ärzte oder Piloten, die unter Stress agieren, gehen ebenfalls die entscheidenden Punkte auf einer Liste durch. Warum sollte es an der Börse also nicht auch hilfreich sein, vor jedem Kauf oder Verkauf die To-do-Liste abzuhaken? So sollten Sie in der Hitze des Gefechts keine Fehler machen können, die unnötig sind und die Sie später bereuen. Diese Punkte überlegen Sie sich vorher rational und in Ruhe, testen sie in vielen Szenarien und befinden Sie schließlich für gut. Aufzeichnungen aus Ihrem Trading-Tagebuch dienen dabei als optimale Vorlage:

  • Welche Märkte handle mich mit welcher Strategie?
  • Wie sieht mein Setup aus?
  • Wie lauten die Einstiegsregeln?
  • Wann steige ich wie ein?
  • Wie gehe ich im Verlustfall vor?
  • Wie gehe ich im Gewinnfall vor?
  • Auf welchem Zeithorizont bewege ich mich?
  • Wie manage ich das Risiko?

Studien zeigen, dass Anleger und Trader aus ihren Fehlern lernen – und zwar durch Learning by Doing (siehe unteres Bild). Einer dieser Lerneffekte ist der, dass erfahrene Trader die Folgen ihrer anfänglichen Selbstüberschätzung erkannt haben und entweder nicht mehr so oft und/oder weniger riskant traden. Sie sehen also: Die Gefahr liegt nicht nur in den Märkten selbst, sondern auch bei Ihnen. Sowohl das Denken, besser als alle anderen zu sein, als auch das (damit verbundene) Eingehen zu hoher Risiken sind Dinge, die man als ernsthafter Börsenunternehmer vermeiden muss.

Teilzeit Trading - bild 1

Fazit zum Teilzeit Trading

Teilzeit Trading bietet den idealen Einstieg für Ihr eigenes Trading-Unternehmen. Sie können ohne großen Druck Erfahrungen sammeln und Fortschritte auf der Lernkurve erzielen, von der Handelsstrategie über das Risiko-Management bis hin zur emotionalen Stabilität. Dabei sollten Sie von Anfang an professionell vorgehen, um gleich die richtige Denkweise und strukturierte Prozesse zu entwickeln – ein entscheidendes Erfolgskriterium für Ihr Projekt Teilzeit Trading. So ist der Weg für Ihr Börsenleben bereits geebnet.

To-dos erfolgreicher Trader – So gelingt der Start ins Teilzeit Trading was last modified: Februar 11th, 2019 by JuliusDream011