Das Nachhaltigkeitssiegel von ECOreporter.de – Für nachhaltige Fonds, Banken und Finanzprodukte!

Zuletzt aktualisiert & geprüft: 24.07.2017


Obwohl sich nachhaltige Investments stetig wachsender Beliebtheit erfreuen, ist der Markt vor allem im Fondsbereich noch vergleichsweise intransparent. So verbietet die BaFin beispielsweise, dass Fonds sich selbst als „ethisch“ bezeichnen. Denn dieser Begriff sei nicht einheitlich definiert und würde somit für Verwirrung beim Verbraucher sorgen. Abhilfe möchte jetzt ECOreporter schaffen, eine gemeinnützige Organisation. Sie hat ein Nachhaltigkeitssiegel entwickelt, das an besonders nachhaltige Fonds, Banken und Finanzprodukte vergeben wird.

Warum ist ein Nachhaltigkeitssiegel so wichtig?

Fast jeder Mensch dürfte eine eigene Vorstellung davon haben, was nachhaltig für ihn bedeutet. Auch der generelle Konsens hierbei dürfte in den Grundzügen einheitlich sein:
„Nachhaltigkeit bedeutet, Rücksicht auf die Umwelt, andere Menschen und nachfolgende Generationen zu nehmen.“
So etwa könnte eine umgangssprachliche und allgemeine Definition aussehen. Aber: Wissenschaftlich betrachtet und auch an den Finanzmärkten gibt es große Interpretationsspielräume. Beispielsweise hatten einige, renommierte Nachhaltigkeitsindizes Unternehmen wie BP über Jahre gelistet – bis die Krise im Golf von Mexiko entstand. Vorher galt BP als nachhaltig, obwohl es Öl förderte. Schließlich hatte das Unternehmen jährlich für die Umwelt gespendet, Mitarbeiter fair bezahlt und war nicht mit Kinderarbeit in Verbindung zu bringen.
Ganz so drastisch wie im Falle BP muss eine solche Wertung nicht ausfallen. Auch an Autobauern scheiden sich die Geister. So produzieren sie zwar Produkte, die CO2 ausstoßen und Benzin verbrauchen, doch gleichzeitig werden in der Branche auch Elektroautos hergestellt. Zudem hat der Autobesitzer durch sein Fahrverhalten einen großen Einfluss auf den letztlichen Ausstoß, dem Autobauer sind hier die Hände gebunden. Er kann nur möglichst saubere Motoren und Getriebe produzieren.
Genau aus diesen Gründen gibt es bisher keine staatlichen Siegel für Nachhaltigkeitsfonds, obwohl viele Anleger in den Sektor investieren möchten. Sie können jedoch nicht ohne Weiteres besonders nachhaltige Fonds finden, müssen die Wertpapiere teilweise minutiös analysieren.

ECOreporter.de Webauftritt

Das ist der Webauftritt von ECOreporter.de

Die Kriterien des Nachhaltigkeitssiegels von ECOreporter

Abhilfe möchte das sogenannte ECOreporter-Siegel schaffen. Hinter dem Markennamen steht eine gemeinnützige Organisation, die Unternehmen, Fonds und anderen Finanzprodukte anhand verschiedenster Kriterien beurteilt. Dabei gibt es keine Abstufungen wie etwa „Gold“ oder „Silber“. Entweder ist ein Finanzinstrument nachhaltig oder eben nicht – das soll für Transparenz beim Anleger sorgen.
Als nachhaltig beurteilte Banken und institutionelle Anleger wie beispielsweise Versicherungen erhalten nicht nur das Siegel, sondern auch ein Testat. Dieses kann von den Unternehmen wiederum im Jahresbericht veröffentlicht werden und enthält die genauen Testergebnisse. So können Anleger detailliert beurteilen, warum ein Finanzprodukt nachhaltig ist.
Info: Es ist nicht möglich, dass einzelne Finanzinstrumente mit dem Siegel ausgezeichnet werden. Nur wenn das Finanzinstrument selbst nachhaltig ist, von einem nachhaltigen Anbieter stammt und auch dessen andere Produkte nachhaltig sind, wird das Siegel vergeben. Das sind äußerst strikte Anforderungen an die Emittenten bzw. Banken, in den Augen von ECOreporter allerdings notwendig. Ansonsten könnten sich die Emittenten ganz einfach durch einige, wenige „grüne Produkte“ reinwaschen.
Stellt sich die Frage: „Und welche Nachhaltigkeitskriterien legt ECOreporter fest?“ Die Organisation weist auf seiner Website transparent auf die Eigenschaften hin, die ein Unternehmen bzw. die Finanzprodukte erfüllen müssen. Dabei werden ausdrücklich nicht alle verschiedenen Nachhaltigkeitsansätze über einen Kamm geschert. Vielmehr ist das Profil der Nachhaltigkeit ausschlaggebend, das der jeweilige Emittent für sich definiert hat. In einem ausführlichen Prüfverfahren testet ECOreporter dann, ob diese Kriterien erfüllt werden können.

Kinderarbeit in der Textilindustrie

Gerade in der Textilindustrie ist Kinderarbeit ein großes Problem.


Dennoch ist hier keine Willkür möglich, es gibt gewisse Mindeststandards, die die Organisation festgelegt hat. Werden diese verletzt, wird das Siegel nicht vergeben:

  • Atomenergie: Maximal 5 Prozent der Umsätze bzw. des investieren Kapitals darf in Atomenergie fließen.
  • Waffen: Auch bei der Produktion und dem Handel mit Waffen gilt eine Toleranzgrenze von 5 Prozent.
  • Kinderarbeit: Hingegen nicht geduldet wird Kinderarbeit. Sobald ein Unternehmen oder auch ein Staat hiermit in Verbindung gebracht wird, kann kein Siegel vergeben werden.
  • Todesstrafe: Weil das Siegel auch an Staaten bzw. Staatsanleihen vergeben wird, ist die Todesstrafe ebenfalls ein Ausschlusskriterium.
  • Schwere Menschenrechtsverletzungen: Die Basis für die Beurteilung der Verletzungen bilden die UN-Regelungen zu den Menschenrechten. Für die Beurteilung selbst greift ECOreporter etwa auf Berichte von Amnesty International zurück.

Darüber hinaus müssen die Marktteilnehmer, die mit dem Siegel ausgezeichnet werden, weitere Ausschlusskriterien definiert haben. Dabei kann die Ausgestaltung durchaus unterschiedlich sein, die Organisation selbst gibt jedoch einen groben Rahmen vor, in dem die Unternehmen bzw. Banken dann wiederum Kriterien festlegen müssen:
Investitionen in Aktien oder Anleihen von Unternehmen:

  • Suchtmittel
  • Glücksspiele
  • Tierversuche
  • Gentechnik

Investitionen in staatliche Wertpapiere:

  • Totalitäre Regime

Investitionen in anderen Finanzinstrumente wie etwa Derivate:

Zusammenfassung: Das Nachhaltigkeitssiegel von ECOreporter ist auch deshalb besonders, weil es äußerst strikte Kriterien für die Vergabe vorsieht. So müssen die Banken bzw. Fonds einige allgemeine Anforderungen erfüllen, die von der Organisation vorgegeben sind. Hinzukommen weitere Kriterien, die das jeweilige Unternehmen selbst stellen kann, wobei es sich dabei ebenfalls an einen Rahmen halten muss.

Das Prüfverfahren des Nachhaltigkeitssiegels im Detail

Bisherige Siegel weisen den Nachteil auf, dass sie lediglich überprüfen, ob Anbieter überhaupt Nachhaltigkeitskriterien für ihre Fonds bzw. Investmentprodukte definiert haben. Doch das Vorhandensein solcher Aspekte reicht noch nicht aus, um wirklich von nachhaltigen Investments zu sprechen. Daher geht das ECOreporter-Siegel einen Schritt weiter und hat ein dreistufiges Prüfverfahren entwickelt:

  1. Hat der Anbieter überhaupt die von ECOreporter angegeben Nachhaltigkeitskriterien definiert? Ist dies der Fall, werden alle weiteren Kriterien erfasst, die der Anbieter für sich aufgestellt hat. Dabei weicht ECOreporter bewusst nicht von den Formulierungen der Unternehmen ab, um diese nachher an ihren tatsächlichen Worten messen zu können.
  2. Anhand von Unterlagen und Interviews, die unter anderem vor Ort beim Anbieter gehalten werden, wird untersucht, inwiefern die Kriterien in das operative Geschäft eingebaut werden. Sollte es zu Unstimmigkeiten kommen oder das Unternehmen intransparent agieren, wird direkt von der Vergabe abgesehen.
  3. Sollte es sich um die Bewertung eines „Nachhaltigen Finanzprodukts“ handeln, so finden im dritten Schritt der ECOanlagencheck statt. Neben den bereits genannten Faktoren werden dabei auch mögliche Risiken und Liquidität der Investmentobjekte geprüft. Denn Anleger möchten nicht nur grün investieren, sondern dabei auch noch Rendite erwirtschaften.

Durch dieses Prüfverfahren ist es möglich, tatsächlich diejenigen Unternehmen zu finden, die absolut nachhaltig agieren. Sie erhalten dann das ECOreporter-Siegel und dürfen damit werben.

Wer das Nachhaltigkeitssiegel erhalten will, muss ein Prüfverfahren bestehen

Wer das Nachhaltigkeitssiegel erhalten will, muss ein Prüfverfahren bestehen

Diese Unternehmen, Banken und Finanzinstrumente wurden bereits ausgezeichnet

Es gibt bereits zahlreiche Unternehmen und Banken, die mit dem vorgestellten Siegel ausgezeichnet worden sind. Auf der Website von ECOreporter findet sich eine Auflistung, die hier zitiert werden soll:
In der Kategorie ECOreporter-Siegel Nachhaltige Bank

  • Bank für Kirche und Caritas eG, Paderborn
  • GLS Bank, Bochum
  • Steyler Bank GmbH, St. Augustin

In der Kategorie ECOreporter-Siegel Nachhaltiges Finanzprodukt

  • Die StufenzinsAnleihe V von der Energiekontor AG, Bremen
  • Die StufenzinsAnleihe VI von der Energiekontor AG, Bremen
  • Der geschlossene Fonds Windpark Maßbach von der Green City Energy AG, München
  • Die Anleihe Kraftwerkspark II von der Green City Energy AG, München
  • Das projektbezogene Genussrecht Saubere Kraftwerke 4 der Planet energy GmbH, Hamburg
  • Die StufenzinsAnleihe VII von der Energiekontor AG, Bremen
  • Die Anleihe ENERTRAG ErtragsZins I der ENERTRAG EnergieZins GmbH, Dauerthal in Brandenburg
  • Der Aktienfonds Fair und Nachhaltig der Steyler Bank GmbH, St. Augustin
  • Der Rentenfonds Fair und Nachhaltig der Steyler Bank GmbH, St. Augustin
  • Der Aktienfonds der GLS Bank, Bochum
  • Die Bürgerwindaktie der ABO Invest AG, Wiesbaden
  • Die Jubiläums-Anleihe der Green City Energy AG, München
  • Die StufenzinsAnleihe VIII der Energiekontor AG, Bremen
  • Das Genussrecht Saubere Kraftwerke 5 der Planet energy GmbH, Hamburg
  • Die Anleihe Enertrag EnergieZins 2025 der Enertrag EnergieZins GmbH, Dauerthal in Brandenburg
  • Die Stufenzinsanleihe IX der Energiekontor Finanzanlagen IV GmbH & Co. KG
  • Die Inhaberschuldverschreibungen Kraftwerkspark III der Green City Energy AG, München
  • Die Vermögensanlage Zukunftsenergie Deutschland 4 der Neitzel & Cie. Gesellschaft für Beteiligungen mbH & Co.KG, Hamburg

In der Kategorie ECOreporter-Siegel Nachhaltiger Institutioneller Anleger

  • Die Versicherer im Raum der Kirchen, Detmold

Somit sind es vor allem karitative bzw. kirchliche Finanzprodukte, die als nachhaltig ausgezeichnet werden. Aber auch bei herkömmlichen Banken wie etwa der GLS Bank haben Anleger durchaus die Möglichkeit, grüne Investments durchzuführen und mit reinem Gewissen Rendite zu erwirtschaften.

Fazit: ECOreporter-Siegel mit hohen Anforderungen an Banken und Finanzprodukte

Auf dem Markt für nachhaltige Fonds herrscht derzeit eine gewisse Intransparenz. Denn es gibt keine staatlich zugelassenen Siegel, die solche Investmentprodukte für Anleger auf einen Blick kenntlich machen würden. Abhilfe soll das sogenannte Nachhaltigkeitssiegel von ECOreporter schaffen. Es stellt hohe Anforderungen an Unternehmen bzw. Banken, die hiermit ausgezeichnet werden sollen. So müssen sich diese sowohl an allgemeine, von der Organisation vorgegebene als auch individuelle Kriterien halten. Nur wenn ein Finanzprodukt das dreistufige Prüfverfahren übersteht, erhält es das Siegel letztlich.