In Sachwerte investieren – Chancen und Risiken

Mit Sachwerten vor einer Inflation schĂŒtzen

Umfragen zufolge haben fĂŒrchten sich mehr als 50 Prozent der BundesbĂŒrger vor einer Inflation. Eurokrise, eine hohe Staatsverschuldung sowie die expansive Geldpolitik der EuropĂ€ischen Zentralbank schĂŒren die Angst noch zusĂ€tzlich. TatsĂ€chlich ist es so, dass sich mit klassischen Geldanlagen wie Tages- oder Festgeldern die Inflation kaum noch ausgleichen lĂ€sst. Um einen Kaufkraftverlust zu vermeiden, investieren deshalb immer mehr Anleger ihr Geld in Sachwerte. Doch Vorsicht: Wer in Sachwerte investieren möchte, sollte sich vorher genau informieren. Ein unĂŒberlegtes Investment in Sachwerte kann unter UmstĂ€nden mehr schaden als nutzen. An einer sorgfĂ€ltigen Planung und breiten Streuung des Risikos kommt auch bei Sachwerten niemand vorbei.

Sachwerte - Header

Inflationsangst in Deutschland wÀchst

Sorgen bereitet Anlegern derzeit vor allem die extrem expansive Geldpolitik der Zentralbanken. Zur BekĂ€mpfung der Finanzkrise werden die MĂ€rkte bereits seit mehreren Jahren mit Geld ĂŒberschwemmt. Wie die Historie zeigt, fĂŒhrt eine ĂŒberproportional ansteigende Geldmenge frĂŒher oder spĂ€ter zwangslĂ€ufig zu einer Inflation. In Deutschland ist diese Angst bedingt durch die Hyper-Inflation in den 1920er Jahren besonders stark ausgeprĂ€gt.

Sachwerte - Inflation

Vor diesem Hintergrund ist es nicht erstaunlich, dass eine große Zahl von Anlegern in Sachwerte investieren möchte. Verschiedene Studien zeigen, dass man sich mit Sachwerten tatsĂ€chlich gegen die Folgen einer Inflation schĂŒtzen kann. Vorausgesetzt es werden bei der Entscheidung fĂŒr eine Anlage keine Fehler gemacht. Die Auswahl ist insbesondere fĂŒr Privatanleger nicht einfach, da hier ein gewisses Fachwissen erforderlich ist. Zudem gibt es zwischen den verschiedenen Sachwerten deutliche Unterschiede, was die LiquiditĂ€t betrifft. WĂ€hrend sich einige Sachwerte relativ schnell wieder zu Geld machen lassen ist dies bei anderen aufgrund schwach entwickelter MĂ€rkte deutlich aufwendiger.

Immobilien – Die Nr. 1 bei den Sachwerten

Bei der Investition in Immobilien muss zunĂ€chst unterschieden werden ob diese selbst bewohnt oder vermietet werden soll. Wer ein Haus bzw. eine Wohnung zur Eigennutzung erwirbt kann im Falle einer Insolvenz gleich doppelt profitieren. Zum einen schĂŒtzen sich Immobilienbesitzer vor bei einer Inflation zumeist eintretenden Mieterhöhungen. Des Weiteren werden die fĂŒr eine Immobilie aufgenommenen Schulden durch die Inflation real reduziert. Dies gilt jedoch nur dann, wenn bei Aufnahme des Darlehens eine langfristige Zinsbindung vereinbart wurde. In den meisten FĂ€llen fĂŒhrt eine Inflation zu einem Anstieg der Zinsen. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass die Immobilie bei benötigten Krediten als Sicherheit eingesetzt werden kann.

Sachwerte - Immobilien

Anders verhĂ€lt es sich bei Immobilien, die ausschließlich als Kapitalanlage erworben werden. Ein Inflationsschutz besteht nur dann, wenn sich die steigenden Kosten in Form von höheren Mieten auf die Mieter umlegen lassen. Können die höheren Mieten nicht durchgesetzt werden, steigt der Wert einer Immobilie nicht so stark wie die Preise insgesamt. Wichtig ist, dass besonders bei Immobilien die als Kapitalanlage dienen auf Lage und Ausstattung geachtet wird. Deshalb die Immobilie vor einem Kauf genau unter die Lupe nehmen und sich nicht zu einem vorschnellen Investment ĂŒberreden lassen.

Ein Pluspunkt von Immobilien sind die im Vergleich zu anderen Anlagen höheren Steuervorteile. Die Kosten können von Beginn als Werbungskosten steuerlich geltend gemacht werden.

Das sind die Risiken bei einem Investment in Immobilien:

  • Nachteilig bei Immobilien ist, dass sich die Anlage erst auf lange Sicht rechnet. Wer eine vermietete Immobilie bereits vor Ablauf der ersten zehn Jahre wieder verkauft verliert unter UmstĂ€nden seine Steuervorteile. Zudem mĂŒssen die VerĂ€ußerungsgewinne versteuert werden.
  • Aufgrund des aktuellen Immobilien-Booms sind die Kaufpreise deutlich gestiegen. Dies gilt besonders fĂŒr GroßstĂ€dte und BallungsrĂ€ume wie Hamburg, MĂŒnchen oder Frankfurt. Ob die Nachfrage auch in Zukunft noch steigen wird, ist derzeit noch offen. Aufgrund der demografischen Entwicklung geht die Bevölkerung in Deutschland zurĂŒck, wodurch weniger Wohnraum benötigt wird. In lĂ€ndlichen Regionen sind die Preise fĂŒr HĂ€user bereits rĂŒcklĂ€ufig.
  • Es ist nicht auszuschließen, dass Immobilienbesitzer die der Inflation getrotzt haben kĂŒnftig vom Staat zur Kasse gebeten werden. Dies kann beispielsweise in Form von Sondersteuern, Zwangshypotheken oder einer weiteren Deckelung der Mieten geschehen.

Gold – Ein echter Klassiker bei Sachwerten

Die Tatsache, dass Gold nicht in unbegrenzter Menge zur VerfĂŒgung steht, macht das Edelmetall ebenfalls zu einem interessanten Investitionsobjekt. Statistiken der letzten Jahrzehnte machen deutlich, dass die Goldnachfrage in Phasen von steigender Inflation zunimmt. Dazu kommt, dass es aufgrund der verbesserten LebensverhĂ€ltnisse in SchwellenlĂ€ndern ebenfalls zu einer steigenden Nachfrage nach Gold kommt. Dieser Trend dĂŒrfte noch eine gewisse Zeit anhalten.

Sachwerte - Gold

Im Vergleich zu Immobilien bietet Gold den Vorteil, dass KĂ€ufer sich keine Gedanken ĂŒber Lage und Ausstattung machen mĂŒssen. Es gilt lediglich zu entscheiden, ob das Edelmetall in Form von Goldbarren, MĂŒnzen oder als Aktie gekauft wird. Denkbar wĂ€re beispielsweise ein Gold-Zertifikat. Bei allen Vorteilen ist auch die Investition in Gold mit gewissen Risiken verbunden.

Risiken beim Gold-Investment:

  • Da Gold an Börsen gehandelt wird unterliegt der Kurs mitunter starken Schwankungen. Ein Investment ist deshalb in erster Linie fĂŒr nervenstarke Anleger geeignet. Es gab in den letzten Jahren immer wieder Phasen in denen die Kurse stark nacht unten gingen oder ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum seitwĂ€rts tendierten. Die Vergangenheit zeigt, dass beim Gold-Investment der richtige Einstiegszeitpunkt eine wichtige Rolle spielt. Wer beispielsweise 1988 Gold kaufte und zehn Jahre spĂ€ter wieder verkaufte, hat einen Verlust von rund drei Prozent erlitten.
  • Im Gegensatz zum Handel mit Aktien oder Anleihen können Anleger bei Gold keine laufenden ErtrĂ€ge erzielen. Aufgrund der aktuell niedrigen Zinsen fĂ€llt dies zwar nicht so stark ins Gewicht, allerdings können sich die Voraussetzungen zukĂŒnftig auch wieder Ă€ndern.
  • FĂŒr Goldbarren und MĂŒnzen wird ein sicherer Aufbewahrungsort benötigt. Empfehlenswert sind BankschließfĂ€cher, die es jedoch nicht kostenlos gibt. Gold zu Hause aufzubewahren ist nicht empfehlenswert, zumal hier fĂŒr den Einbau eines Safes ebenfalls Kosten entstehen.

Um sich gegen Krisen abzusichern empfehlen Experten, einen Goldanteil zwischen fĂŒnf und zehn Prozent im Depot. Zugleich sollte Gold immer als langfristiges Investment betrachtet werden.

Rohstoffe – Eine weitere Variante von Sachwerten

Neben Gold können Anleger ihr Geld natĂŒrlich auch in andere Edelmetalle wie Silber oder Platin investieren. Denkbar wĂ€re auch ein Investment in Rohstoffe wie Zink, Kupfer und Öl. Anleger sollten sich dabei immer bewusst sein, dass dies eine Wette auf die Weltkonjunktur darstellt. Der Wert dieser Rohstoffe hĂ€ngt sehr stark von der Entwicklung der Weltwirtschaft ab. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Emerging Markets, allen voran China. Neben konjunkturellen Faktoren wirken sich auch politische Entwicklungen auf die Rohstoffpreise aus.

NatĂŒrlich kauft kein Anleger Rohöl oder Kupfer, um dies dann in seinem Keller zu lagern. Deshalb erfolgt das Investment in Form von Zertifikaten. Bei Industrierohstoffen muss dabei immer die Rollproblematik beachtet werden. Denn bei vielen Rohstoffen besteht eine „Contango-Situation“, also eine steigende Preis-Terminkurve. Wurde ein Zertifikat erworben so verliert dies beim Rollen von einem Terminkontrakt in den nĂ€chsten an Wert.

Agrarrohstoffe sind in besonderem Maße von der Konjunktur abhĂ€ngig. Aufgrund der steigenden Weltbevölkerung rĂ€umen Experten dieser Rohstoffklasse besonders gute Entwicklungschancen ein. Zugleich fĂŒhrt die wachsende Mittelschicht in SchwellenlĂ€ndern ebenfalls zu steigender Nachfrage beispielsweise nach Kaffee, Fleisch oder Getreide.

Wer ein Rohstoff-Investment in ErwĂ€gung zieht, sollte sich darĂŒber im Klaren sein, dass die Preisschwankungen hier besonders stark ausfallen können. FĂŒr risikoscheue Anleger sind Rohstoffe deshalb nicht geeignet.

Aktien als Inflationsschutz nutzen

Aktien stehen fĂŒr einen Anteil am Unternehmen und zĂ€hlen deshalb ebenfalls zu den Sachwerten. Wer Aktien kauft, wird automatisch zum MiteigentĂŒmer und im Erfolgsfall am Gewinn beteiligt. Dies heißt jedoch nicht, dass Aktien automatisch auch vor einer Inflation schĂŒtzen.

Ein wichtiger Faktor ist das GeschĂ€ftsmodell des betreffenden Unternehmens. Von einer Inflation profitieren vor allem Unternehmen, die in ihrer Branche eine marktfĂŒhrende Stellung einnehmen. Hierzu gehört beispielsweise der GetrĂ€nkehersteller Coca-Cola oder die Fast-Food-Kette McDonalds. Bei diesen Unternehmen wird davon ausgegangen, dass sie Preiserhöhungen problemlos bei ihren Kunden durchsetzen können. Bei Unternehmen, die einem harten Wettbewerb ausgesetzt sind fallen die Gewinnmargen dagegen deutlich geringer aus. Hier besteht kaum eine Möglichkeit, gestiegene Preise auf die Kunden abzuwĂ€lzen. Kommt es zu einem Anstieg der Produktionskosten fĂŒhrt dies zwangslĂ€ufig zu einem GewinnrĂŒckgang.

Unternehmen mit einem hohen Substanzwert, beispielsweise durch den Besitz von Immobilien kommen in der Regel ebenfalls gut mit einer Inflation klar. Steigt das allgemeine Preisniveau, steigen auch die Preise dieser Vermögenswerte – und damit der Kurs der Aktien.

Zinsniveau hat Auswirkungen auf die Aktienkurse

Ob Aktien vor einer Inflation schĂŒtzen hĂ€ngt immer auch davon ab, wie stark das Preisniveau steigt. Wie verschiedene Studien zeigen, ist die Entwicklung der Kurse bei einer Inflation von rund 5 Prozent am besten. Geht die Inflation darĂŒber hinaus sieht das Ganze deutlich anders aus. Verringert sich die Kaufkraft besonders stark können Verbraucher sich weniger leisten und die Nachfrage sinkt. Dies fĂŒhrt im Verlauf zu Entlassungen und damit verbunden zu noch weniger Einkommen. Bei dieser Spirale gehen dann auch Produktion, UmsĂ€tze und Gewinne der Unternehmen nach unten.

In Zeiten einer Inflation hĂ€ngt die Kursentwicklung bei Aktien zudem auch vom Zinsniveau ab. Ziehen die Preise an gehen in der Regel auch die Zinsen nach oben. Dies war unter anderem in den 1970er Jahren der Fall, als Aktien gegenĂŒber Anleihen kaum Vorteile einbrachten. Bleiben allerdings die Zinsen trotz zunehmender Inflation niedrig, erleiden Anleger mit Zinsanlagen deutliche Vermögenseinbußen. Betrachtet man sich die aktuelle Geldpolitik der EZB dann könnte diese Situation durchaus noch lĂ€nger anhalten. Eine solche Konstellation wĂŒrde die Anlageklasse Aktien begĂŒnstigen.

Andere Sachwerte wie Schmuck, Oldtimer oder Kunst

Wer beispielsweise in ein GemĂ€lde, Autos oder Schmuck als Geldanlage erwerben möchte benötigt hierfĂŒr das entsprechende Fachwissen. Die MĂ€rkte fĂŒr solche Sachwerte sind sehr intransparent und lassen sich kaum kalkulieren. Deshalb sind solche Investitionsobjekte eher fĂŒr Sammler als fĂŒr eine echte Geldanlage geeignet.

Experten-Tipp:

Die Investition in Sachwerte kann eine gute Möglichkeit sein, das Risiko zu streuen. Dabei sollten Anleger jedoch die Entwicklung der Sachwerte immer im Blick behalten und schnell reagieren bei VerÀnderungen.

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In Sachwerte investieren – Chancen und Risiken was last modified: MĂ€rz 28th, 2017 by Hanspeter Volk

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