Welche Konsequenzen hat der EZB-Niedrigzins für Privatanleger?

Zuletzt aktualisiert & geprüft: 07.06.2019

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins stufenweise auf den historischen Tiefstwert von 0,0 Prozent gesenkt. Um das Wirtschaftswachstum zu stärken, pumpt die EZB zudem Milliarden in den europäischen Geldmarkt. Bis Ende März 2017 liegt das Volumen bei 60 Milliarden Euro monatlich. Die Auswirkungen bekommen besonders Anleger negativ zu spüren. Mit traditionellen Geldanlagen wie Tages- oder Festgeld lässt sich kaum noch eine Rendite erzielen. Ein Ende des EZB-Niedrigzins ist nicht in Sicht. Auf welche Geldanlangen können Privatanleger noch setzen und wie sehen die Alternativen aus.

Die wichtigsten Auswirkungen für Anleger im Überblick:

  • Renditen für Anleihen und Sparprodukte gehen weiter zurück und bleiben dauerhaft auf einem niedrigen Niveau.
  • Die Finanzierung von Immobilien bleibt günstig, allerdings sorgen die vielen Investitionen für steigende Preise.
  • Vom aktuellen EZB-Niedrigzins können lediglich Aktien-Anleger profitieren.

EZB-Niedrigzins - Header

Begriff und Bedeutung des Leitzins

Der Leizins hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Geld- und Kreditmärkte. Banken können sich zum Leitzins Geld bei der betreffenden Zentralbank leihen. Für die Eurozone ist die Europäische Zentralbank (EZB) zuständig, im Dollarraum wird der Leitzins von der US-Notenbank festgelegt. Durch eine Änderung des Leitzins geben die Zentralbanken ein wichtiges Signal an die Finanzmärkte. Besonders erwähnenswert sind beispielsweise die vom ehemaligen US-Notenbankchef Alan Greenspan vorgenommen Einschnitte während der amerikanischen Wirtschaftskrise. Der aktuelle EZB-Niedrigzins hat ebenfalls historische Ausmaße.

Der Leitzins setzt sich aus drei Zinssätzen zusammen:

  • Hauptrefinanzierungszinssatz (0,0 Prozent): Zu diesem Zinssatz können sich Banken gegen entsprechende Sicherheiten Geld bei der EZB leihen. Dieser Zinssatz ist der Wichtigste und wird häufig mit dem Leitzins gleichgesetzt. Die Kreditvergabe durch die EZB erfolgt einmal pro Woche.
  • Spitzenrefinanzierungssatz (0,25%): Über diesen Zinssatz können Banken sich besonders schnell Geld bei der EZB leihen. Bei entsprechenden Sicherheiten ist dies sogar über Nacht möglich. Im Gegenzug wird ein höherer Zinssatz berechnet.
  • Einlagenzinssatz (-0,30%): Banken die ihr Geld nicht abrufen, sondern bei der EZB parken, wird ein Negativzins berechnet. Ziel ist es, dass Geld so schnell wie möglich in den Wirtschaftskreislauf fließen zu lassen.

Durch den EZB-Niedrigzins soll dem Wirtschaftskreislauf neues Geld zugeführt werden. Banken können sich billig Geld leihen und dieses in Form von günstigen Krediten an Unternehmen und Privatkunden weitergeben. Einer Wirtschaft, die sich in einer Rezession befindet können auf diese Weise neue Impulse gegeben werden. Allerdings ist damit immer auch die Gefahr einer Inflation verbunden.

EZB-Niedrigzins - Leitzins

Was bedeutet der EZB-Niedrigzins für Verbraucher?

Sparprodukte

Für ihre Ersparnisse erhalten Verbraucher kaum noch Zinsen. Bei den meisten Banken und Sparkassen gibt es aktuell gerade noch 0,01 bis 0,05 Prozent. Da bleibt kaum noch Luft nach unten. Einige Anbieter werben mit höheren Zinssätzen für Tagesgeld von bis zu 1,25 Prozent. Diese werden jedoch zumeist nur für Neukunden vergeben und sind auf einen Zeitraum von sechs Monaten begrenzt. Es ist durchaus möglich, dass die Zinsen bei bleibendem EZB-Niedrigzins noch weiter nach unten gehen. Sparer müssen sich in jedem Falle darauf einstellen, dass für sichere Anlagen auf Dauer keine lohnenswerten Zinsen mehr gezahlt werden.

Aktien

Auf die Aktienkurse wirkt sich der EZB-Niedrigzins positiv aus. Auf der einen Seite gibt es viel Geld, auf der anderen kaum rentable Geldanlagen. Somit fließt schon seit Jahren eine Menge Kapital in die Börsen, was die Aktienkurse nach oben treibt. Zwar können die Kurse aufgrund anderer Einflüsse wie Brexit oder der Sorge um die chinesische Wirtschaft schwanken, auf lange Sicht entwickeln sich die Kurse jedoch zumeist positiv. Experten raten deshalb nach wie vor zur Investition in Aktien. Besonders für die langfristige Altersvorsorge mach sich dies positiv bemerkbar.

Solange der EZB-Niedrigzins besteht, ist mit sicheren Staatsanleihen kaum eine Rendite zu erzielen. Deshalb weichen immer mehr große Investoren auf andere Anlageklassen wie Aktien aus. Dadurch werden die Aktienmärkte zusätzlich gepusht. Ein dauerhafter Einbruch ist während einer Nullzinsphase nicht zu erwarten.

Für Privatanleger, die möglichst breit gestreut in Aktien investieren möchten, bietet sich ein Indexfonds (ETF) an. Diese bilden einen kompletten Index wie DAX, Euro-Stoxx oder den MSCI World ab. Zu den weiteren Vorteilen gehört, dass ETFs kaum Kosten verursachen und über einen Sparplan schon für eine geringe monatliche Mindesteinlage erhältlich sind.

Anleihen

Für sichere Staatsanleihen gibt es derzeit keine Rendite. Bei Bundesanleihen liegt der Zins sogar im Minus. Da die EZB im großen Stil Staatsanleihen aufkauft herrscht eine große Nachfrage, was die Rendite nach unten drückt. Dies betrifft sogar Staatsanleihen von Schuldenstaaten wie Spanien oder Italien. Wie die Europäische Zentralbank kürzlich angekündigt hat, will sie nun sogar Anleihen von großen Unternehmen wie BASF oder Siemens kaufen. Damit sollen die Unternehmen zu Investitionen motiviert werden, um die Wirtschaft weiter anzukurbeln.

Für Anleger hat dies jedoch zur Folge, dass auch die Renditen für Unternehmensanleihen sinken werden. Die Zinsen für eine achtjährige BASF Anleihe gingen nach der Ankündigung bereits um 0,05 Prozent zurück. Experten kritisieren zudem, dass die EZB große Konzerne bevorzugt.

Lebensversicherungen

Kapitalbildende Lebensversicherungen werfen bereits seit Jahren nur noch eine geringe Rendite ab. Dies liegt unter anderem daran, dass die Versicherer das Geld vor allem in sicheren Staatsanleihen anlegen. Lag der Garantiezins vor einigen Jahren noch bei 4,0 Prozent ist dieser schrittweise auf aktuell 1,25 Prozent gesenkt worden. Pensionskassen, Stiftungen und Sozialversicherungen haben ebenfalls unter den, EZB-Niedrigzins zu leiden. Im Prinzip ist hiervon die gesamte Altersvorsorge negativ betroffen.

Immobilien

Wer eine Wohnung oder ein Haus kaufen bzw. bauen möchte kann dank des EZB-Niedrigzins weiterhin von günstigen Finanzierungsmöglichkeiten profiteren. Die Zinsen für ein zehnjähriges Immobilien-Darlehen liegen im Schnitt bei nur 1,3 Prozent. Allerdings gibt es zwischen den einzelnen Banken und Versicherungen teilweise deutliche Unterschiede.

Der EZB-Niedrigzins hat jedoch auch eine negative Auswirkung für Immobilien. Bedingt durch niedrige Renditen bei Bankeinlagen und Anleihen greifen viele Investoren auf Sachwerte wie Immobilien zurück. Dadurch gingen die Immobilienpreise zuletzt deutlich nach oben. Nach Angaben der Bundesbank verteuerten die Preise für Wohnungen und Häuser alleine 2015 im Durchschnitt um 6 Prozent.

In Ballungsräumen steigen die Preise überdurchschnittlich stark an. Einige Experten warnen deshalb bereits vor einer Überhitzung des Marktes. Wer aktuell eine Finanzierung abschließt, sollte sich die Zinsen für 10 bis 15 Jahre festschreiben lassen. Zudem ist es ratsam, die niedrigen Zinsen für eine höhere Tilgung zu nutzen. Empfohlen wird ein Tilgungssatz von drei bis fünf Prozent.

Fazit zum EZB-Niedrigzins

Wer mit seinem Kapital eine angemessene Rendite erzielen möchte, darf sich nicht mehr auf die als sicher eingestuften Geldanlagen verlassen. Es ist ratsam einen größeren Teil in Aktien zu investieren. Durch die Verteilung auf ETFs lässt sich das Risiko dabei begrenzen. Derzeit gibt es keine Anzeichen, dass die EZB ihre Politik in nächster Zeit ändern wird. Um kein Geld zu verlieren ist deshalb ein zügiges Handeln gefragt.

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Welche Konsequenzen hat der EZB-Niedrigzins für Privatanleger? was last modified: Februar 11th, 2019 by JuliusDream011