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Duration meint wie auch die Laufzeit, vom Grundsatz her ähnliche Dinge. Ihre Maßeinheit ist letzten Endes sogar gleich, da sie in Jahren gemessen werden. Dennoch bezeichnen sie vollkommen verschiedene Sachverhalte. Während Laufzeiten noch recht einfach zu erklären sind, liegt die Sache bei der Duration schon wesentlich komplizierter. Anleihen verfügen über Laufzeiten, sie drücken also den Zeitraum aus, an dessen Ende das Kapital zurückgezahlt werden muss. So erhält man beispielsweise bei einer Anleihe mit zehnjähriger Laufzeit ab dem Emmissionsdatum zehn Jahre lang jedes Jahr Zinsen. Zum Ende der Laufzeit erhält der Investor sein Kapital zurück, weitere Zinszahlungen finden nicht mehr statt.

Das Wesen der Duration

Dagegen ist die Kapitalbindungsdauer bzw. Duration bei Anleihen ein eher abstrakter Begriff der in der Regel verwendet wird, um die Sensibilität bei Zinsänderungen zu messen. Ein wenig grob erläutert bedeutet die einfache Duration die durchschnittliche Bindungsdauer von Kapitalanlagen mit detailliert festgelegten Zahlungsströmen. Vereinfacht kann man sagen, dass eine Duration den Zeitraum ausdrückt, den Investoren im Durchschnitt abwarten müssen, bevor sie das Kapital ihrer Anlage zurück erhalten. Gelegentlich wird in diesem Zusammenhang auch von einer durchschnittlichen Kapitalbindungsdauer oder auch ökonomischen Laufzeit gesprochen. Insbesondere Anleihe- und Bond-Investoren achten ganz besonders auf entsprechende Zinsbewegungen, da jede noch so kleine Bewegung nach unten oder oben sofort einen gegenläufigen Effekt bei den Kursen der Anleihen verursacht. Die Ursache hierfür liegt darin, dass ein Zinsanstieg bestehender Anleihen, deren Zins aktuell unter dem Marktzinsniveau liegt für eine Wertminderung sorgt, während bei einem Zinsrückgang der Anleihe-Wert steigt.

Die Macaulay-Duration

Entwickelt wurde das Konzept der Duration vor mehr als 60 Jahren von Frederic Macaulay. Er wollte damit ein System erschaffen, um die Zinsrisiken bei Anleihen und anderen Anlagen zu untersuchen. Inzwischen wurden noch weitergehende Durationskonzepte entwickelt, die allesamt auf die Duration von Macaulay aufbauen. Daher konzentriert sich diese Seite auf die Macaulay-Duration und die Idee, die sich dahinter verbirgt.

Die Folgen der Duration

Wie schon angedeutet, ist eine Änderung des Zinsniveaus aus zweierlei Gründen für Anleihenbesitzer von Bedeutung. Einerseits ändert sich der Anleihekurs, der sogenannte Marktwerteffekt, andererseits verändert sich auch die Verzinsung und nimmt somit Einfluss auf die Gesamtverzinsung, inklusive der bereits erhaltenen Zinszahlungen. Hier spricht man vom Wiederanlageeffekt. Da das höhere Marktzinsniveau dafür sorgt, dass der Kurs der Anleihe fällt und es zu einem negativen Marktwerteffekt kommt, sorgen die höheren Marktzinsen für einen positiven Wiederanlageeffekt. Dadurch wird deutlich, dass Zinsänderungen gegenläufige Auswirkungen auf den Vermögensendwert und den Barwert eines Anlegers haben. Der Grundgedanke des Durations-Konzeptes besteht darin, dass während der Kapitalbindung und -anlage ein Zeitpunkt existiert, an dem sich diese beiden gegenläufigen Effekte die Waage halten.

Die Duration und ihre Bedeutung

Grundsätzlich handelt es sich bei der Duration um eine Risikoeinheit. Möchte man eine Anlagestrategie entwickeln, die ein geringes Zinsänderungsrisiko aufweist gilt es, eine einfache Regelung zu beachten. Die Duration sollte immer so gewählt werden, dass sie dem gewünschten Anlagehorizont entspricht. Dadurch wird verhindert, dass die Anlage einem marginalen Zinsänderungsrisiko ausgesetzt wird. Häufig ist in den Finanznachrichten bei Produkten von Durationen die Rede, die eigentlich keine Duration besitzen, wie beispielsweise Zinsoptionen. Besitzt dann eine Option beispielsweise eine Duration von 80 und eine Kuponanleihe eine Duration von 8, dann ist das Risiko bei der Option zehn mal höher als bei der Kuponanleihe. Insgesamt beruht die Duration auf einer Vielzahl unterschiedlicher Annahmen. Beispielsweise geht man von einer flachen Zinsstrukturkurve aus, da bei der Barwertberechnung zunächst nur von einem Zinssatz ausgegangen wird. Ohnehin bezieht sich das Zinsänderungsrisiko ausschließlich darauf, dass sich der ausschlaggebende Zins, der für sämtliche Perioden gilt, sofort ändert. Trotz dieser recht restriktiven Annahmen handelt es sich bei der Duration in der Praxis um eine Kennzahl mit besonderer Bedeutung. Insgesamt handelt es sich somit um einen mit den Barwertanteilen gewichteten Durchschnitt von Zahlungszeitpunkten. Man könnte auch von der durchschnittlichen Kapitalbindungsdauer sprechen, als dem durchschnittlichen Zeitraum der vergeht, bis das festgelegte Kapital wieder zurückgeflossen ist.

Was ist höher und was ist niedriger bei der Duration

Insgesamt ist die Duration von drei Faktoren abhängig:

*** der Laufzeit der Anleihe

*** der Höhe des Kupons

*** der Umlaufrendite, bzw dem Kurs der Anleihe

Insgesamt besagt die Formel der Duration, dass die Duration umso niedriger ist, je höher die Rendite bzw. der Nominalzins ist, wobei der Zusammenhang mit der Restlaufzeit nicht immer eindeutig ist. Tendenziell lässt sich ableiten, dass die Restlaufzeit Einfluss auf die Duration hat. Je länger Anleihen noch gebunden sind, je höher ist die Duration. Das ist jedoch nur eine prinzipielle Tendenz und nicht immer gültig. Kommt es in Einzelfällen dazu dass der Kuponzins höher als der Kalkulationszins ist, ist die Duration für bestimmte Restlaufzeiten unter Umständen höher als es der Restlaufzeit entsprechend zu erwarten wäre. Wird in einem solchen Fall, bei identischen Bedingungen, eine längere Restlaufzeit überprüft, sinkt die Duration und nähert sich asymptotisch der Duration der ewigen Rente an. Diese beträgt 1 + 1/Kalkulationszins.

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Das Bild der Duration

Um sich die Duration bildlich vorzustellen, denken Sie dabei an den Unterstützungspunkt einer Waage. Diese gilt dabei als der Zeitstrahl, auf dem die jeweiligen Barwerte als Gewichte angehängt sind. In dem Moment, in dem der Zeitstrahl exakt bei der Duration unterstützt wird, befindet sich die Waage im Gleichgewicht.

Als ebenfalls bildhaftes Beispiel kann hier eine Kuponanleihe mit einem Kuponzinssatz von 10% und einer dreijährigen Laufzeit dienen. Die sich dabei ergebende Zahlungsreihe lautet „10, 10, 110“. Bei einer Rendite von immer noch 10% ergibt das bei den Zahlungen Barwerte von 9,09, 8,2645, 82,65. Daraus ergibt sich wiederum eine Anleihenduration von 2,735 Jahren.

Weiterentwicklungen des Konzeptes der Duration

Mitte der 40er Jahre wurde die Macaulay-Duration von John Hicks zur modifizierten Duration weiter entwickelt. Sie ist relativ leicht aus der Duration zu errechnen, indem die klassische Duration durch die Bruttoumlaufrendite geteilt wird. Sie sorgt für eine sehr gute Abschätzung und Vorhersage, wie sich der Kurs einer Anleihe verändern wird, wenn sich die Rendite um ein Prozent ändert. In unserem Beispielkupon wurde die Duration bereits mit 2,735 bestimmt. Bei einer angenommenen Rendite von 10% ergibt sich eine modifizierte Duration von 2,735 : 1,1 = 2,49%. Anders ausgedrückt: Fällt oder steigt die Rendite um 1%, dann ändert sich der Kurs um 2,49%.

Verzichtet man auf die Annahme des einheitlichen Zinssatzes trifft man auf ein wesentlich komplexeres Durations-Konzept. Es basiert auf unterschiedlichen Kalkulationssätzen, den sogenannten Key-Rates. Versicherungen und Banken bemühen sich, ihre Aktionäre bei der Aktiv-Passiv-Steuerung unter mithilfe des Durations-Konzeptes gegen Zinsänderungsrisiken abzusichern. Dies geschieht durch das Asset-Liability-Management mit dem Ziel des Durations-Matching. Dabei soll sichergestellt werden, dass die Wertänderungen des Vermögens bei Zinsänderungen den Schwankungen der Verbindlichkeiten des Unternehmens entsprechen und so Auswirkungen auf den Wert des Eigenkapitals unterbunden werden.

Eine ebenfalls weiterentwickelte Form der Duration ist die effektive Duration. Sie wird benötigt, wenn es darum geht die Sensibilität für Zinsänderungen zu beurteilen, wenn kündbare Anleihen, die womöglich vor Fälligkeit auszuzahlen sind, betroffen sind. Hier kann die durchschnittliche effektive Duration ein wichtiges Maß für die effektive Duration von Anleihen in einem Fonds sein. In den Fällen, in denen es darum geht einzuschätzen, wie sich verschiedene Zinsbewegungen auf Fondsbeteiligungen auswirken, hat sie sich als sehr nützliches Instrument herausgestellt.

Die Empfindlichkeit der Wertpapiere

Anleihen mit längerer Laufzeit reagieren in der Regel wesentlich empfindlicher auf Zinsänderungen als jene mit kurzen Laufzeiten. Investoren sollten sich daher über ihre Anlageziele klar werden und, sobald sie fallende Zinsen erwarten, nach Rentenfonds oder Anleihen Ausschau halten, die eine längere Duration oder Laufzeit besitzen. Nur dann können sie ihre anteiligen Positionen bei sinkenden Zinsen erhöhen. Dagegen sollten sie bei zu erwartenden steigenden Zinsen Papiere mit kürzeren Durationen oder Laufzeiten präferieren. Bei Rentenfonds verhält es sich im allgemeinen ähnlich, wie bei den anderen Wertpapieren auch. In aller Regel weisen Anleihen aus Rentenonds mit längerer Duration auch höhere Renditen auf als die kurzfristigen Varianten.

Wie werden die Auswirkungen von Zinsänderungen gemessen?

Investoren nutzen die Duration, um abschätzen zu können, in welchem Umfang der Wert eines Rentenfonds oder einer Anleihe von einer Zinsänderung betroffen wäre. Gehen wir beispielsweise davon aus, dass bei einer Anleihe mit einer Duration von fünf Jahren und einer Wertsteigerung von 5% ein Rückgang der Zinssätze um jeweils ein Prozent bedeutet. Steigen die Zinsen dagegen, ist damit zu rechnen, dass der Wert der Anleihe um 5% sinkt. Auf diese Weise haben es Investoren leicht, Anleihen mit unterschiedlichen Zinsen und Laufzeiten zu vergleichen. Dies gilt umso mehr, wenn man den Trend und die Tendenz der Duration kennt. Dann weiß der Investor, dass eine Anleihe mit einer Duration von sechs Jahren wesentlich empfindlicher auf Zinsänderungen reagiert, als eine Anleihe mit dreijähriger Duration. Und das unabhängig von Zinszahlungen oder Laufzeiten.

So hilfreich die Duration bei der Bestimmung der Zinssensitivität von Anleihen oder Portfolios von Anleihen auch ist, sie ist keineswegs perfekt. Ganz besonders nützlich und hilfreich ist die Duration bei der Messung der Sensibilität von Zinsänderungen bezüglich Anleihen, die den US-Treasuries folgen. Für andere Anleihen, beispielsweise Unternehmensanleihen, kann die Duration eine wertvolle Hilfestellung bieten um die Empfindlichkeit zwischen den Arten zu ermitteln. Dabei müssen potenzielle Anleger natürlich berücksichtigen, dass die Anleihen nicht zwangsläufig auch synchron mit den US-Treasuries laufen. Verschiedene Anleihefonds können, bei gleicher durchschnittlicher effektiver Duration, durchaus unterschiedlich auf Zinsänderungen reagieren, wenn die zugrunde liegenden Anleihen ebenfalls unterschiedliche sind.

Duration ist nicht alles

Ganz besonders jetzt, zu einem Zeitpunkt mit historisch tiefen Zinssätzen ist für Anleger, die ihr Kapital in Anleihen investieren möchten ein besonders guter Zeitpunkt, um zu schauen, welche Auswirkungen die Duration auf die Sensibilität bei Zinsänderungen haben. Allerdings sollte man nicht nur auf diese Zahlen schauen, sie sind keineswegs ausreichend bei Anlageentscheidungen in Anleihen. Hier sollte immer auch die Bonität, der Anleihe-Typ, eventuelle Gebühren sowie das Fondsmanagement beachtet und berücksichtigt werden.

Duration was last modified: November 8th, 2015 by Deutsche Forex Broker