US Aktien – Warum Anleger nicht an amerikanischen Aktien vorbeikommen

US Aktien gehören in jedes gut sortierte Depot

Der amerikanische Aktienmarkt ist der wichtigste weltweit. Wer auf der Suche nach Papieren von großen und innovativen Unternehmen ist, findet hier die größte Auswahl. Bei einem Blick auf die Marktdaten der letzten fünf Jahre wird schnell klar, dass US Aktien in jedes gut sortierte Depot gehören. Gemessen am MSCI USA hat der amerikanische Markt in diesem Zeitraum um 14,3 Prozent zugelegt. Deutsche Anleger konnten aufgrund der Währungsgewinne des Dollars noch mehr profitieren, ein Jahresplus von 19,7 Prozent. Der deutsche Markt legte im selben Zeitraum um rund 11 Prozent zu und der Europäische kommt auf einen Kursgewinn von 10,4 Prozent.

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Starker Dollar als Gegenpart zur Eurokrise

Es gibt verschiedene Gründe für das gute Abschneiden der US-Werte. Zum einen hat sich die US-Wirtschaft nach der Finanzkrise 2007 schneller wieder erholt als die Konjunktur in den schwächelnden Eurostaaten. Im Jahr 2014 legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den USA um 2,4 Prozent zu. Innerhalb der Europäischen Union betrug der Anstieg lediglich 1,3 Prozent.

Zum anderen kann sich die Wall Street auf die Innovationsstärke der Amerikaner verlassen. Überproportional gut entwickelt hatten sich zuletzt US Aktien von Biotechnologie- und Internetfirmen. Im Vergleich zum US Gesamtmarkt legte der Technologieindex NASDAQ 100 mit 23,9 Prozent in den letzten fünf Jahren um 4 Prozent stärker zu.

Boom in der Biotechnologie-Branche

Alleine in der Biotechnologie-Branche gab es in den letzten fünf Jahren einen Zuwachs von 38,5 Prozent jährlich. Einige der Unternehmen wie Amgene, Biogene, Celgene oder Gilead Sciences sind im Technologie-Index NASDAQ 100 gelistet. Mit ihren Forschungserfolgen setzten die Unternehmen Milliarden um. Bestes Beispiel ist das als 1000-Dollar-Pille bekannt gewordene Medikament gegen Hepatitis C, welches von Gilead Sciences entwickelt wurde. Mittlerweile sieht sich die Branche jedoch verstärkter Kritik aus der Politik ausgesetzt. Bemängelt werden insbesondere die hohen Preise.

Ist der Boom bei Biotechnologie zu Ende? Geht es nach den Analysten der Fondsgesellschaft Franklin Templeton kann davon keine Rede sein. Die Tresore der Unternehmen seihen gut mit neuen Produkten gefüllt. Nach der im Herbst 2015 durchgeführten Kurskorrektur fallen die Bewertungen wieder attraktiver aus. Der Ausblick in die Zukunft ist in jedem Falle positiv.

Hype um Amazon, Facebook, Google & Co

Viele Anleger stellen sich die Frage ob sich ein Einstieg noch lohnt, nachdem sich die Aktien bereits so positiv entwickelt haben. Der Aktienwert von Apple hat sich beispielsweise durch den Erfolg des iPhone innerhalb von fünf Jahren fast vervierfacht. Noch höhere Zuwächse verzeichneten die Internetfirmen. Der Aktienkurs von Facebook hat sich ebenfalls fast vervierfacht, allerdings in einem deutlich kürzeren Zeitraum. Der Börsenstart des sozialen Netzwerkes erfolgte erst 2012. Inhaber von Aktien des Internethändlers Amazon durften sich in den letzten fünf Jahren sogar über einen Kursanstieg von 377 Prozent freuen.

Dies sind Wachstumsraten, welche an die Zeit vor der Dotcom Blase zur Jahrtausendwende erinnern. Im Gegensatz zu damals muss man sich heute keine Gedanken mehr über die Erfolgschancen der einzelnen Geschäftsmodelle machen. Die meisten Konzerne sind in ihrer Branche Marktführer und nehmen fast so etwas wie eine Monopolstellung ein.

Dennoch gibt es immer wieder Stimmen von Experten, die vor einer Preisblase des amerikanischen Aktienmarktes warnen. Hierzu gehört unter anderem Nobelpreisträger Robert Schiller. Als Gründe nennt er die hohen langfristigen Börsenbewertungen der Unternehmen. Entwarnung gibt dagegen Franz Wenzel, Chefanalyst des Axa Investment Managers. Man sei derzeit noch weit von einer Preisblase entfernt, selbst wenn die amerikanische Zentralbank eine Zinserhöhung durchführt. Tatsächlich hat die US-Notenbank bei ihrer letzten Sitzung im Dezember 2015 erstmals nach Jahren wieder eine Erhöhung des Leitzinses bekannt gegeben. Als Zeichen, dass die Krise überwunden ist, stieg der Leitzins um ein Viertel Prozentpunkt.

Die höheren Zinsen dürften den Dollar zunächst weiter stärken. Auf Konjunktur und Aktienmärkte könnte sie sich jedoch negativ auswirken. Die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen sind aktuell bereits deutlich höher als hierzulande. Für US-Papiere gibt es derzeit 2,2 Prozent, dagegen fallen die Renditen für Bundesobligationen mit 0,5 Prozent sehr gering aus.

Die wichtigsten US Indexes im Porträt

Dow Jones

Der seit 1896 berechnete Dow Jones-Industrial Average ist der berühmteste Index der Welt. Obwohl er breit gestreut ist, spiegelt er den Markt nur begrenzt wider. Dies liegt in erster Linie an der Preisgewichtung. Alle US Aktien sind mit der identischen Anzahl vertreten. So hat beispielsweise die Aktie der Bank Goldman Sachs das meiste Gewicht, weil sie mit 185 Dollar teurer ist als die anderen. Das Börsenschwergewicht Apple kommt in diesem Rankíng lediglich auf den 7. Platz, da dessen Aktie aktuell bei etwa 115 Dollar steht.

US Aktien - DAX

NASDAQ 100

Obwohl der NASDAQ 100 als Technologieindex bezeichnet wird, sind darin nicht ausschließlich Technologiewerte enthalten. So werden beispielsweise auch die Papiere von American Airlines oder dem Lebensmittelproduzent Heinz Kraft im NASDAQ notiert. Nicht gelistet sind dagegen Finanzpapiere sowie Öl- oder andere Rohstoffkonzerne. Die beste Performance wies in den letzten fünf Jahren die Aktie des Pharma-Unternehmens Regeneron auf. Das Papier legte jährlich um rund 93 Prozent zu. Bei einem Blick auf die letzten drei Jahre lag die Online Videothek von Netflix mit 123,9 Prozent pro Jahr vorne. Der Index wurde 1985 erstmals berechnet.

US Aktien - Nasdaq

S&P 500

Den Index S&P 500 gibt es seit 1957. Mit 500 Unternehmen ist der Index ähnlich breit gestreut wie der MSCI USA. Die beiden Indexes unterscheiden sich nur unwesentlich. So gehört die Aktie von Berkshire Hathaway, dem Unternehmen des Börsengurus Warren Buffet im S&P 500 zu den Top-Werten. Im MSCI USA wird sie dagegen nur auf Rang 23 gehandelt. Die beiden Google Aktien (neu Alphabet) lägen zusammen auf dem zweiten Platz. Getrennt belegen sie die Ränge elf und zwölf.

US Aktien - S&P 500

Die US Aktien mit dem größten Potenzial

Wie die meisten Aktienmärkte ist auch die Wall Street schwach in das neue Jahr gestartet. Die Kurse für US Aktien haben kräftig nachgegeben, sodass sich der Index S&P 500 derzeit dem Vorjahrestief nähert. Die renommierte Investmentbank hat ihre Gewinneinschätzungen bereits nach unten korrigiert, was jedoch nicht bedeutet, dass der US-Aktienmarkt pessimistisch gesehen wird. Dem Index S&P 500 wird für 2016 immer noch ein Wachstumspotenzial von 11 Prozent vorhergesagt. Die folgenden Aktien gehören was erwartete Kurssteigerungen betrifft zu den Favoriten.

Apple

Der Aktienkurs von Apple ist in den letzten Wochen und Monaten kräftig ins Trudeln geraten. Seit dem Vorjahreshoch von 133 Dollar ist der Kurs relativ stark eingeknickt. Im letzten Quartal 2015 wurde der Gewinn zwar um 1,9 Prozent auf 18,36 Milliarden Euro gesteigert, der iPhone-Absatz blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück. Für das laufende Quartal wird zum ersten Mal seit 10 Jahren mit einem Umsatzrückgang gerechnet. Nach Ansicht der Experten ist die Aktie aktuell jedoch zu günstig, sodass sich auf längere Sicht höhere Wachstumsraten ergeben könnten als allgemein erwartet. Das Kursziel liegt bei 155 Dollar, was einem Wachstumspotenzial von 65,9 Prozent entspricht.

United Continental Holdings

Obwohl die Energiepreise derzeit besonders tief sind, konnten die US Aktien der US-Fluggesellschaften in letzter Zeit nicht mehr so richtig durchstarten. Dies gilt insbesondere für die Papiere von United Continental Holdings. Gemessen am Vorjahreshoch von 57,30 US-Dollar bewegt sich der Abschlag aktuell bei 16,7 Prozent. Dies ist erstaunlich, da es aufgrund von billigem Kerosin und einer dicken Steuergutschrift im letzten Jahr einen Gewinnsprung um 1,1 Milliarden auf 7,3 Milliarden US-Dollar gab. Alleine die geringere Kerosinrechnung sorgte für Einsparungen von rund zwei Milliarden Dollar. Einladend sieht allerdings die Bewertung aus, die sich auf Basis des von Analysten im Schnitt für 2016 erwarteten Gewinns je Aktie von 9,02 Dollar ergibt. Dies entspricht einem KGV von lediglich 5,3. Die Analysten von Goldman Sachs trauen der Aktie einen Kurs von 86 Dollar zu. Das würde einen Kursanstieg von rund 80 Prozent bedeuten.

Harley Davidson

Wenig erfreulich fällt derzeit der Blick auf das Chartbild bei Harley Davidson aus. Stand der Kurs im April 2014 noch bei 73,94 US-Dollar, hat sich dieser mittlerweile fast halbiert. Schaut man sich den Chartverlauf an kann der Eindruck entstehen, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist. Zu den größten Problemen der Branche gehört, dass viele Händler auf gebrauchten Motorrädern sitzen bleiben, was die Preise für in Zahlung gegebene Fahrzeuge ebenfalls nach unten drückt. Zudem sorgt der Konkurrent Polaris mit einem überzeugenden Produktangebot für intensive Konkurrenz. Entscheidend sein wird, welche Antworten das Unternehmen in den Bereichen Marketing und Produktentwicklung findet. Sollte dies gelingen gehört die Aktie von Harley Davidson zu den Papieren mit dem meisten Potenzial. Die Analysten von Goldman Sachs halten einen Kurs von 68 US-Dollar für möglich, was einem Gewinn von rund 81 Prozent entspricht.

Ford Motor Co

Nimmt man die Verkaufszahlen des letzten Jahres als Grundlage, brummt das Automobilgeschäft in den USA. Hiervon konnten besonders die US Aktien drei großen US-Hersteller profitieren. Hierzu gehört auch Ford Motor, obwohl deren Aktienkurs sich derzeit im Rückwärtsgang befindet. Innerhalb von drei Monaten ging es um mehr als 24 Prozent nach unten. Trotz der Ankündigung die Dividende um 0,25 Dollar pro Aktie zu erhöhen bleiben die Marktteilnehmer eher skeptisch. Viele Anleger stellen sich die Frage, ob der Höhepunkt bald erreicht oder vielleicht schon überschritten ist. Für Bedenken sorgt zudem die rückläufige Führerscheinquote bei Jugendlichen. Die Experten von Goldman Sachs halten die Aktie aktuell für deutlich zu niedrig bewertet und setzen ein Kursziel von 21 Dollar. Dies entspricht einem Kurssprung von rund 77 Prozent.

US Aktien – Warum Anleger nicht an amerikanischen Aktien vorbeikommen was last modified: März 2nd, 2016 by Hanspeter Volk