Risikoaspekte bei Investition in Anleihe

Zwangsanleihe im Krieg?

Kriegsfinanzierung als Auslöser

Wie so oft in der Geschichte war ein Krieg der „Vater aller Dinge“. Die Geschichte der Staatsanleihen beginnt nämlich auch mit einem Krieg. Um die vielen Kriege gegen andere Stadtstaaten in der Umgebung und später auch gegen das osmanische Reich zu führen, erhielt die Republik von Venedig die ersten Anleihen, welche zunächst bei den eigenen Bürgern platziert wurden. Im Gegensatz zu den modernen Anleihen handelte es sich dabei aber um Zwangsanleihen, die mit „prestiti“ bezeichnet wurden. Dies alles fand in einer Zeit, dem 12. Jahrhundert statt in der Zinsen noch als Wucher gesehen und von der Kirche verboten wurden. Aber um die vielen Konflikte, die damals Gang und gäbe waren zu gewinnen, benötigten die verschiedenen italienischen Republiken das nötige Kleingeld, welches sie sich bei den Bürgern holten. Sogar der Papst erlaubte im Übrigen diese Zwangsanleihen, indem er die Zinszahlungen als Entschädigungen titulierte, womit sie gleichzeitig auch offiziell nicht mehr als Zinsen gesehen wurden. Seit der Begebung der ersten Anleihen durch die Republik von Venedig im 12. Jahrhundert gab es wenig überraschend auch so wie heute, immer wieder Finanzkrisen. Verlorene Kriege oder zu teuer erkaufte Triumphe führten oft dazu, dass der Staat die Zinszahlungen nicht mehr bedienen konnte. Dies löste herbe Verluste bei den Anleihen aus, die sofort ungebremst in den Keller rasselten.

Einfaches Prinzip

Seit damals kennt man also das einfache Prinzip der Anleihen: Anleger leihen einem Schuldner Geld und erhalten dafür Zinsen und zum Ablaufdatum ihre Kapitalretour. Das ist wie wir alle aus der Praxis wissen, die Theorie. In der Praxis stellt sich die Situation, sowohl bei Staaten, wie bei Unternehmen und Privatpersonen schon deutlich komplexer dar. Der Wille bzw. die Fähigkeit die aufgenommen Schulden wieder zurück zu zahlen ist nicht immer gegeben. Das prominenteste Beispiel der letzten Jahre (2014 – 2015) waren die griechischen Schulden, bei denen der Staat die eigenen Anleihen nicht mehr bedienen konnte bzw. wollte und daher von seinen europäischen Partnern mehrmals gerettet werden musste. Wenn Anleihenbesitzer daran zweifeln, dass sie ihr Geld wie vereinbart wieder zurückbekommen, weigern sie sich logischerweise neue Anleihen zu erwerben und dies führt unweigerlich zu signifikant höheren Finanzierungskosten für den Emittenten. Wenn im Zuge einer Wirtschaftskrise systematisch an der Rückzahlungsfähigkeit bzw. – Willen von Emittenten gezweifelt wird, dann führt dies zugleich aber auch dazu, dass andere Schuldner die vom Markt als vertrauenswürdig eingestuft werden, von dieser Situation profitieren. Dies zeigt sich auch ganz gut an den Beispielen deutscher und schweizer Staatsanleihen im Zusammenhang mit den Krisen der Pleitestaaten des Euro-Raumes. In der Zwischenzeit muss der deutsche Staat bei der Begebung von neuen Schulden nicht nur keine Zinsen mehr zahlen, sondern bekommt bei 2- und 5-jährigen Anleihen sogar Geld für das Ausleihen von Geld. Genauer formuliert, notieren die Renditen für 2- und 5-jährigen Anleihen (Schatz und Bobl) im negativen Bereich, was nichts anderes heißt, als dass Deutschland weniger zurückzahlen muss, als es zuvor aufgenommen hatte. Noch extremer stellt sich die Situation bei unseren Nachbarn in der Schweiz dar, wo der Schweizer Franken als sicherer Hafen für globale Gelder aus der ganzen Welt gesehen wird und wo 10-jährige Staatsanleihen bereits einen negativen Zins von -0,28% „zahlen“. Die Käufer dieser Anleihen bekommen somit weniger Geld zurück, als sie jetzt eingezahlt haben. Dies ist nichts anderes als der Preis, den Anleger für die relative Sicherheit dieser Anleihen bereit sind zu zahlen.

Was aber genau sind Anleihen und wie kommt es, dass Anleger dafür zahlen ihr hart verdientes Geld zu halten? Juristisch gesehen sind Anleihen Gläubigerpapiere. Das heißt, dass der Käufer nicht wie es bei Aktien der Fall ist, Miteigentümer der emittierenden Firma oder des Staates wird, sondern er ist ähnlich der Bank lediglich ein Kreditgeber. Mit diesem Kapital können Unternehmen und Staaten im optimalen Fall, Investitionen tätigen oder was leider immer häufiger Realität ist, laufende Rechnungen zahlen. Mit dem Erwerb des Wertpapiers entsteht für den Käufer gleichzeitig das Recht zu den vertraglich vereinbarten Zeitpunkten einen Coupon zu beziehen und am Ende der Laufzeit das Kapital zurück zu erhalten. Ausgenommen von Zinszahlungen sind Zerobonds, welche nicht mit einer regelmäßigen Zinszahlung ausgestattet sind. Wenn systematische Risiken im Finanzsystem lauern und es nicht mehr viele Emittenten mit guter Bonität gibt, dann sind Anleger auch bereit für die Kapitalbereitstellung niedrige Zinsen zu erhalten oder wie in den oben beschriebenen Fällen, in Extremsituationen sogar für die „Aufbewahrung“ des eigenen Geldes zu zahlen. Für die Investoren gibt es aber nicht nur die Gefahr eines Komplettausfalls (Ausfallrisiko), sondern es lauern auch andere potentielle Risiken. Diese werden nach werden nach dem Bullenmarkt der letzten drei Jahrzehnte gerne zu unrecht ignoriert . Im folgenden erklären wir Ihnen, wie man also als ein auf Sicherheit bedachter Investor in so einem tiefen Zinsumfeld akzeptable Rendite erwirtschaften kann und welche Risiken man dabei beachten sollte.

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Attraktives Chancen-Risiko-Verhältnis für Ihr Anleihenportfolio

Um ein Mindestmaß an Performance in der derzeitigen Zinslandschaft zu erzielen, müssen Anleger daher zwangsläufig vermehrt Kredit- und auch Zinsrisiken eingehen. Die Laufzeit einer Anleihe und die Couponhöhe definieren nämlich das sogenannte Durationsrisiko einer Obligation. Dieses Durationsrisiko ist auch entscheidend für wie stark eine Anleihe auf Zinsänderungen reagiert. Je länger die durchschnittliche Laufzeit der Obligationen im Portfolio, desto stärker reagieren diese auch auf Änderungen des allgemeinen Zinsniveaus. Zum Beispiel hat ein Portfolio deutscher Staatsanleihen mit einer durchschnittlichen Laufzeit von 8 Jahren, eine Duration von sieben Jahren. Damit würde ein Zinsanstieg von 1% bei einem derartigen Modell-Portfolio ein Verlust von sieben Prozent auslösen. Dies ist ein erhebliches Risiko dessen sich viele Investoren in Rentenprodukte nicht bewusst sind. Denn in den letzten Jahrzehnten ging es mit den Rendite auf globale Anleihen nur in eine Richtung. Nämlich nach unten. Während 10-jährige deutsche Bundesanleihen und US-Bonds in den 70er und 80er Jahren noch teilweise über 10% Rendite abwarfen, erzielt man heute mit deutsche Staatsanleihen nur mehr eine Verzinsung von deutlich unter 1% und in den USA von rund 2%. Daher kann man auf dem aktuellen Zinsniveau getrost davon ausgehen, dass mittelfristig die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsanstieg höher als für einen weiteren Fall ist. Für Investoren ist es aus diesem Grund so wichtig zu verstehen, welche Risiken weitere Investments in Anleihen derzeit haben .

Angesichts der lahmen wirtschaftlichen Situation in Europa, sowie auch einiger Anzeichen für eine Verlangsamung des Wachstums in den USA, als auch Asien, ist nicht von einer rasanten Entwicklung bei den Zinsen zu rechnen, sondern eher von einem langsamen und kontinuierlichen Anstieg der Zinsniveaus über die nächsten Jahre zu rechnen. Sowohl Politiker, wie auch Notenbanker sind sich angesichts des langsamen Wachstums und des Überhangs an Schulden bei privaten, wie öffentlichen Wirtschaftsteilnehmern der Gefahr eines sprunghaften Anstieges durchaus bewusst und werden daher versuchen ein derartiges Szenario mit allen Mitteln zu verhindern. Angesichts dieses Hintergrunds stellt sich für viele Anleger die Frage wie sie ihre Anleihen-Portfolios vor solche einer Hintergrund am besten schützen können.

Risiken eines Bondinvestments

Eine interessante Möglichkeit das Zinsrisiko zu reduzieren, ist die Beimischung von Anleihen mit kürzerer Laufzeit. Diese weisen in der Regel niedrigere Coupons auf und sind daher nicht so anfällig bei Zinsanstiegen. Für Anleger, die ein baldiges Ansteigen der Zinsniveaus erwarten, besteht auch die Möglichkeit mittels Zinsderivtaten sich vor einer derartigen Entwicklung zu schützen. Dazu stehen einem Instrumente wie Futures oder Optionen zur Verfügung. Mit Futures auf Bonds (10-Jahre), Bobl (5-Jahre) und Schatzkontrakten (2-Jahre) hat der Anleger den Vorteil, dass er die zukünftige Entwicklung nicht so genau timen muss, sondern nur grundsätzlich die Richtung der mittelfristigen Marktbewegung vorhersehen braucht.

Des Weiteren stehen dem informierten Investor diverse Instrumente zur Verfügung, welche eine bessere Performance abwerfen, sowie einen guten Schutz vor dem Zinsrisiko bieten. Sie alle aber müssen auch gewissenhaft gesteuert werden, da sie gewisse andere Risiken enthalten.

Hier sind an erster Stelle hoch verzinste Anleihen, besser bekannt als High-Yield-Bonds zu sehen. Diese werden von Emittenten mit schlechteren Ratings herausgegeben und zahlen aufgrund des höheren Ausfallsrisikos auch einen deutlich höheren Coupon. Diese Investment-Kategorie hat sich auch in den letzten Jahrzehnten gut entwickelt und hat deutlich niedrigere Zinsaufschläge als noch in den 80er und 90er Jahre. Dennoch ist der derzeitige Zinsvorteil in diesem Umfeld als attraktiv zu sehen. Dieser Zinsvorteil, der sich durch einen höheren Coupon bemerkbar macht, bietet auch einen guten Schutz vor steigenden Zinsniveaus. Anders als bei vielen Staatsanleihen steht bei High-Yield-Bonds nämlich nicht so sehr das Zinsrisiko, also das schnelle Ansteigen des allgemeinen Zinsniveaus, sondern das Kreditrisiko im Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Daher reagieren diese Anleihen weit aus weniger auf Zinsschwankungen als zum Beispiel Staatsanleihen guter Bonität. Das Kreditrisiko einzelner hoch verzinster (Unternehmens) – Anleihen kann mit einer breiten regionalen und sektoralen Diversifikation entgegnet werden. Anleger dieser Asset-Klasse sollte unbedingt auch versuchen regelmäßig die Marktentwicklung zu verfolgen,da High-Yield-Bonds für größere Schwankungen bekannt sind.

Eine weitere Option für gewiefte Marktteilnehmer von einem Anziehen der Inflation und des Zinsniveaus zu profitieren, ist der Kauf von an die Inflation indexierte Anleihen. Angesichts der derzeitig extrem niedrigen Inflationserwartungen, gepaart mit dem expliziten Bestreben der größten Notenbanken der Welt die Teuerungsrate wieder näher an ihren Zielwert von 2% zu bringen, kann eine Beimischung von Inflationsanleihen durchaus attraktiv sein, um von den aktuellen Tiefstständen bei diesen Wertpapieren zu profitieren. Ohne Zweifel weisen diese Papiere im Moment ein extrem interessantes Chancen-Risiko-Profil auf und können vor einem Anstieg der globalen Inflation guten Schutz bieten (Inflationsrisiko).

Wandelanleihen stellen auch ein weiteres Instrument dar, um sein Portfolio vor Zinsschwankungen zu schützen. Diese hybriden Wertpapiere weisen nämlich Charakterzüge von Anleihen gepaart mit Aktien auf. Daher richtet sich ihre Wertentwicklung, sowohl am Verlauf der Aktienmärkte, als auch an dem des Anleihe-Marktes. Da in der Vergangenheit Anleihen und Aktien meistens negativ korreliert haben (sich in gegensätzliche Richtungen entwickelt haben) sollte ein möglicher Anstieg des Zinsniveaus, gekoppelt mit einem Fall in den Anleihewerte, zu einem Anstieg der Aktienmärkte führen. Dies spricht für eine Aufstockung des Anteils von Wandelanleihen wenn diese bislang im Portfolio untergewichtet waren.

Neben dem Ausfallsrisiko, dem Zinsänderungsrisiko und dem Inflationsrisiko gibt es auch noch zwei weitere Risiken die jeder Investor bei einer Veranlagung in Anleihen berücksichtigen sollte. Hier ist einerseits das Kündigungs- oder Auslosungsrisiko und andererseits das Währungsrisiko zu nennen.

Beim Kündigungsrisiko gibt es ein mögliches Schuldnerkündigungsrecht welches bei manchen Anleihen in den Vertragsbestimmungen enthalten ist. Nimmt der Emittent sein Recht in Anspruch, bekommt der Investor vor Ablauf der Laufzeit sein investiertes Kapital zum Nominalbetrag zurück. Dies wird der Emittent meistens dann machen, wenn der bezahlte Coupon deutlich über der am Markt erzielbaren Verzinsung liegt. Durch die frühzeitige Tilgung und einer Neuemission zu attraktiveren Konditionen, kann sich der Emittent durch diese Operation unter Umständen viel Geld sparen. Für den Anleger bedeutet diese Option des Emittenten hingegen die Gefahr, das erhaltene Kapital nicht mehr zu einer vergleichbaren Verzinsung veranlagen zu können. Dies nennt man das Reinvestitionsrisiko des Anlegers und bedeutet eine Verschlechterung seiner Vermögensposition. Für die Gewährung dieser Option, verlangt der Investor in der Regel aber von Vornherein eine angemessene Prämie.

Als letztes Risiko für den Halter eines Anleiheportfolios ist das Wechselkursrisiko zu nennen. Es werden nämlich nicht alle in Europa gehandelte Anleihen auch in Euro begeben. Immer häufiger sind in den letzten Jahren Fremdwährungsanleihen geworden. Bei diesen erfolgt sowohl die Coupon-Zahlung, als auch die Rückzahlung der Nominale in einer fremden Währung. Dadurch entsteht natürlich ein Wechselkursrisiko für den Anleger. Sinkt die Fremdwährung gegenüber dem Euro, so muss der Anleger Währungsverluste hinnehmen. Im Fall von einer Aufwertung der Fremdwährung, werden wiederum Währungsgewinne erzielt. Diesem Währungsrisiko kann ebenfalls durch eine breite Streuung an interessanter Währungen begegnet werden. Immer häufiger ist auch der Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen aus anderen Währungsräumen. Dies können sowohl US-Anleihen, qlw auch Anleihen aus Emerging-Markets sein, wo die durchschnittlichen Verzinsungen der Anleihen in der Regel wesentlich höher als bei Industriestaaten liegt. Anleger, die aber das Währungsrisiko dieser Emerging-Market-Anleihen ausschalten möchten, müssen dieses Risiko entweder selber absichern (Hedgen) oder durch strukturierte Produkte von einem Broker erwerben. Diese Dienstleistung führt aber meistens zu nicht unerheblichen Kosten, wodurch der Zinsvorteil wieder verloren gehen kann.

Nachwort
Anleihen sind eine relativ sichere Anlageform. Der Anleger profitiert von einem festen Zinssatz, den er an jedem vorab vereinbarten Stichtag kassiert. Zudem erhält der Anleger nach Laufzeitende sein eingesetztes Kapital in der Regel zurück. Da Anleihen jederzeit an der Börse verkauft werden können, sind Anleihen eine flexible Art, sein Geld anzulegen. Wer vor Ablauf der Laufzeit verkauft, muss jedoch den jeweiligen Kurs an der Börse in Kauf nehmen. Im Vergleich zu einem Aktionär, der Teilhaber ist, hat der Anleger einer Anleihe als Gläubiger keinerlei Stimm- oder Teilhaberrechte. Im Insolvenzfall wird er gegenüber Aktionären jedoch vorrangig behandelt. In diesem Artikel wurden die wichtigsten Risiken beim Erwerb einer Anleihe bzw. eines Anleiheportfolios präsentiert und auch auf Möglichkeiten hingewiesen sich vor den diversen Risiken eines solchen Investments zu schützen.

Prozentsätze der Anleihe

Risikoaspekte bei Investition in Anleihe was last modified: Oktober 28th, 2015 by Deutsche Forex Broker