Für wen lohnt sich die Rürup Rente?

Zuletzt aktualisiert & geprüft: 11.11.2018

Neben der Riester Rente gibt es mit der Rürup Rente noch eine zweite Form der staatlich geförderten Altersvorsorge. Allerdings entwickelt sich diese mehr um mehr zum Ladenhüter. Bisher wurden in Deutschland lediglich 1,9 Millionen Verträge unterschrieben. Dagegen sind von der Riester Rente mehr als 16 Millionen Verträge im Umlauf. Dies liegt unter anderem am begrenzten Personenkreis. Die Rürup Rente ist speziell auf Selbstständige und Freiberufler ausgerichtet. Zudem können auch Angestellte mit hohem Einkommen von einem Rürup Vertrag profitieren.

Wichtige Fakten zur Rürup Rente im Überblick:

  • Private Altersvorsorge für Selbstständige, Freiberufler und von der Sozialversicherungspflicht befreite Arbeitnehmer
  • Staatliche Förderung erfolgt ausschließlich über steuerliche Vorteile
  • Rürup Rente ist nicht veräußerbar, übertragbar, beleihbar oder vererbbar
  • Kein Kapitalwahlrecht, Auszahlung erfolgt als lebenslange Rente
  • Rentenzahlungen müssen versteuert werden

Rürup Rente - Header

Wer kann eine Rürup Rente abschließen?

Eine Basisrente kann grundsätzlich von allen Personen abgeschlossen werden. Allerdings kann nur ein bestimmter Personenkreis hiervon profitieren. Hierzu gehören beispielsweise Sparer, die ihre Riester Förderung bereits komplett ausgeschöpft haben und weitere Beiträge steuerlich gefördert in ihre Altersvorsorge investieren möchten. In erster Linie richtet sich die Rürup Rente jedoch an Personen, die bei der Riester Rente nicht förderberichtigt sind. Hierzu gehören:

  • Selbstständige und Freiberufler, die nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind und
  • von der Sozialversicherungspflicht befreite Arbeitnehmer.

Kritiker bemängeln zu wenig Flexibilität

Im Gegensatz zur Riester Rente wurde die 2005 eingeführte Rürup Rente bisher nicht reformiert. Namensgeber Bert Rürup geht zwar davon aus, dass sich eine flexiblere Basisrente besser verkaufen würde, Änderungen lehnt er dennoch ab.

Wie bei der gesetzlichen Rente ist ein Kapitalwahlrecht nicht vorgesehen. Eine Auszahlung ist nur als lebenslange Rente möglich. Zudem kann sie weder vererbt noch übertragen oder veräußert werden. Sparer können somit frühestens ab dem 60. Lebensjahr darüber verfügen. Wer die Rürup Rente nach dem 31.12.2011 abgeschlossen hat, erhält seine Rente frühestens nach Vollendung des 62. Lebensjahres.

Anleger, die ihre Hinterbliebenen an der Basisrente beteiligen möchten benötigen eine spezielle Hinterbliebenenabsicherung, was für zusätzliche Kosten sorgt. Zudem werden nur Ehepartner und Kinder, für die Anspruch auf Kindergeld besteht, als Hinterbliebene berücksichtigt.

Hohe Steuerersparungen nutzen

Sofern die genannten Beschränkungen nicht stören, hohe Steuerbelastungen vorhanden sind und noch Geld in eine private Altersvorsorge eingezahlt werden soll, ist die Rürup Rente durchaus einen Blick wert.

Während der Ansparphase belohnt der Staat Vertragsinhaber mit Steuervorteilen. In der Steuererklärung für 2015 können 80 Prozent der eingezahlten Beträge als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Abzugsfähig sind für Alleinstehende maximal 17.738 Euro und für Ehepaare 35.476 Euro. Dies entspricht 80 Prozent des vom Gesetzgeber festgelegten Höchstbetrag von 22.172 Euro bzw. 44.344 Euro für Ehepaare.

Der absetzbare Prozentsatz erhöht sich jährlich um 2 Prozent, sodass ab 2025 die vollen Höchstsätze geltend gemacht werden können. Zudem sind Höchstbeträge mittlerweile an Höchstbeitrag in der knappschaftlichen Rentenversicherung gekoppelt. Steigt dieser bzw. die Beitragsbemessungsgrenze an, wird der maximale Betrag zur Rürup Rente automatisch angepasst.

Ältere Besserverdiener profitieren besonders

Anhand eines Beispiels wird deutlich, dass die Rürup Rente für ältere Arbeitnehmer mit einem hohen Einkommen besonders profitabel ist.

Als Modellkunden dient ein Ärzteehepaar. Der Mann verdient 120.000 Euro pro Jahr, die Frau ist nicht berufstätig. Der 62-jährige Ehemann möchte ab 2015 über drei Jahre jeweils 30.000 Euro in einen Rürup Vertrag einzahlen.

Für das erste Jahr kann der Arzt 80 Prozent also 24.000 seiner Einzahlung steuerlich geltend machen. Dies entspricht einer Steuerersparnis von 10.328,50 Euro. Bei der Steuererklärung 2016 werden dann 82 und ein Jahr später 84 Prozent vom Finanzamt akzeptiert. Insgesamt erzielt das Ehepaar in den drei Jahren eine Steuerersparnis in Höhe von 31.641,53 Euro. Der Staat übernimmt also rund 30 Prozent der vom Sparer getätigten Einzahlungen.

Bei geringerem Einkommen sinken die Ersparnisse

Die Steuerersparnis in der Sparphase ist jedoch nur ein Faktor bei der Rürup Rente. In der Auszahlungsphase holt sich der Staat über die Besteuerung der Renten einen Teil der Förderung wieder zurück. Die Höhe des zu versteuernden Anteil hängt vom Jahr ab, in welchem die Rürup Rente erstmals ausgezahlt wurde. In diesem Punkt ist der Sparer weitgehend flexibel. Der Gesetzgeber hat lediglich festgelegt, dass die Rentenzahlung frühestens mit dem 60. bzw. 62. Lebensjahr beginnen kann. Wer 2015 erstmals eine Zahlung erhalten hat, muss 70 Prozent davon versteuern. Der zu versteuernde Anteil erhöht sich von Jahr zu Jahr. Wer sich 2040 oder später zur Ruhe setzt, muss die kompletten Auszahlungen versteuern.

Für den Arzt aus dem Beispiel wirkt sich die nachgelagerte Besteuerung nicht nachteilig aus. Wird das Geld in eine klassische Rentenversicherung investiert kann er mit einer garantierten Rente zwischen 280 und 290 Euro rechnen. Unter Berücksichtigung einer Überschussbeteiligung kann die Rentenzahlung auf rund 400 Euro ansteigen. Da erstmals 2018 eine Rente ausgezahlt wird, gilt ein zu versteuernder Anteil von 76 Prozent. Die Steuerermäßigungen der Einzahlungen beliefen sich auf 80, 82 und 84 Prozent, sodass sich die Rürup Rente in diesem Fall lohnt.

Was sich für einen älteren Besserverdiener als Vorteil erweist, zeigt sich im Falle eines 30-jährigen Selbstständigen der zwischen 2015 und 2043 jährlich 10.000 Euro einzahlt als Nachteil. Insbesondere dann, wenn das Einkommen nicht allzu hoch ausfällt. Aufgrund des späten Renteneintritts müssen die Auszahlungen komplett versteuert werden. Zwar ist die Steuerbelastung aufgrund des geringeren Einkommens im Alter niedriger, dennoch fällt die Berechnung deutlich ungünstiger aus als beim Beispiel mit dem Arzt.

Passt die Basisrente zu den eigenen Zielen?

Unabhängig von der Steuerersparnis sollten Sparer sich vorab fragen, ob die Rürup Rente zu den persönlichen Anlagezielen passt. Wer sich das gesamte Kapital bereits zu Beginn des Ruhestands auszahlen lassen möchte, sollte sich nach einem anderen Anlageprodukt umsehen. Gleiches gilt auch für Personen, die nicht wissen, ob sie bis zum Ende durchhalten.

Die Rürup Rente kann als klassische Rentenversicherung, fondsgebundene Variante sowie als Fondssparplan abgeschlossen werden. Zudem kann die Police noch mit verschiedenen Extras wie einer Hinterbliebenenabsicherung oder einer Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeitsversicherung kombiniert werden. Wichtig dabei ist, dass maximal 50 Prozent der Beiträge auf die Zusatzversicherung entfallen. So kann das Finanzamt an den Einzahlungen beteiligt werden. Seit 2014 werden auch reine Berufsunfähigkeits- und Erwerbsminderungsrenten gefördert.

Angebote genau vergleichen

Die Zeitschrift Finanztest hat in ihrer Ausgabe 12/2014 insgesamt 47 Angebote für eine Rürup Rente unter die Lupe genommen. Dabei wurden die Policen bezüglich Rentenzusage, Anlageerfolg, Flexibilität und Transparenz bewertet. Als Modellkunde diente ein 27-jähriger Sparer, der von 2014 an über 27 Jahre jährlich 6.000 Euro in den Vertrag einzahlt. Dabei ergaben sich insbesondere bezüglich der garantierten Rentenzahlung deutliche Unterschiede.

Im besten Fall wurde eine monatliche Rente von 758 Euro im schlechtesten von 588 Euro garantiert. Ein Unterschied von 170 Euro monatlich bzw. 2.040 Euro im Jahr. Durch Überschüsse kann die monatliche Rente nochmals ansteigen. Diese sollten vom Kunden jedoch nicht fest eingeplant werden.

Fazit zur Rürup Rente

Eine Rürup Rente lohnt sich ausschließlich für gut verdienende Selbstständige und Freiberufler, die sich die monatlichen Beiträge dauerhaft leisten können und eine lebenslange monatliche Rente wünschen. Für Selbstständige mit einem geringen Einkommen ist die Basisrente dagegen nicht empfehlenswert. Sie können kaum bzw. gar nicht von den Steuervorteilen profitieren. Für die Rürup Rente gilt als Faust­regel: Wer regel­mäßig viel verdient und viel Steuern zahlt, profitiert sofort von jähr­lichen Steuer­vorteilen in seinem Berufs­leben.

Experten-Tipp:

Erkundigen Sie sich, was mit dem Geld im Todesfall des Rentennehmers passiert. Hier gibt es verschiedene Szenarien, meist verbleibt dies aber bei der Versicherung.

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Für wen lohnt sich die Rürup Rente? was last modified: Dezember 16th, 2018 by JuliusDream011