Convertibles (Wandelanleihen) im groben Überblick

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Convertibles, in Deutsch auch Wandelanleihen genannt, sind festverzinsliche Kapitalanlagen. Wie normale Anleihen auch, werden Convertibles durch einen Emittenten, eine begrenzte Laufzeit und Nennwert definiert. Schließlich besitzen Convertibles auch ein Wandlungsrecht, welches dem Besitzer der Convertibles zusteht. Der Besitzer kann von diesem Recht Gebrauch machen, und die Wandelanleihe zu einem vorher festgelegten Verhältnis in Aktien eintauschen.

Die Konversionsbedingungen für die Wandlungen sind dabei im Emissionsprospekt beschrieben. Die Wandlungsbedingungen legen dabei genau die Anzahl der Aktien fest, in die jede Anleihe umgewandelt wird. Dabei ist aber zu beachten, dass die Konversion nicht immer möglich ist. Denn die Wandelanleihe kann vom Anleger nur in einer bestimmten Zeit, der Umtauschfrist, umgewandelt werden. Diese beginnt üblicherweise einige Wochen nach der Emission. Sie endet kurz vor Ende der Laufzeit.

Darüber hinaus stellt die Wandelanleihe für den Emittenten eine clevere Form dar, den Kredit in eine Aktienausgabe umzuwandeln. Sobald die Konversion stattgefunden hat, muss der Emittent keine Zinszahlungen mehr leisten. Auch das Kapital muss er nicht mehr zurückzahlen. Jedoch macht der Umtausch für den Käufer einer Wandelanleihe nur Sinn, wenn der Aktienkurs zu diesem genauen Zeitpunkt über dem Wandlungspreis liegt. Diese Differenz wird auch als Wandelprämie definiert. Sofern der Kurs niedriger als der Wandlungspreis liegt, lohnt sich eine Wandlung natürlich nicht und der Investor erhält die jährliche Verzinsung und den Nennwert zum Ende der Laufzeit. Trotz des möglichen Vorteils bei Wandlung keine Zinsen mehr zu zahlen, liegt die Verzinsung bei den Convertibles deutlich niedriger als bei den herkömmlichen Anleihen mit ähnlicher Laufzeit und vergleichbarer Bonität.

Stattdessen verfügen die meisten Convertibles über eine Wandlungsprämie, die den Aufpreis gegenüber dem Direkterwerb der Aktie an der Börse aufzeigt. Dabei kann sich das Chance/Risiko-Profil von einer üblichen zu einer hochverzinslichen Anleihe bewegen. Einflussfaktoren sind hier die zugrunde liegende Volatilität, der Aktienkurs, das Zinsniveau und die Kreditwürdigkeit. Es bestehen Bereiche, in denen die Convertibles auch Eigenschaften von Anleihen und Aktien aufzeigen. Wenn die Aktie ansteigt, dann steigt entsprechend auch der Preis der Wandelanleihe an.

Es zeigt sich auf, dass Convertibles einige Vorteil besitzen. Trotzdem ist Vorsicht angebracht. Anleger müssen mit Nachteilen rechnen, wenn der Emittent in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät. Inhaber von Wandelanleihen gehören zu einer niedrigeren Gläubigerklasse und werden im Fall von Insolvenz erst entschädigt, wenn die gesicherten Forderungen an die Banken ausgezahlt worden sind. Es ist hierbei zu beachten, dass diese Rangfolge in jedem Land anders ist.

Wir führen nochmal kurz die Vor- und Nachteile für den Emittenten auf:

Vorteile:

  • Es besteht ein Reiz für den Ankauf durch das geltende Umtauschrecht. Es ist daher in vielen Fällen eine gute Anlage der Anleihe gewährleistet
  • Durch die Emission von Wandelanleihen kann eine Fremdfinanzierung zu günstigen Konditionen gesichert werden
  • Fremdkapital wird zu Eigenkapital umgetauscht und es muss nur der nicht umgetauschte Teil der Convertibles zurückgezahlt werden
  • Die anfallenden Zinsen können sich positiv auf die Steuern auswirken und diese senken

Nachteile:

  • Es besteht eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich des Ausmaßes der tatsächlichen Kapitalerhöhung
  • Wandelanleihe kann unter Wert bei unerwarteter Kursentwicklung ausgegeben werden

Wie Wandelanleihen funktionieren

Der Vorteil von Wandelanleihen ist, dass sie Sicherheit und zur gleichen Zeit eine ordentliche Rendite gewährleisten. Egal ob Auf- oder Abschwung der Börse, Convertibles eignen sich hervorragend für jegliche Situation. Sie kombinieren die Chance auf Wachstum mit einer hohen Sicherheit. Convertibles sind simple Unternehmensanleihen und können am Ende der Laufzeit in Aktien eingetauscht werden. Dieses Recht auf Wandlung liefert für den Investor einen entscheidenden Vorteil. Denn er kann die Anleihe wandeln wenn der Aktienkurs nach oben geht. Somit kann der Anleger von den Kursgewinnen seit Kauf der Anleihe profitieren. Wenn jedoch die Kursentwicklung stagniert oder der Aktienkurs fällt, tut der Anleger gut daran, sein Wertpapier unverändert zu halten und zur gleichen Zeit den festgelegten Zins während der Laufzeit zu kassieren.

Wandelanleihen bestehen aus zwei Teilen. Zum ersten hat das Wertpapier die gleiche Funktion wie eine normale Unternehmensanleihe. Dabei verleiht der Investor dem Unternehmen Geld für einen festgelegten Zeitraum und kassiert über diesen Zeitraum hinweg die Zinsen. Die zweite wichtige Komponente der Wandelanleihen ist die Option, also das Recht die Anleihen in Aktien umzutauschen und das zu einem vorher festgelegten Preis.

Dieses Angebot ist für Anleger jedoch nur attraktiv, wenn das Wertpapier nach Ablauf der Frist noch genauso hoch ist wie zum Zeitpunkt der Ausgabe. Das folgende Beispiel soll diesen Sachverhalt genauer darstellen: Nehmen wir an das Unternehmen A zum heutigen Zeitpunkt eine dreijährige Wandelanleihe ausgibt, welche nach Ablauf dieser Frist zu einem Kurs von 30 Euro umgewandelt werden kann. Drei Jahre später hat diese Aktie aber nur noch 15 Euro. Damit wäre diese Anleihe wertlos

Vorteile dieser Convertibles bestehen, jedoch sind sie nicht kostenlos. Bedingt durch das Umtauschrecht bieten sie eine niedrigere Verzinsung als herkömmliche Unternehmensanleihen. Darüber hinaus bleiben Convertibles Anleihen und besitzen damit das herkömmliche Emittenten Risiko. Wenn das Unternehmen also in Insolvenz geht, verlieren die Investoren ihr eingesetztes Kapital. Das geltende Wandlungsrecht ist zu diesem Zeitpunkt nur ein kleiner Trost, denn die Aktie wäre beim Fall einer Insolvenz schon längst unter den Wandlungspreis gefallen sein.

Wann sich ein Tausch für den Anleger lohnt

Ein Tausch kann sich für den Anleger dann lohnen, wenn man das Ergebnis (Anzahl der Aktien entsprechend dem Wandlungsverhältnis multipliziert mit aktuellen Aktienkurs) größer ist als die Summe von Zins- und Rückzahlung der Anleihe. Dabei ist klar, dass der Anleger bei fallenden oder stagnierenden Aktienkurs die Wandelanleihe nicht wandelt. Er bekommt seine regelmäßigen Zinszahlungen und bekommt nach Ablauf der Frist den Nennwert der Aktie zurück.

Wie man Wandelanleihen unterscheidet

Vanilla Convertible Bonds: Diese Wandelanleihen sind normale Wandelanleihen und können in Aktien des Schuldners umgewandelt werden

Austauschbare Wandelanleihen: Diese Anleihe kann in Aktien einer anderen Unternehmung als die des Schuldners umgetauscht werden

Pflichtwandelanleihe: Diese Wandelanleihe stellt eine Sonderform dar, die ein begrenztes Wandelrecht besitzt. Diese Anleihe muss spätestens zum Ende hin in eine Aktie umgewandelt werden.

Contingent Convertible Bond: Es handelt sich hier um Wandelanleihen, die unter bestimmten Umständen in Aktien umgewandelt werden müssen. Dies kann beispielsweise sein, wenn die Eigenkapitalquote unter bestimmten Schwellenwerte fällt. Da ein erhöhtes Risiko damit einhergeht, weisen diese Anleihen höhere Zinsen auf. Sie werden besonders von Banken ausgegeben damit das Eigenkapital erhöht werden kann.

Optionsanleihe: Diese Anleihe ist keine Wandelanleihe. Sie kann nicht umgewandelt werden und wird bei Fälligkeit zurückgezahlt. Auf der anderen Seite ist sie aber mit Call-Optionen versehen, die das Recht einräumen, Aktien zu einem bestimmten Preis zu erwerben. Der Anleger kann hier von einem steigenden Aktienpreis profitieren.

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Warum Wandelanleihen derzeit gefragt sind

Wandelanleihen sind derzeit hoch im Kurs, da sie Verluste begrenzen. Derzeit ist der Anleihenmarkt mit Notenbankgeld vollgepumpt und die Verzinsung ist gering. Da viele Anleger derzeit auf wenig Risiko und stabilen Zins sowie geringe Volatilitäten setzen, sind die Anleihenkurse relativ hoch und Zinskurse unten. Zur gleichen Zeit sind die Aktienmärkte mit hohen Volatilitäten und erhöhten Risiko versehen.

Diese Umstände führen zur Gunst der Convertible Bonds. Eine Mischung aus beiden Anlageklassen, der Anleihe und der Aktie. Wandelanleihen stellen eine elegante und bequeme Kombination dar und sind bei Experten sehr beliebt.

An der Börse ist eher selten ein hundertprozentiger sicherer Gewinn zu erwirtschaften. Wenn Sie jedoch im Besitz einer Lufthansa Wandelanleihe beispielsweise sind, dann besteht noch Aussicht auf einen festen Gewinn. Grund ist, dass sich die Fluggesellschaft von der US-Fluglinie Jetblue trennen will. Mit dieser Absicht hat die Lufthansa bereits 2012 eine Wandelanleihe auf den Börsenmarkt gebracht, die bis 2017 läuft und von Inhabern gegen Jetblue-Aktien zum festgelegten Kurs von 5,02 Euro eingetauscht werden können.

Da Die Jetblue Aktie von vier Euro auf mittlerweile 15 Euro gestiegen ist, beabsichtigt die Lufthansa die Wandlung abzuschließen. Bedingt durch den Umtausch der Anleihe bekommen Anleger rund zehn Euro Prämie pro Aktie. Es ist also offensichtlich, dass bei diesem Kurs fast 100% der Besitzer der Wandelanleihen dem Aktientausch zugestimmt haben.

Wandelanleihen lohnen sich also, vor allem wenn die Aktienkurse steigen. Der Kniff dieser Anleihen liegt in der Option auf einer Wandlung. Anleger, die ihr Kapital mit sicherer Verzinsung zurückhaben wollen, können bis zum Ende der Frist abwarten. Die Pflicht zur Wandlung besteht nicht. Sie besteht nur in den sogenannten Zwangs- oder Pflichtwandelanleihen. Wandelanleihen stellen eine gute Möglichkeit dar, von der derzeitigen Entwicklung des Aktienmarktes zu profitieren, aber zur gleichen Zeit begrenzen sie potentielle Verluste an der Börse.

Für Privatanleger sind es gerade die Wandelanleihen ohne Pflicht- oder Zwangsumtausch mit freiwilliger Option auf einen Tausch in Aktien, die sehr attraktiv sind. Die Umtauschanleihen, bei deinen die Anleihen in Aktien eines anderen Unternehmens gewandelt werden können (Fall von Lufthansa und Jetblue), gehören ebenso dazu.

Für Börsenneulinge weniger geeignet

Wandelanleihen sind ein sehr komplexes Gebilde. Auch wenn die Beschreibung simpel klingt, sind diese Wertpapiere recht kompliziert. Das Problem ist, dass der Preis einer solchen Anleihe zwar auf die Entwicklung am Aktienmarkt reagiert, allerdings indirekt. Des Weiteren existieren viele Einflussfaktoren, die über die Attraktivität einer Wandelanleihe entscheiden. Dazu gehören beispielsweise der Nennwert, Ausgabepreis, Verzinsung, festgelegte Wandlungskurs, Laufzeit, noch ausstehende Zinszahlungen, Kostenstruktur, Gebühren und noch weitere Parameter.

Ferner sollte sich Anleger auch genauer über die Unternehmen beschäftigen, die Wandelanleihen ausgeben. Gerade als Anleger sollte man vor der Investition über ein sehr gutes Fachwissen besitzen und stets über die Neuigkeiten an der Börse informiert sein. Wer in eine Wandelanleihe investiert, muss eine klare Meinung zur Börsenentwicklung haben und muss basierend auf seiner Erfahrung und Wissen, die Entwicklung antizipieren können.

Vorteile für Unternehmen und Anleger durch Wandelanleihen

Unternehmen profitieren durch die Ausgabe von Wandelanleihen von frischen Kapital. Bedingt durch die Option auf günstige Aktien ist die Verzinsung niedriger als bei normalen Anleihen. Auf diese Weise erhalten Unternehmen von den Anlegern einen Kredit, der günstiger ist. Da das Zinsniveau häufig auch sehr niedrig ist, finden auch unverzinste Wandelanleihen Abnehmer. Dies ist zurückzuführen auf die Reduzierung des Verlustrisikos aber der gleichzeitigen Möglichkeit auf Teilnahme an der Börsenentwicklung. Ansonsten müssten Anleger für höhere Renditechancen auch ein höheres Risiko auf sich nehmen.

Bestes Beispiel ist die RAG-Stiftung, welche unverzinste Wandelanleihen ausgibt als eine Wette auf steigende Kurse. Eine neue Umtauschanleihen der RAG Stiftung soll dafür sorgen, dass die Mehrheitsbeteiligung am Chemiekonzern Evonik phasenweise reduziert wird. Daher hat die Stiftung erst im Februar dieses Jahres eine Wandelanleihe im Wert von einer halben Milliarden Euro ausgegeben, die einen Umtausch in Evonik Aktien erlaubt. Allerdings verdienen Anleger an dieser Anleihe überhaupt nichts. Die Verzinsung liegt bei null Prozent. Ohne Kursgewinne werden damit die RAG-Umtauschanleihen zum Verlustgeschäft.

Für Anleger ist das Wertpapier mit Null-Verzinsung trotzdem interessant. In diesem Fall überstieg die Nachfrage die Erwartungen der RAT-Stiftung. Für die meisten überraschend, bietet die Nullverzinsung entscheidende Vorteile. Denn mögliche Verluste sind auf den Nennwert der Wandelanleihe begrenzt. Der Nennwert entspricht dabei der Zahlung, welche der Anleger dem Unternehmen aushändigt und auf dessen Rückzahlung er zum Ende der Laufzeit der Anspruch hat.

Steuerliche Aspekte

Wandelanleihen werden steuerlich anders behandelt als Aktien. Nur die ausgeschütteten Zinsen stellen steuerpflichtige Gewinne dar, auf die 25 Prozent Kapitalertragssteuer berechnet werden. Allerdings entsteht kein steuerpflichtiger Gewinn bei der Wandlung, da kein Verkauf stattfindet und kein Gewinn entsteht. Nur bei Verkauf nach Wandlungstermin muss der Gewinn versteuert werden.

Um eine deutliche Rendite zu erzielen, muss der Aktienkurs über dem Wandlungspreis liegen, d.h. je höher desto besser. Daher ist der Wert eines Umtauschrechts primär abhängig von der Börsenentwicklung.

Die richtige Auswahl ist entscheidend

Viele Anleger machen wenig Gebrauch vom Optionsrecht. Stattdessen gehen sie davon aus, dass sich der Kurs einer Wandelanleihe stark am Kurs der Aktie orientiert. Es gilt als Faustformel: Steigt der Kurs der Aktie um einen Euro, gewinnt der Kurs der Wandelanleihe ungefähr 60 Cent an Wert. Der Anleger kann sie dann mit Gewinn verkaufen. Fällt der Aktienkurs, sind die Auswirkungen auf den Kurs nicht so schlimm. Denn er kann die Wandelanleihe bis zum Ende der Frist halten und bekommt wie bei jeder Anleihe den festen Zinssatz ausgeschüttet.

In der Praxis kommt es dann auf die richtige Auswahl an. Wie vor jeder Investition, sollte der Anleger einen Blick auf die Ratings der Unternehmen werfen und Gesellschaften auswählen, die eine hohe Bonität aufweisen. Des Weiteren ist auch entscheidend, Wandelanleihen von Unternehmen zu kaufen, die eine gute Entwicklung auf der Börse aufzeigen. Es gibt im IT-Bereich gute Chancen und die Wandelanleihen von Intel und Citrix versprechen gute Renditen.

In den meisten Fällen werden Wandelanleihen in großen Stückelungen ausgegeben und es empfiehlt sich für Privatanleger der Kauf von Fonds. Gute Fonds erfuhren in den letzten 5 Jahren eine gute Werteentwicklung mit sechs Prozent Rendite im Jahr.

Convertibles (Wandelanleihen) im groben Überblick was last modified: November 14th, 2015 by Deutsche Forex Broker