Euro-Crash – Wie können sich Anleger vor dem Zusammenbruch schützen?

Auch wenn derzeit nur wenig darüber gesprochen wird, ein Ende der Staatschuldenkrise in Europa ist weiterhin nicht in Sicht. Dabei gibt nicht nur die Lage in Griechenland Anlass zu Sorge. Auch andere Staaten wie Italien, Spanien oder Portugal werden es schwerhaben, sich von ihren Schulden zu befreien. Selbst Deutschland könnte noch in die Krise hineingezogen werden. Schließlich steht die Bundesrepublik mit Hunderten Milliarden Euro für die Rettungsschirme EFSF und ESM gerade. Große Investoren und Vermögensverwalter haben bereits erste Vorkehrungen getroffen, um sich gegen einen Euro-Crash zu wappnen. Auch immer mehr Kleinanleger fragen sich nun, wie sie ihr Geld in Sicherheit bringen können. Möglichkeiten sind in jedem Falle vorhanden.

  • Währungskonto: Auf sichere Währungen setzen
  • Aktien: Substanzwerte aus der Schweiz und den USA
  • Anleihen: Auf eine Rückkehr zur D-Mark setzen
  • Hebelpapiere: Aur einen Euro-Crash wetten
  • Gold: Die älteste Währung der Welt

Geld in anderen Währungen oder Gold anzulegen ist die konservative Variante zum Schutz vor einem Euro-Crash. Gezielt gegen den Euro zu wetten gehört dagegen zu den spekulativsten Formen der Anlage.

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Währungskonto: Auf sichere Währungen setzen

Um sein Kapital in anderen Währungen anzulegen muss heutzutage niemand mehr mit einem Geldkoffer über die Grenze fahren. Es gibt bessere und vor allem absolut legale Wege. Wer sich vor einem Crash des Euro schützen möchte, kann sein Geld außerhalb des Euro-Bereichs anlegen. Eine gute Möglichkeit hierfür sind Währungskonten, die beispielsweise in Schweizer Franken oder kanadischen Dollar geführt werden. Mittlerweile bieten auch viele Banken in Deutschland solche Währungskonten an.

Das Prinzip ist dabei ähnlich wie bei einem Tagesgeldkonto, nur eben mit einer anderen Währung. Kunden können einfach eine bestimmte Summe auf das Währungskonto transferieren. Erfolgt die Kontoführung beispielsweise in Dollar, ist das Geld geschützt, wenn der Euro gegenüber der US-Währung an Wert verlieren sollte. Zu beachten ist, dass solche Währungskonten für den normalen Zahlungsverkehr nicht geeignet sind. Es handelt sich hierbei um reine Anlageprodukte.

Eurokrise - Währungskonto

Neben der Chance auf Wechselkursgewinne bieten viele Währungskonten eine feste Verzinsung an. Bei der Commerzbank Tochter Comdirect gibt es beispielsweise einen Zinssatz von 4 Prozent, wenn das Geld in türkischen Lira angelegt wird. Insgesamt können Kunden hier unter 13 verschiedenen Währungen wählen. Ein solches Währungskonto kann bereits ab einer Mindestanlage von 500 Euro eingerichtet werden. Für die Kontoführung entstehen keinerlei Kosten. Des Weiteren können Inhaber eines Aktiendepots das Währungskonto als Verrechnungskonto für Auslandsorders nutzen.

Experten empfehlen, das Geld in Währungen von vergleichsweise gering verschuldeten Staaten anzulegen. Hierzu zählt unter anderem die Norwegische Krone. Der US-Dollar gilt bei Anlegern ebenfalls als sicherer Hafen für eine Geldanlage.

Aktien: Substanzwerte aus der Schweiz und den USA

Mit Aktien in einer fremden Währung können sich Anleger ebenfalls vor einem Euro-Crash schützen. Auf diese Weise lässt sich indirekt sogar von einem fallenden Eurokurs profitieren. Unabhängig von der Krise des Euros sollten Anleger ohnehin auf eine möglichst breite Diversifikation setzen. Deshalb gehören ausländische Aktien grundsätzlich in jedes Depot. Zur Absicherung des Depots empfehlen sich Substanzwerte wie Coca-Cola oder Nestle.

Wer bei der Anlage auf einzelne Titel setzt, sollte sich auf Unternehmen konzentrieren die erkennt und deren Entwicklung sich gut nachvollziehen lässt. Je nachvollziehbarer das Geschäftsmodell ist, desto besser können die langfristigen Ansichten bewertet werden. Die Analysten des US-amerikanischen Investmenthauses Kepler Capital Markets haben eine Liste von Unternehmen erstellt, welche einen Crash des Euros relativ unbeschadet überstehen würden. Hierzu gehören vor allem Schweizer Unternehmen wie Nestlé, Roche, Schindler Holding und Syngenta.

Ausländische Aktien bieten Anlegern eine Reihe von Vorteilen. Geht der Kurs der Fremdwährung nach oben steigt sowohl der Verkaufswert in Euro wie auch die Höhe der Dividende. Dieser Effekt tritt unabhängig von einer Veränderung des Aktienkurses auf. Natürlich muss bei Aktien immer beachtet werden, dass die Kurse mitunter stark schwanken können. Zudem ist nicht absehbar, wie die weltweiten Aktienmärkte auf ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone reagieren würden. Vollkommen unbeschadet dürften diese einen Euro-Crash nicht überstehen. Kursverluste können die Einnahmen aus dem besseren Wechselkursverhältnis schnell aufzehren.

Anleihen: Auf eine Rückkehr zur D-Mark setzen

Im Vergleich zu Aktien kommt es bei Anleihen seltener zu starken Kursschwankungen. Allerdings werfen sichere Anleihen wie Bundesobligationen kaum eine Rendite ab. Zehnjährige Papiere bringen aktuell nur etwas mehr als 1 Prozent, wodurch nicht mal die Inflation ausgeglichen wird.

Kritiker des Euro halten deutsche Staatsanleihen für sicherste Form, um sich gegen einen Euro-Crash zu schützen. Die Experten gehen in diesem Fall von einer verstärkten Nachfrage nach deutschen Staatspapieren aus, was ein Ansteigen der Kurse zur Folge hätte. Sein Geld jetzt auf deutsche Staatsanleihen zu setzen ist somit gleichbedeutend mit einer Wette gegen den Euro. Eine äußerst riskante Wette, da dieses Szenario wirklich den Extremfall darstellt.

Deshalb kann es sinnvoll sein, sich nach interessanten Anleihen in anderen Währungsräumen umzuschauen. Eine recht gute Verzinsung gibt es beispielsweise bei australischen Staatsanleihen mit einer zehnjährigen Laufzeit. Obwohl beide Länder über das beste Rating AAA verfügen, liegen die Renditen deutlich über den von deutschen Papieren.

Im Gegenzug zu den attraktiven Renditen besteht bei Fremdwährungsanleihen ein Wechselkursrisiko. Anleger müssen folglich die Chancen auf höhere Zinsen und Währungsgewinne gegen die Risiken abwägen. Eine Alternative sind Fonds, die in Staatsanleihen mit ausländischen Währungen investieren. Unter anderem bietet die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) falls Fremdwährungsanleihen an, mit denen Anleger relativ risikolos auf Wechselkurseffekte setzen können.

Hebelpapiere: Auf einen Euro-Crash wetten

Anleger, die fest von einem Scheitern des Euro ausgehen, können auch gezielt gegen die europäische Gemeinschaftswährung wetten. Auf dem Finanzmarkt wird eine Vielzahl von Hebelpapieren angeboten die immer dann gewinnen, wenn der Euro verliert. Bei einem entsprechend hohen Risiko versteht sich.

Zu den beliebtesten Varianten gehören dabei Knock-out-Optionsscheine. Mit diesen können Anleger von den kräftigen Währungsschwankungen profitieren unter anderem auch, wenn der Euro zusammenbricht. Mit Abstand am meisten gehandelt wird hier das Währungspaar EUR/USD gehandelt. Wer gegen den Euro wetten möchte, kauft sich einen sogenannten Knock-out-Put-Optionsschein. Put steht bei dieser Anlageform für fallende Kurse, Call für steigende.

Zu den Kennzeichen eines Knock-out-Put-Scheins gehört, dass der Herausgeber eine bestimmte Kursgrenze definiert. Diese wird in der Praxis auch als Knock-out-Schwelle bezeichnet. Sobald der Kurs des Euro diese Schwelle nach oben durchbricht, ist das angelegte Kapital verloren. Deshalb ist es wichtig, dass Anleger beim Kauf einen genauen Blick auf diese Grenze werfen. Zuletzt kostet der US-Dollar rund 1,11 Euro. Je näher die Kursschwelle am aktuellen Kurs liegt, desto höher das Risiko. Sollte der Eurokurs nach dem Kauf des Optionsscheins weiter fallen, wird der Gewinn umso größer.

Der Hebel zeigt den Betrag an, welcher eingesetzt werden muss um denselben positiven Effekt zu erzielen, wie jemand der real Dollar gegen Euro umtauscht. Gilt beispielsweise ein Hebel von 90, muss lediglich ein Neunzigstel des Kapitals eingesetzt werden.

Wie bei allen Hebelpapieren und Zertifikaten gilt auch hier das Emittentenrisiko. Sollte die herausgebende Bank pleite gehen, ist das angelegte Geld verloren. Dieses Schicksal erlitten Inhaber von Lehman-Zertifikaten.

Gold: Die älteste Währung der Welt

Wem diese Anlagen zu risikoreich sind, kann natürlich auch auf Sachwerte setzen, um sein Geld für einen Euro-Crash in Sicherheit zu bringen. Die erste Alternative hierbei ist Gold. Das Edelmetall ist nicht nur zur Herstellung von Schmuckstücken geeignet, es ist gleichzeitig auch die älteste Währung der Welt. In den letzten Jahren ist der Goldpreis fast kontinuierlich gestiegen. Zeitweise stand der Kurs bei rund 1.900 US-Dollar pro Feinunze. Allerdings kam es mittlerweile zu einem kräftigen Abschwung. Aktuell liegt der Kurs bei 1.245 US-Dollar. Die Niedrigzinspolitik der EZB sorgt derzeit wieder für einen steigenden Goldpreis.

Eurokrise - Gold

Echte Goldfans interessieren die täglichen Schwankungen der Preise auf dem Weltmarkt ohnehin nur am Rande. Gold wird hier eher als Versicherung gesehen, für den Fall, dass die Finanzmärkte komplett zusammenbrechen. Die Vergangenheit zeigt, dass Gold auch in den größten Krisen wie der Finanzkrise 2007 seine Kaufkraft erhalten konnte.

Wer sich mit Gold absichern möchte, kauft das Edelmetall in Form von Barren oder Münzen. Diese werden anschließend an einem sicheren Ort verwahrt. Kommt es zum Schlimmsten kann mit Gold sogar bezahlt oder Tauschhandel betrieben werden.

Welches Fazit lässt sich ziehen?

Trotz der aktuellen Staatsschuldenkrise ist der Euro-Crash ein nur schwer vorstellbares Szenario. Wer sich dennoch dagegen schützen möchte, kann auf verschiedene hochspekulative wie auch sichere Anlageformen zurückgreifen. Durch eine Verteilung auf mehrere Anlagen können Anleger sich zusätzlich noch gegen Kursschwankungen absichern. So ist es durchaus sinnvoll einen Teil des Kapitals in ausländischen Aktien oder Gold anzulegen, unabhängig von einem möglichen Euro-Crash.

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Euro-Crash – Wie können sich Anleger vor dem Zusammenbruch schützen? was last modified: März 12th, 2016 by Hanspeter Volk