Rezession in Deutschland – Coronavirus und Krise in Überblick und Prognosen

Zuletzt aktualisiert & geprüft: 16.05.2020


Die Corona-Pandemie zieht die Wirtschaft weltweit in Mitleidenschaft. Lange, internationale Lieferketten werden unterbrochen, Einkommenserwartung und Konsumneigung brechen ein. Wie wird sich die Rezession in Deutschland auswirken, was tut die Bundesregierung, und was können einzelne Industrien tun? Nicht zuletzt stellt sich auch die Frage, ob bloße Geldspritzen, egal wie umfangreich, Rezession und Inflation ausbremsen können. Dass die Rezession Folgen haben wird, liegt auf der Hand. Über den Umfang der Auswirkungen auf die Konjunktur in Deutschland können selbst Wirtschaftsfachleute nur Mutmaßungen anstellen.

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Das Coronavirus und die Konjunktur in Deutschland

Nach zwei Monaten Pandemie ist das Konsumklima nach Angabe von Experten und Marktforschern so tief gefallen wie nie zuvor. Verwunderlich ist das nicht – auch die Bundesregierung geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr um mehr als 6 Prozent sinken wird, der Schlag durch das Virus wirkt sich also noch heftiger aus als die Finanzkrise, deren Spätfolgen noch immer die Europäische Union belasten.

Manche Fachleute gehen davon aus, dass die Erholungsphase rund zwei Jahre anhalten könnte – dass also das Niveau aus der Zeit vor Corona erst im Jahr 2022 allmählich wieder erreicht wird. Unternehmen sind branchenübergreifend in Panik und wollen sich mit den Sicherheitsmaßnahmen gegen die Verbreitung des Virus nicht länger abfinden. Sie machen Druck – auch auf der Ebene der Bundesländer. Das Ziel: Die Wirtschaft so schnell wie möglich wieder hochzufahren, um eine Rezession abzufedern.

Rezession in Deutschland

Was ist eine Rezession? Erklärung und Ablauf

Was muss man sich unter der zur Zeit viel beschworenen Rezession vorstellen? Wirtschaftswissenschaftlich bezeichnet der Begriff einen Rückgang des Wirtschaftswachstums, das einerseits durch sinkende Nachfrage bedingt ist, diese aber wiederum durch den fast zwangsläufigen Abbau von Arbeitskräften und das ausbleibende Einkommen bei zunehmender Arbeitslosigkeit fördert. Wer kein Geld hat, kann folgerichtig auch keines ausgeben – eine Abwärtsspirale, die zu durchbrechen schwierig scheint. Wenn das Phänomen länger als zwei aufeinanderfolgende Quartale anhält, sind die Folgen gravierend, dann ist die Rezession deutlich ausgeprägt und entwickelt eine eigene Dynamik.

Das Coronavirus – oder besser gesagt, die Maßnahmen, die seine ungebremste Ausbreitung einschränken sollen – hat diesen Mechanismus ausgelöst. Mit Kurzarbeit und Produktionseinschränkungen, der Schließung in Einzelhandel und Gastronomie wurde die Rezessionsspirale in Gang gesetzt. Die im internationalen Vergleich zuvor so leistungsfähige deutsche Volkswirtschaft scheint unverhältnismäßig stark betroffen.

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Kalt erwischt: Warum die Corona-Krise Deutschland so hart trifft

Vor Beginn der Pandemie konnte die deutsche Wirtschaft in den Jahren nach der Finanzkrise insgesamt ein kontinuierliches Wachstum vorweisen, auch wenn die Zahlen 2019 weniger hoch ausfielen als in den Jahren zuvor. Besonders profitiert haben dank der Konsumgewohnheiten der privaten Haushalte die Servicebereiche, im Bau- und Immobiliensektor schlugen staatliche Investitionen positiv zu Buche.

Auch in diesem Jahr ging das Bundeswirtschaftsministerium zunächst von einem Wirtschaftswachstum von mehr als einem Prozent aus – vor Corona allerdings. Die Pandemie wirft auch in Deutschland einen dicken Stock in die Speichen der Wirtschafts-Räder. Wie gravierend sich das auswirken wird, lässt sich noch immer nur abschätzen. Denn die unglaublich schnelle Verbreitung des Virus weltweit betrifft nicht nur einzelne Volkswirtschaften, sondern stört durch die Unterbrechung der globalen Logistik die zum Teil extrem langen Lieferketten der Industrien.

Schon jetzt müssen vor allem kleine und mittelgroße Betriebe schließen oder sind akut bedroht – trotz der Hilfspakete der Regierung Stark betroffen sind beispielsweise alle Unternehmen in der Unterhaltungsbranche, Event- und Messeveranstalter und ihre Zulieferer, dazu Gastronomie und Hotellerie.

Corona-Krise in Deutschland

Internationale Verflechtungen befeuern den Abschwung

Hinzu kommt, dass so gut wie alle Staaten weltweit ähnliche Probleme haben. Die Nachfrage nach deutschen Exportartikeln wird also ebenfalls drastisch einbrechen. Nicht alle diese Ausfälle können später nachgeholt werden. Natürlich werden Verbraucher irgendwann wieder Urlaubsreisen buchen. Doch die jetzt stornierten Vorhaben lassen sich mit Sicherheit in den kommenden Jahren nicht zusätzlich zu neuen Projekten unterbringen. Auch teure Anschaffungen, wie der Kauf eines neuen Fahrzeugs, werden in Deutschland, und nicht nur hier, wohl zunächst aufgeschoben werden.

Die Bundesregierung will mit ihren Hilfspaketen betroffene Firmen unterstützen und so dazu beitragen, dass Arbeitsplätze erhalten bleiben. Dank der langjährigen Fixierung auf die legendäre „Schwarze Null“ ist das auch möglich. Vermutlich wird man noch kräftig drauflegen müssen, um die schlimmsten Folgen der Konjunkturkrise mildern zu können.

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Was sich die Wirtschaft wünscht …

Vertreter der Industrie wollen vor allem eins – die Produktion wieder hochfahren. Es genügt jedoch nicht, die Beschäftigten in die Fertigungshallen zurückkehren zu lassen. Was die produzierende Industrie übersieht, ist die Tatsache, dass auch die Nachfrage nach ihren Erzeugnissen angeschlagen ist. Und die lässt sich nicht durch Hilfspakete allein wieder ankurbeln. In manchen Branchen herrscht regelrechte Weltuntergangsstimmung angesichts der Aussicht, der Lockdown könne noch den ganzen Sommer über anhalten.

Zwar sind inzwischen weite Teile des öffentlichen Lebens wieder hochgefahren worden, doch die Konjunktur reagiert verhalten. Denn Deutschland ist keine Insel. Wie die Diskussion über die Reise- und Urlaubsmöglichkeiten im kommenden Sommer zeigt, ist die erneute Öffnung der Grenzen innerhalb der EU noch längst nicht selbstverständlich. Auch wenn sich das Gastgewerbe und die Transportindustrie eine Lockerung der Maßnahmen wünschen und sie wohl erhalten werden, kann die Politik die Bürger nicht zwingen, ihre Konsumgewohnheiten wie vor Corona wieder aufzunehmen.

Wirtschaft in Deutschland

… und was Bürger denken: Der lange Weg zurück

Bei Umfragen in der ersten April-Hälfte kamen Marktforscher zu der Erkenntnis, dass den Befragten nunmehr das volle Ausmaß der Corona-bedingten Einschränkungen bewusst wurde – zugleich aber auch die bis dahin nicht realisierte Gefahr durch das Virus. Verständnis für den Lockdown liegt bei vielen Verbrauchern im Widerstreit mit den Verwerfungen im Alltag, die allein schon durch die Schließung der Schulen und Kitas ausgelöst wurden, ganz zu schweigen von Geschäftsschließungen.

Die Einsicht lässt die meisten Bundesbürger ahnen, dass eine gravierende Rezession vor der Tür steht und hat die Einkommenserwartung vieler Befragter mehr als halbiert, selbst bei denen, die noch nicht unmittelbar betroffen sind. Die Folge ist, dass die Konsumbereitschaft schlagartig sinkt und statt dessen gespart wird, trotz der anhaltenden Niedrigzinsen, die das angesparte Kapital unterschwellig der Inflation ausliefern. Fatal für die ohnehin angeschlagene Wirtschaft – wie lange es dauern wird, bis Deutschland zurückfindet zur Normalität, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Sicher ist jedoch: Es wird eine neue Normalität sein, die sich von alten Paradigmen in vielen Bereichen verabschieden muss.

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