Ausblick auf das Börsenjahr 2016

Was können Anleger im kommenden Jahr erwarten

Das Börsenjahr 2015 neigt sich dem Ende zu. Bei einem Rückblick können Anleger durchaus zufrieden sein. An vielen Märkten konnten zweistellige Renditen erzielt werden, worüber sich niemand beschweren kann. Doch wie geht es nun weiter? Nach mittlerweile sechs erfolgreichen Aktienjahren am Stück fragen sich viele Anleger, ob sich inzwischen eine Kursblase entwickelt hat. Sind die Kurse nicht deutlich besser als die Konjunktur? Lohnt es sich jetzt noch in den Aktienmarkt einzusteigen? Lesen Sie nachstehend 10 Thesen für das Börsenjahr 2016.

Börsenjahr 2016 - Header

These 1: Probleme in Europa, Ruhe in den USA

Was die Entwicklung in Europa betrifft, dürften sich die aktuellen Probleme auch 2016 fortsetzen. Hier sind in erster Linie die Entwicklungen in den Ländern Griechenland, Spanien, Portugal, Frankreich oder Italien zu nennen. Der schwelende Konflikt in der Ukraine spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Dazu rücken neue Herausforderungen wie der Umgang mit den vielen Flüchtlingen in den Fokus. Unsicherheit besteht noch darüber ob ein möglicher EU-Austritt Großbritanniens im Laufe des Jahres wieder aktuell wird.

Dagegen schätzen Analysten die Lage in den USA als relativ ruhig ein. Daran dürften auch die anstehenden Präsidentschaftswahlen sowie anhaltende Diskussionen um ein einheitliches Krankenversicherungssystem nichts ändern. Ein wichtiges Anzeichen hierfür ist die jüngste Einigung zwischen Demokraten und Republikanern, was das fiskalische System betrifft. Dadurch reduziern sich die innerpolitischen Risiken im Vergleich zu den europäischen und asiatischen Ländern. Ein hohes Konfliktpotenzial ergibt sich nach wie vor aus der unsicheren Lage im Nahen Osten sowie den Gebietsstreitigkeiten Chinas mit seinen Nachbarn.

Theses 2: Schwaches aber stabiles Wachstum

Im Allgemeinen wird für 2016 mit einem leicht beschleunigten Wachstum der Weltwirtschaft gerechnet. In 2015 wuchs die Weltwirtschaft um 3,1 Prozent. Analysten gehen für das kommende Jahr von einem Wachstum von 3,5 Prozent aus. Im Vergleich zu den Vorjahren dürften hierfür vermehrt das Binnenwachstum sowie Dienstleistungen verantwortlich sein. Die Bedeutung der Industrieproduktion geht dagegen etwas zurück. Trotz geringerem Trendwachstum und stockenden Reformen scheint der konjunkturelle Zyklus intakt zu sein.

Börsenjahr 2016 - Wachstum

Für China wird 2016 ein Wirtschaftswachstum von rund 6,5 Prozent erwartet. In den großen Industrieländern sollte der Binnenmarkt ebenfalls für eine Belebung der Konjunktur sorgen. Deutschland kann mit einem Wachstum von 1,9 Prozent rechnen. Die Wirtschaft der USA wächst führenden Analysten zufolge um 2,5 und die von Japan immerhin noch um 1,5 Prozent.

These 3: Notenbanken gehen neue Wege

Börsenjahr 2016 - EZBDie US-Notenbank hat Anleger 2015 öfters mit undeutlichen und teilweise widersprüchlichen Aussagen verunsichert. Auch im kommenden Jahr dürften Anleger wieder mit Spannung auf die Entscheidungen der Fed warten. Es wird erwartet, dass der Leitzins aufgrund positiver Konjunkturentwicklungen bereits im Dezember angehoben wird. Hält die Entwicklung an, werden 2016 wohl noch zwei weitere Anhebungen folgen. Dies bedeutet nach Jahren der lockeren Geldpolitik einen deutlichen Umschwung. Dagegen könnte die EZB zusätzlich zur Absenkung des Einlagezinssatzes ihr Programm zum Anleihenkauf noch ausweiten. Dadurch wird der Euro abgeschwächt, wodurch sich die kriselnde Wirtschaft in der Eurozone weiter erholen soll.

These 4: Wechselkurse als Antreiber

Die Entwicklung am Devisenmarkt wird im Wesentlichen vom US-Dollar abhängen. Nach Ansicht der meisten Analysten wird der „Greenback“ im Vergleich zu den führenden Währungen an Bedeutung zulegen. Was den Euro betrifft, dürfte die lockere Geldpolitik der EZB und die Anhebung des Leitzinses durch die Fed mindestens zu einer Parität führen. Auf Schwellenländer wie Indien oder China sollten die negativen Auswirkungen der fortschreitenden Aufwertung des US-Dollars eher gering sein. Anders sieht es dagegen bei Ländern mit Doppel-Defizit bzw. Reformstaus muss dagegen mit zunehmenden Kursschwankungen gerechnet werden. Dies hat starke Auswirkungen auf Investitionen in Fremdwährungen.

These 5: Anleihen bringen wenig Rendite aber eine Menge Ärger

Für Anleihen mit einem vergleichsweise geringen Risiko gibt es auch 2016 kaum noch eine Rendite. Besser sieht es bei US-Unternehmensanleihen mit Investment-Grade aus. Hier sind durchaus Renditen von 3,5 Prozent möglich. Wer mit Rentenpapieren noch mehr Gewinne erzielen möchte, muss hierfür ein überproportional hohes Risiko eingehen. Bei US-amerikanischen Anleihen im High-Yield-Bereich dürften die Ausfallraten steigen, was sich auch auf die europäischen High-Yield-Anleihen auswirkt. Was die Schwellenländer betrifft, hängt die Rendite im Wesentlichen von den Währungsentwicklungen ab. Sollten sich die Kurse von Euro und US-Dollar als stabil erweisen sind durchaus attraktive Renditen möglich. Natürlich sollte dabei auch der Einfluss Chinas nicht außer acht gelassen werden. Sofern die größte Volkswirtschaft positiv überrascht würde sich dies ebenfalls positiv auf die Anleihen der Schwellenländer auswirken.

These 6: Aktien gehören immer ins Depot

Nachdem es in den letzten sieben Jahren steil bergauf ging, könnte die Entwicklung der Aktienkurse im Börsenjahr 2016 etwas moderater ausfallen. Dies liegt insbesondere an den Unternehmensgewinn, die im kommenden Jahr eher einstellig ausfallen dürften. Entscheidend für den Anlageerfolg ist eine gute Diversifikation mit den richtigen Akzenten. Analysten sehen die entwickelten Märkte wie Eurozone, Japan oder USA gegenüber den Schwellenländern im Vorteil. Was Branchen und Unternehmen betrifft, gilt es diejenigen herauszufinden, welche gegenüber dem allgemeinen Trend mit hohen Umsätzen und Margen punkten können.

These 7: Hohe Bewertungen bei Aktien halten den Trend

Aktien dürften auch 2016 zu den beliebtesten Investments bei Anlegern zählen. In China und den USA wird mit stabilen bzw. leicht steigenden Bewertungen gerechnet, was zu Preissteigerungen im mittleren einstelligen Bereich führen könnte. Dazu kommen dann noch entsprechende Dividendenzahlungen. Bei den Sektoren dürfte der Fokus im Börsenjahr 2016 zunächst auf Finanzen, Technologie und Nicht-Basiskonsum liegen. Im Laufe des Jahres wechselt dieser dann auf defensivere Werte wie Gesundheit und Basiskonsum. Ein wichtiger Grund für das steigende Interesse an Aktien liegt in der anhaltenden Niedrigzinsphase. Auf der Suche nach renditestarken Anlagen kommt im Prinzip niemand mehr an Aktien vorbei.

These 8: Rohstoffe entwickeln sich im Schatten des US-Dollar

Aufgrund der zahlreichen Einflussfaktoren lässt sich die Entwicklung des Ölpreises nicht zuverlässig vorhersagen. Nach Ansicht der meisten Analysten sollte die Talsohle jedoch in absehbarer Zeit erreicht werden. Mit einer Annäherung von Angebot und Nachfrage und einem damit verbundenen Anstieg der Preise wird allerdings erst zum Jahresende 2016 gerechnet. Sofern sich die OPEC nicht zu einer überraschenden Drosselung der Förderquote entscheidet, ist nicht von größeren Sprüngen beim Ölpreis auszugehen.

Börsenjahr 2016 - Rohstoffe

These 9: Immobilien vor allem in Metropolen interessant

Bei den Immobilien dürfte sich der Trend vergangener Jahre auch 2016 fortsetzen. Die Mehrzahl der Menschen zieht es in die Metropolen. Das Angebot dürfte dabei nicht ausreichen, um die steigende Nachfrage zu decken. Die Folge sind steigende Immobilienpreise. In Europa liegt ein besonderer Fokus auf den deutschen Metropolen. Im Vergleich zu anderen Märkten wie London sind diese um einiges fairer bewertet. Auf dem deutschen Immobilienmarkt ist auch in Zukunft mit keiner Blasenbildung zu rechnen. Was die USA betrifft, dürfte der stabile Arbeitsmarkt für einen Anstieg der Nachfrage nach Immobilien sorgen. Experten raten bei der Anlage zu einem möglichst breit gestreuten Immobilien-Portfolio.

These 10: Bezüglich Risiken seriös informieren

Zu den größten Risikofaktoren für das Börsenjahr 2016 gehört neben geopolitischen Risiken die Geldpolitik der Notenbanken. Die angestrebten Leitzinserhöhungen der Fed können für eine starke Aufwertung des US-Dollar sorgen und Druck auf die Rohstoffpreise sowie Währungskurse von Schwellenländern ausüben. Des Weiteren sind auch die Bedenken bezüglich der chinesischen Wirtschaft noch nicht komplett ausgestanden. Weitere Risiken ergeben sich nach Ansicht der Analysten durch sinkende Unternehmensgewinne. Aus diesen Gründen ist auch im Börsenjahr 2016 mit starken Schwankungen auf den internationalen Kapitalmärkten zu rechnen.

These 11: Keine Blase auf dem Aktienmarkt

Nach Ansicht von führenden Analysten hat sich auf dem Aktienmarkt noch keine Blase gebildet. So ist die Bewertung der im Deutschen Aktienindex gelisteten Unternehmen auf ein 30-Jahres-Tief gesunken. Für das Börsenjahr 2016 gilt ein Anstieg des DAX auf 12.000 Punkte aus durchaus realistisch. Ein Grund hierfür liegt darin, dass viele Unternehmen bereits jetzt ihre Gewinnerwartungen nach unten korrigiert haben. Dadurch wird der Start ins Börsenjahr 2016 um einiges erleichtert. Anleger, die ihr Geld in US-Papiere investiert haben können besonders von der Stärke des US-Dollar profitieren. Diese hat bereits 2015 zu rund 13 Prozent zur Kurssteigerung beigetragen.

These 12: Fokus liegt auf den Dividenden

Für Analysten gehören Europa und Deutschland auch im Börsenjahr 2016 zu den interessantesten Aktienmärkten. Hier besteht noch ein gewisser Nachholbedarf und die Unternehmen sind nicht zu hoch bewertet. Angetrieben wird die Entwicklung zusätzlich noch von den Dividenden. Da die Verschuldung reduziert wurde haben die Unternehmen einen ausreichenden Spielraum um die Dividendenausschüttungen anzuheben.

Die Entwicklung Japans wird von den meisten Experten ebenfalls positiv gesehen. Was die Unternehmensführung betrifft sind hier deutliche Fortschritte zu verzeichnen. Die Unternehmen arbeiten solide und der niedrige Yen hat für einen Aufschwung beim Tourismus gesorgt. Dagegen kommen die Schwellenländer höchstens als Beimischung zum Portfolio in Betracht. Anlegern wird empfohlen nicht in Partystimmung auszubrechen, sondern eher mit moderaten Kursgewinnen zu planen.

These 13: Märkte werden stark schwanken

Der Trend von schnellen Kursschwanken wird sich auch im Börsenjahr 2016 fortsetzen. 2015 hatten diese bereits im Januar mit dem Crash des Schweizer Franken begonnen. Anschließens kam es aufgrund von Terroranschlägen, der Griechenland-Krise sowie des VW-Skandals zu Kursverlusten. Mit der richtigen Strategie können Anleger aus solchen Kursschwankungen sogar Kapital schlagen. Chancen hierzu ergeben sich sowohl bei Hochzinsanleihen wie auch Aktien. Auf ein hektisches Daytrading sollte jedoch verzichtet werden. Häufige Umschichtungen führen zu hohen Depotkosten, was sich negativ auf die Rendite auswirkt.

Ausblick auf das Börsenjahr 2016 was last modified: Dezember 12th, 2015 by Hanspeter Volk